… der abgründigen Widerlichkeit

Ben Kutz/MDR-Altpapier hat gestern betont mühevoll versucht, die „Argumente“ zum widerlichen Vorgehen der Hamburger Illustrierten abzuwägen. Kann mann so machen – ich selbst habe dazu längst wg. Vergeblichkeit die Lust verloren. Bei ihm scheint es mir weitgehend gelungen zu sein. Es geht aber am Kern des Problems vorbei.

Lob der KI

Momentan nicht im Original erreichbar ist hingegen folgende Erkenntnis: „Über 100.000 junge Menschen gingen Ende Oktober 2026 in mehr als 30 deutschen Städten auf die Straße. Eine klare Mehrheit der Gesamtbevölkerung (83%) befürwortet diese Demonstrationen; unter Schülerinnen, Schülern und Studierenden liegt die Zustimmung sogar bei 86%.“ Zit. Google-KI. Vgl. einen entsprechenden Agenturtext bei der taz (KNA/AFP). Die Google-KI verweist als Quelle auf „Die Zeit“, wo Sie jedoch vor die Paywall laufen („4 Wochen für 1€“, die Not muss also gross sein, plus persönliche Daten raus, oder Sie werden erschossen, bzw. bleiben so unwissemd, wie Sie sind; „danach“ übrigens „6,30€ pro Woche“, also 12 Mark, also nicht vergessen zu kündigen!). Die eigene Website des Marktforschungsunternehmens, das diese Untersuchung durchgeführt hat, ist gegenwärtig nicht erreichbar. Ist diese Medienökonmie der demokratischen politischen Bildung zuträglich? Sicher nicht. Und genau darum geht es bei diesen Protesten ja inhaltlich.

Noch nackter sieht die real existierende Medienökonomie aus, wenn jemand untersuchen würde, wie sich die Meinung der Bevölkerung in ihren Medien wiederfindet. Die „über 100.000 jungen Menschen“ müssen ja glücklich sein, wenn ein Medium überhaupt ihre inhaltlichen Forderungen wiedergibt. Denn nur Regelbrüche mit „attraktiven“ Bildern schaffen es in massenorientierte Berichterstattung und zur Aufmerksamkeit jener Regierenden, an die sie gerichtet sind.

Und wie reagieren die? Bevorzugt wird unter denen der französische Weg.

Und so ähnlich würde die Sache dann auch ausgehen. Für die Medien und für die Parteien und Präsidentendarsteller*innen.

Die Weltabgewandtheit der „grossen“ deutschen Politik

Eine beliebte Ablenkungsrassel, auf die sich die deutschen Parteien der „Mitte“ geeinigt haben, war bis vor kurzem das Niederknien vor dem Lobbyismus der IOC-Mafia („Olympia-Bewerbung“). Aus der Rippe dieser IOC-Mafia entstand in den 80er Jahren der „Internationale Sportgerichtshof CAS“. Dort in Lausanne arbeiten diese Damen und Herren, die – nur mal so als Beispiel – bemerkenswert sympathischer und diverser aussehen als diese.

Dieser CAS hat nun kürzlich entschieden, dass das hierzulande verfemte Russland (5 x Weltmeister + 22 x UdSSR) bei einer Eishockey-WM zugelassen werden müsse, die – Schreck! – nächstes Jahr hier in Deutschland stattfinden soll. Der deutsche Ausrichterverband will damit nichts zu tun haben. Wie soll das nun noch was werden mit der deutschen „Olympia-Bewerbung“?

Die armen Menschen, die in München wohnen müssen, können aufatmen. Es wäre ein Kostenbeschleuniger weniger, auch wenn es seit Jahrzehnten schlimm genug ist.

Aber was fällt all den deutschen Weltpolitiker*inne*n dazu noch ein? Und ihren eingebetteten Schreibtischheld*inn*en? Haben Sie nicht auch den Eindruck, dass der Medienwind darum noch werkwürdig still ist?

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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