Beueler-Extradienst

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Abgründige Widerlichkeit

Dem “Spiegel” ist zu diesem Wochenende das Agendasetting mal wieder klassisch “gelungen” – Wäre ich Rudolf Augstein, wäre das der Moment, in dem ich meinen Laden dichtmachen würde

Dagegen sind die von mir beklagten Intendanten-Waschlappen ja geradezu Waisenknaben. Und ich frage mich, wer eigentlich für die Medienberatung einer Wahlsiegerin zuständig ist. Wenn Sie hier nicht weiterlesen wollen – was Bodo Ramelow zu der Angelegenheit im konkurrierenden “stern” sagt, findet in allen Punkten meine Zustimmung.

Profi Ramelow setzt hier absolut den richtigen Ton. Intern wird er selbstverständlich zum Agieren von Frau Eralps Mitarbeiter*innen*stab andere Vokabeln nutzen. Das täte ich genauso. Und wenn ich schon dabei bin …

Was wir hier beobachten müssen, ist der Todeskampf dessen, was einige “vierte Gewalt” nennen, und andere mal “Sturmgeschütz” nannten. Der “Spiegel” erreicht von einst 1 Mio. heute keine 640.000 verkauften Exemplare mehr. Der “stern” einstmals gleichauf, kratzt in seinem Niedergang sogar die 200.000, und zwar von oben nach unten.

Wie erniedrigend niedrig kann es noch werden? Dazu hat der “Spiegel” mit seiner “Titelstory” dieses Wochenende nun also eine neue misogyne “Benchmark” (Branchensprech) gesetzt, an die heranzukommen sogar die Revolverhelden und Abschussexperten des Springerkonzerns, dem “Bayern München” dieser perversen Mediendiszipin, Probleme haben werden. Der “Spiegel” changiert hier, um im Bild zu bleiben, vom “Borussia Dortmund” zum “RB Leipzig”, dem bundesweiten Hassobjekt aller fachlich qualifizierten Fussballfans.

Fragen an das politische Prekariat

Für mich ist es extrem schmerzhaft auf die in diesem Fall dokumentierte Weise Recht zu behalten. Was ich vor 19 Jahren als Qualitätsniedergang der demokratischen Parteipolitik an der kommunalen Basis beobachtete, ist schneller, als es für die Demokratie gesund sein kann, “oben” in der von mir dauerhaft gebashten Hauptstadt angekommen. Und leider gerade auch bei denen, deren zentrale Aufgabe es heute ist, die Reste bürgerlicher Demokratie vor einer faschistischen Machtergreifung zu schützen.

Ramelow sagt zum Interview, das Elif Eralp dem Spiegel – warum nur? – gewährte: “An dieser Stelle hätten sie und ihr Team anders entscheiden können. Leider war es ja auch jemand aus diesem Team, der das Interview mit den Kommentaren an den ‘Spiegel’ schickte.”, dann frage ich, ob es bewusste Sabotage oder nur grenzenlose Dummheit war, die dazu antrieb. Und wer hat Frau Eralp vor den Gefahren gewarnt, die mit einem Zusammentreffen derartiger – ehemals “Journalismus” genannten – Gestalten verbunden sind? Wäre ich Rudolf Augstein, wäre das der Moment, in dem ich meinen Laden dichtmachen würde. “Sturmgeschütz” ja – aber falsche Richtung.

Jetzt fehlen nur noch Dokumente, die ein Zusammenwirken von organisierter Kriminalität und derartigem Revolverjournalismus beweisen. Viel fehlt dazu nicht mehr. Und genug Dummheit, sowas zu dokumentieren, ist ganz offensichtlich verfügbar. “Truth is Stranger than Fiction”

