Mit Update nachmittags

Ein FAZ-Autor ist unzufrieden mit Robert Habeck. Unter der Bezeichnung “Miosga” bekam er gestern Abend einen überlangen ARD-Werbespot für sein neues Buch. Kostenfrei für ihn, bezahlt von uns. 1,7 (von 84) Mio. wollten das sehen. 11 Mio. sahen zuvor schlechten deutschen Fussball. 4 Mio. blieben noch für internationalen Fussball dran. Die meisten gingen dann schlafen.

Die was-mit-Medien-Blase befasste sich am Wochenende statt mit Fussballsport mit “Olympia” und dem Heiland Klopp. Andreas Rüttenauer/taz – “lebenslänglich Bayer” – ist zu den Gemässigten übergelaufen: “kein Allheilmittel”? Ein Brechmittel! IOC, Uefa und Fifa-Veranstaltungen sind gleich Abschaffung aller verfassungsmässigen Grundrechte, Beseitigung jeglicher “Marktwirtschaft” zugunsten von Sponsoren-Monopolen inkl. Abschaffung des Steuernzahlens, Gentrifizierungsturbos und Ausplünderer öffentlicher Kassen in den Austragungsstädten. NRW, Köln, der Ruhrpott sind jetzt schon pleite – und alle, die in München wohnen müssen, auch (fast alle, ausser der Schickeria). Wer noch Augen und Intelligenz für die internationale Politik hat, was hierzulande nur sehr, sehr wenige sind, weiss immerhin: dieser Kelch wird nicht nur an NRW, sondern am ganzen Land vorübergehen. Aber er lastet die Selbstbewirtschaftung einer kompetenzfreien Medienblase aus.

Is’ scho’ wieder Karfreitag?

Wie auch der Heiland Jürgen Klopp. Gäbe es eine Abwahlinitiative für Bundeskanzler, Merz wäre längst zu seinen Gunsten nach Brilon heimgeschickt. Nichtsnutzige Journalist*inn*en um den Finger wickeln – niemand kann das besser als Kloppo. Deutscher Meister im Labern, fast genauso lange schon, wie der Fussballkonzern aus dem süddeutschen Raum im echten Fussball. Nur leider werden Weltklassefussballer schon seit langer Zeit woanders ausgebildet als in Deutschland. Die Konzerne im süddeutschen und westfälischen Raum müssen sie importieren. Und national spielen sie lieber für Frankreich, England, Spanien, Schweiz oder failed states wie Kongo, Mali oder Österreich. Denn dort werden auch Schwarze wertgeschätzt. Leistung soll sich für sie lohnen, nicht nur mit Geld, sondern auch mit Wertschätzung. Darum lieben die meisten den Africa-Cup mehr als die Bundesliga. Und ihre weissen Oligarchenbosse wollen es nicht verstehen.

Jürgen Klopp, Meister aller Klassen in der Selbstvermarktung, ist intelligent genug, davon zu wissen, es sogar zu verstehen, und es Ahnungslosen erklären zu können. Aber Minderbegabte zur Weltklasse verwandeln – das kann weder er, noch sein teurer Mitarbeiter- und Beraterstab. Wenn die nächsten Spiele am 1.10. gegen Serbien und am 4.10. in Griechenland ähnlich vergeigt werden, wie die letzten beiden, dann wird der Arme vielleicht noch vor Weihnachten gekreuzigt. Und vor Merz.

Rassistische Migrationspolitik wird bestraft. Weit über den Fussball hinaus.

Update nachmittags

Horst Kahrs ist einer der wenigen, an einer Hand abzuzählenden seriösen Wahlanalyst*inn*en im deutschen Publizismus. In bruchstuecke.info das:

“Politische Strategie: Politik und Parteien sind keine Lieferdienste – Die Berliner Wahl markiert im Kontext der beiden anderen Landtagswahlen das bevorstehende Ende des Parteiensystems, mit dem unsereins groß geworden ist. Jüngere unter uns werden es neu erfinden und etablieren müssen, mit veränderten oder gar neuen Parteien, was mit der Linkspartei ja bereits begonnen hat.”

Kluger Mann.

Klassischer Fall von Selbstbewirtschaftung hingegen bei den Jüngern des Peter Thiel im Springerkonzern mit seiner sog. Zeitung “Bild”:

Ben Kutz/MDR-Altpapier: “Der Tag, an dem die ‘Bild’ plötzlich Persönlichkeitsrechte achtete – Die ‘Bild’ hat ein privates Foto von Jens Spahn, das ihn ziemlich in Bedrängnis bringt, mit einer bemerkenswerten Begründung wieder offline genommen. Eindeutig ein persönlicher Gefallen für Spahn? Doch ewig hält die Loyalität der ‘Bild’ nie.”

Ich interpretiere daraus die gute Nachricht: die deutsche Rechte ist sich über ihren menschenfeindlichen Irrsinn bisweilen ähnlich uneinig, wie die Linken.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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