Der „Kovac-Fussball“ zeigte gestern unvermutete Attraktivität – dank des Gegners?

Die Anstosszeiten der Champions League dieser Mafia sind nichts für Menschen meines Alters und meiner Gesundheit. Ich verfolgte als Vorspeise die lebhaften Spiele in Athen (2:3 gegen Real Madrid, an der alten Wirkungsstätte von Ewald Lienen) und Istanbul (3:2 gegen den FC Liverpool). Und nur, weil mich mein aus Wien angereister alter BVB-Freund Klaus Kleinöder nötigte, blieb ich für das BVB-Spiel sitzen. Ich habe es nicht bereut.

Meine Fussballkneipe hatte sich schon weitgehend geleert. Es blieben drei Fussballfachleute, Wirt Kamel Bsissa plus zwei überalkoholisierte, das Westfalenstadion übertönende Spielsüchtige. Belohnt wurden wir von einem überraschend überzeugenden BVB gegen ein starkes Betis Sevilla.

Beide spielten auf Sieg. Besonders überzeugt haben uns die überaus fleissigen Fabio Silva (auch Torschütze), der nach dem Ausfall von Guirassy „überall“ und an fast allen BVB-Angriffszügen kombinationsstark beteiligt war. Sowie Schienenspieler Daniel Svensson, der nach hinten und vorne fein arbeitete, und nur unmittelbar vor dem Tor zweimal versagte, weil er halt kein Guirassy ist. Seinen juwelenartigen Wert bestätigte ausserdem Konstantinos Karetsas (wird in Kürze 19), nicht nur durch sein Tor, sondern seine technischen Fähigkeiten als Zuspieler am Ball. Der Star ist die Mannschaft, und diese Spieler dienen ihr. Das ist der wahre Glanz im Fussball.

Real Betis erwies sich als gleichwertiger, spiel- und kombinationsstarker Gegner, der freilich – wie so oft – im schweizerischen Nati-Torwart Gregor Kobel zuverlässig seinen Meister fand. Ein Star wurde von Starcoach Pellegrini nach einer Stunde eingewechselt: Francisco Roman Alarcon Suarez, genannt Isco, hat mit 34 Jahren wohl keine Luft mehr für über 90 Minuten, wusste aber in der letzten halben Stunde die BVB-Defensive mit Weltklasse-Standards (Ecken, Freistösse) wirksam zu ängstigen. Die CL-Qualifikation seines Teams war kein Zufall, sondern wird aktuell durch den erneuten 4. Platz in La Liga direkt hinter Barca und 2 x Madrid bestätigt.

Bei Gastwirt Kamel bedankte ich mich für das starke Fussball-Entertainmentprogramm, und bat ihn, die Publikumslautstärke in seinem Lokal demnächst runterzupegeln. Laute Männer sind eine Plage.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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