Sind die “in der mediatisierten Öffentlichkeit stattfindenden Diskurse … keine offenen mehr”?
Mit der drohenden Programmreform des Deutschlandfunks ist bald Schluss mit diesem schwer verdaulichen Zeugs, auf das ich Sie im Folgenden ein letztes oder vorletztes Mal hinweisen will. Ich beginne mit Thomas Assheuer. Ich war Fan von ihm, als er 1991 in der damals noch lesenswerten Frankfurter Rundschau als stürmisch-kritischer kämpferischer Linksliberaler die alten SPD-nahen Strukturen seiner Redaktion aufmischte. Wir hatten sogar mal einen kurzen Briefwechsel. Oder war es Email? Vergessen, ist 30 Jahre her.
Der Gute verschwand dann 1997 zu meinem Bedauern in den Bezahlmauern des Holtzbrinck-Konzerns beim Studienräteblatt “Die Zeit”. Ich verlor ihn aus den Augen. Heute tauchte er wieder auf.
“Unsere nihilistische Gegenwart: Der Aufstieg autoritärer Macht und die Krise des Liberalismus – Nach dem Fall der Mauer und dem Sieg des Westens glaubte man, der Liberalismus sei das Ende der Geschichte. Heute dagegen scheint die Geschichte des Liberalismus selbst zu Ende zu gehen.” Nachlesbar im DLF, wie gesagt, nicht mehr lange: “Essay&Diskurs” ist mit dem Tode bedroht.
“Nihilismus” war für mich noch nie ein Thema. Auch die “Moderne” ist in meinen Augen ein Krückstock für Filosofen, die sich um materialistische Klassenanalysen herumdrücken wollen. Das will ich Assheuer nicht unterstellen. Er will halt beeinflussen, was er für den Hauptstrom der Debatte hält, und könnte damit richtig liegen. Das muss eine*r*m nicht gefallen.
Ähnlich auch der andere Beitrag des Wochenenddoppels von “Essay&Diskurs”: Valerie Rhein: “KommunikationsfreiheitDas Recht, die Macht und die Bedingungen offener Diskurse – Offene Diskurse sind die Bedingung gelingender Demokratie. Und das Recht hat die Aufgabe, Bedingungen herzustellen, die eine freie individuelle und öffentliche Meinungsbildung weitestgehend ermöglichen.”
Ihrem Beitrag ist obige Unterüberschrift entnommen. Vollständig lautet das Zitat: “Das Bundesverfassungsgericht skizziert vielmehr die Gefahr, dass Medien von einzelnen gesellschaftlichen Gruppen oder dem Staat vereinnahmt werden. Das könnte zur Folge haben, dass in der Aushandlung nur noch einfältige, mächtige Positionen erscheinen. Die in der mediatisierten Öffentlichkeit stattfindenden Diskurse wären dann bereits strukturell keine offenen mehr.” Dä!
Bei Frau Rhein ist es wie bei Assheuer. Sie leugnet die ökonomischen Verhältnisse nicht, sie schwingen im Hintergrund mit, ohne konkret benannt zu werden. Dabei sind sie es, die heute mehr denn je die gesellschaftlichen Triebkräfte und Machtverhältnisse bestimmen.
Und nun zur Praxis
Telepolis zitiere und lese ich seit dem Weggang von Florian Rötzer (und u.a. Extradienst-Autor Gilbert Kolonko sowie vielen Anderen) immer seltener. Heute fiel mir endlich mal wieder einer positiv auf.
Arne Sommer: “Die geschlossene Gesellschaft und ihre Freunde – Nur 25 Prozent vertrauen noch den Parteien. Ein Essay über die Frage, ob unsere Demokratie ihre eigenen Profiteure überlebt.”
Vorschläge macht der Kollege leider keine, aber seine Problemanalyse enthält nach meinen persönlichen Erfahrungen politischer (Partei-)Arbeit keine Fehler. Für alle, die es noch nicht wissen (wollten) also sehr lesenswert. Aus meiner Sicht gäbe es sehr wohl plebiszitäre Heilungsmöglichkeiten, wie sie in anderen bürgerlichen Demokratien (Vorwahlen in den USA und Frankreich, Referenden in Frankreich, Italien und keineswegs nur der vielzitierten kleinen Schweiz). Es wird hierzulande mit dem Anwachsen der AfD nur immer unmöglicher, dafür konstruktive politische Mehrheiten zu bilden. Diese Grube haben sich die demokratischen Parteien damit selbst gegraben.
Und wir Bürger*innen?
Zu unserer derzeit laufenden Gehirnwäsche – s.o. “mediatisierte Öffentlichkeit” – eine realistische Bestandsaufnahme von Dr. Christina Czeschik/heise: “Missing Link: Our Best Machines – Was bin ich ohne meinen KI-Assistenten? – KI-Assistenten ziehen in immer mehr Lebensbereiche ein. Medizininformatikerin und Sci-Fi-Autorin über die Frage wer wir ohne …” (Korrekturlesen bei heise abgeschafft – oder nur am Wochenende?)
An dieser Stelle bemerkte ich meinen persönlichen Luxus: “Viele unserer modernen Annehmlichkeiten, von der Spülmaschine über das Smartphone bis hin zu Lieferdiensten, haben diese Entwicklung zurückgelegt.” Ich benutze nichts davon, und geniesse es. Die Spülmaschine ist stillgelegt, sogar das Fahrrad steht wochenlang unbenutzt im Keller, das Smartphone liegt mit leerem Akku auf der Sofalehne, und Lieferdienste: nie. Ich gehe zu Fuss, pflege meine lokalen Sozialkontakte und nehme dabei ab.
Nun zur KI. Mit KI geschrieben ist in diesem Blog nichts. Es sei denn, eine*r meiner Autor*inn*en widerspricht mir. KI benutzt habe ich nur gelegentlich bei “Dr. Google”, um nach meinem Herzinfarkt diverse Zipperlein einordnen zu können. In Fussball- (Borussia Mönchengladbach) und Medienfragen (WDR) dagegen habe ich die Google-KI längst beim Verbreiten von Fakenews erwischt. Vertrauen? Null.
Und jetzt Sie.

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