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

4 Kommentare

  1. Avatar-Foto
    Roland Appel

    Was der “Spiegel” hier macht, ist gegen jede journalistische Seriosität und Regeln. Wenn eine interviewte Person aus Gründen ihrer Sicherheit bestimmte Passagen eines Interviews nicht freigibt, ist es ungeschriebenes Gesetz seriösen Journalismus, das auf jeden Fall zu beachten. Wenn der “Spiegel” “irrtümlich” dagegen verstößt, verässt er endgültig den Kreis respektabler Publikationen. Niemand, kein Whistleblower, kein Korruptionszeuge, nicht einmal Staatsdiener, denen offensichtlich kriminelle Machenschaften bekannt werden, können nun darauf vertrauen, dass vertrauliche Informationen nicht mißbraucht und offengelegt werden. Kein Dealer wird mehr über seine kriminellen Hintermänner sprechen, kein Konzernmitarbeiter wird mehr dem Spiegel verraten, welcher seiner Vorgesetzten die Chemikalien illegal in den Rhein geleitet hat. Das, was Rudolf Augstein und Konrad Ahlers aufgebaut haben, haben skrupellose Arschlöcher gerade für immer zerstört.

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    Annette Hauschild

    Was der SPIEGEL da gemacht hat ist zweischneidig. Das scheint das “Hauptstadtbüro” zu sein.
    Sich über den Wunsch der Gesprächspartnerin hinwegzusetzen und dem sicher sehr großen öffentlichen Interesse den Vorrang zu geben ist ein schwerer handwerklicher Fehler. Man hätte die Passage rausnehmen müssen und hätte in einem späteren Recherchebeitrag über mögliche Einflüsse von Extremisten auf Politiker schreiben können. . Da hätte man dann das LKA, BKA und entsprechende NGOs befragen können. Man kann aus diesem Thema,, der Beeinflussung von Entscheidungsträgern, auch mal eine Serie machen. Es gibt ja nicht nur Hamas, PFLP, sondern auch Lobbygrui, die durchaus über Politische Karrieren entscheiden können, sowie Links- und Rechtsextreme, die Politiker auch tatsächlich bedrohen und gegebenfalls umbringen. Zur Zeit machen das allerdings eher Nazis.

    Natürlich muß man sich fragen, ob Elif Eralp als Bürgermeisterin den Mut hätte, Extremisten und organisierter Kriminalität klare Kante zu zeigen.

    Der SPIEGEL könnte damit verhindern, dass Eralp Regierende wird. Absicht?

    Wir werden in Zukunft öfter mit Politikern: Innen aus migrantischen Vierteln zu tun haben, die nicht in unsere m filzigen, satt- grünen Wohlfuhlinsel- Milieu der biodeutschen Südstädter: innen, Banker- Politiker,- Chefarzt-, Rechtsanwalt-Unternehmer-Nachbarschaft aufgewachsen sind und nicht mit dem Vorstand von großen Firmen oder Banken in eine Schule oder aufs Internet gingen. Diese Leute haben gelegentlich nicht einen bürgerlichen Steuerhinterzieher sondern einen Remmo als Nachbarn und müssen sich vorsehen. Da hilft auch nicht, wegzuziehen. Das muss die ” Hauptstadtpresse” allmählich begreifen.

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    Annette Hauschild

    Sorry, ich habe Ibrahim Ibrahim mit Remmo vertauscht. War keine Absicht

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    Martin Böttger

    Medien und abgewählte Bürgermeister beklagen die “Erpressbarkeit” von Frau Eralp. Daraus ergibt sich: Mütter von Schulkindern sind nicht wählbar. Bzw. müssen gesetzlich zum vom Secret Service kutschierten “Elterntaxi” verpflichtet werden. Was für eine reizvolle Perspektive, alles dank unserer verantwortungsvollen “vierten Gewalt”. Und kein Wunder, dass die deutsche Bildungs- und Schulpolitik so aussieht, wie sie aussieht.
    Ich stelle mir vor, die grüne OB Katja Dörner wäre hier in Bonn wiedergewählt worden, und würde heute mit ihren roten Haaren auf dem Fahrrad an den unsere Stadt vollparkenden Abgas-Staus vorbeifahren. Quizfrage: zu wie vielen absichtsvollen “Dooring”-Unfällen würde das führen?
    https://nrw.adfc.de/artikel/dooring-die-unterschaetzte-gefahr-im-radverkehr
    Wer bleibt dann noch als “wählbar” übrig?
    Gute Nacht.

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