Und was alte weisse Männer dazu sagen

Wenn Sie nun meinen, es ginge bei dieser Frage um das von den blutrünstigen Linken in Berlin politisch verfolgte Kapital … dann konsumieren Sie zu viele schlechte Medien. Erwähnte ich schon, wie viel (privates) Kapital allein in Deutschland existiert und zirkuliert? Ach ja: 9.490.000.000.000 €. Wo soll es nur hin? Haben Sie eine Idee?

Fangen wir mal mit den materialistischen Rahmenbedingungen an. Deutschland ist global betrachtet nur ein Zwergstaat. Entscheidend sind die Grossmächte. Über die weiss dieser junge weisse Mann aus Wien: Leon Switala/Jacobin: “Erleben wir das Ende des US-Finanzkapitalismus? – US-Staatsanleihen galten lange als sicherer Hafen der globalen Finanzwelt. Doch die Käuferstruktur hat sich verändert, China zieht Kapital ab und die Zinsen steigen. Dahinter steckt eine tiefere Krise des finanzialisierten Kapitalismus.”

Verzweifelt wandern Billionen an Kapital in KI-Konzerne, die seit einem Jahrzehnt noch gar keinen Profit gemacht haben. Allein aus dem Grund, dass alle Investor*inn*en hoffen, dass ausgerechnet sie auf den Monopol-Jackpot gesetzt haben. Wenn die Blase platzt, wird es einen sehr grossen Brand geben. Alle wissen das. Aber keine*r weiss wann – und wer es überleben wird. Der PC-Markt ist satt, da läuft nichts mehr. Entscheidend wird die richtige Vorhersage von ökonomischer Zukunft – und das schneller als alle Andern.

Einer weiss, wohin mit seinen bei unseren Krankenkassen ergaunerten Milliarden. Alle meine Notärzt*inn*e*n, die ich im Rahmen meines Herzinfarktes konsultieren musste, wussten von ihm und seinem Software-Müll: der Koblenzer Frank Gotthardt, bei dem die dümmsten Köpfe der CDU ein und aus gehen. Der Mann schiebt dem hetzenden Nichtsnutz Julian Reichelt kleine Teile seines kargen Einkommens hinten und vorne rein. Und die Kolleg*inn*en Dominik Lenze, Jean Peters, Lilith Wittmann und Carli Bess Kutschera/Correctiv lassen dieses Treiben nicht so unbeobachtet, wie die grösseren Teile der deutschen Medien: “Datenschutz: Nius-Leak: Wie Julian Reichelt Abonnenten gewinnt – Im Jahr vier nach Gründung hat Nius 12.000 Abos. Zugewinne verzeichnete das Portal während hitziger Kontroversen, etwa um Daniel Günther, Frauke Brosius-Gersdorf und Wolfram Weimer.”

Ich persönlich meine, dass der Herr Gotthardt hier seine Portokasse verbrennt. Immer noch besser, als wenn er sein Geld effektiv investiert. Der Kerl ist ein klassischer Fall für die Finanzpolizei. Und die nächsten Enteignungen – wenn ich zu sagen hätte.

Immerhin, sogar die Luxus-Immobilienpreise auf Sylt fallen schon. Die Superreichen sterben weg – die Erbengemeinschaften können dermassen unpraktisches Betongold schlechter aufteilen, als Kapital-Recheneinheiten.

So weit zum Klassengegner.

Und die Arbeiterklasse?

Klaus Lang/bruchstuecke, einst selbst bei der IG Metall dafür zustündig, meint zur heutigen Lage: “Tarifpolitik: Die Gratwanderung gelingt oder alle außer Rechtsextremen verlieren“ Eine etwas ungelenke Schlagzeile. Aber seien Sie versichert, der Mann weiss, wovon er schreibt.

Ich melde auch sogleich meinen Dissens mit dem guten alten Mann. Er meint: “Zum einen ist die Annahme, dass Geld, das für Rüstung nicht ausgegeben wird, quasi automatisch in Bildung und sozial Sicherung fließen würde, ziemlich naiv. Zum anderen ist Rüstungsproduktion nicht zwingend Ausdruck von Kriegswillen, sondern kann Grundlage für Friedenswillen sein.”

Er benennt nicht, wen er mit der “naiven” Annahme meint, dass Kapital irgendwohin “automatisch” fliesst. Seine eigene Annahme ist jedenfalls nicht minder naiv. Seine eigene Lebenserfahrung müsste ihn klüger gemacht haben, als er hier vorgibt zu sein.

Das NRW-Kapitalmacht-Zentrum

Schon als mein Chef Roland Appel eine NRW-Landesregierung koaitionspolitisch managen musste, war sie das NRW-Kapitalmacht-Zentrum: die RAG-Stiftung. Aus ihrem Inneren berichtet Katja Scherer/WDR und entgegen der Bedeutung des Themas ist ihr Beitrag nicht unter den “meistgelesenen” – zu Unrecht.

“Evonik gegen BASF-Deal: Warum NRW auf die RAG-Stiftung schaut – Wie geht es mit Evonik weiter? Bei einer außerordentlichen Sitzung des Kuratoriums der RAG-Stiftung, bestehend aus Politikern, Gewerkschaftern und Wirtschaftsvertretern, ging es heute um die Zukunft des Essener Chemiekonzerns. Im Mittelpunkt stehen die Übernahmepläne von BASF, offene Fragen zum weiteren Kurs des Unternehmens und die Folgen für Beschäftigte und Standorte in NRW.”

Frau Scherer schreibt ganz richtig: “Das Kuratorium der Stiftung, also das Aufsichtsgremium, ist sehr politisch besetzt.” Schauen Sie mal hier. Zwei auch nicht mehr junge Grüne sind dabei: die Kölnerin Anne Lütkes (78) und der Aachener Reiner Priggen (73). Da hat die fettgelaufene NRW-Landtagsfraktion der Grünen offenbar den richtigen Zeitpunkt für eine rechtzeitige Auswechslung so ähnlich verpasst, wie gestern Abend der BVB-Trainer im Westfalenstadion.

Ein weiserer alter weisser Mann

Folgende Fakenews verbreitet die Google-KI in der digitalen Welt: “Die ‘Aktuelle Kamera’ lief nie im WDR, da es sich um die zentrale Nchrichtensendung des DDR-Fernsehens (Deutscher Fernsehfunk) handelte.” Das ist eine Lüge.

Denn genau daher kenne ich Dieter Klein. Als sich Ende der 80er die DDR-Bürgerrechtsbewegung in Bewegung setzte, entschied der weise WDR-Chefredakteur und spätere Intendant Fritz Pleitgen, die Aktuelle Kamera als DDR-Gegenstück der ARD-Tagesthemen ins Dritte Programm des WDR zu übernehmen. Das war ungleich spannender. Hier kamen für kurze Zeit die zu Wort, die sich für eine “bessere DDR” einsetzten. Einer von ihnen war dieser damals noch nicht ganz so alte Herr Klein.

Im Interview mit Frank Schumann/Junge Welt erzählt der alte Mann (in fünf Tagen wird er 95), bevor es ganz in politische Vergessenheit gerät, wie es bei ihm damals zuging, als die West-BRD den Laden übernahm und rasierte: “Wendejahre: »Sie hatten einen politischen Auftrag« – Über die Abwicklung der Hochschullehrer der Humboldt-Universität nach 1990, den Kampf um ein Pachtgrundstück in Prieros und andere »merkwürdige Begebenheiten« der Vor- und Nachwendezeit.”

Lesen Sie das schnell, bevor es im dunklen Paywall-Archivkeller der linksradikalen Jungen Welt begraben wird.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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