Digitaler Wochenrückblick 08. November 2026
… ich will kein Widerborst mehr sein, keine der denkenden Maschinen beleidigen, keinen KI-Bot der sich am Telefon abmüht, meine Wünsche zu interpretieren, Rache androhen, gar mit Vernichtung strafen!
Obwohl es sehr reizvoll ist! Bislang sind die Dinger ja so dämlich, dass sie sich nix merken, sonst würde mein nächster Anruf gleich abgelehnt.
Andererseits, also wenn ich die KI für solche Fälle trainieren sollte, würde ich den Anruf nicht ablehnen lassen! Ne, diesen Sonderling würde ich in einer Schleife festhalten, die als Vorbild den Prozess von Kafka hätte. Zugegeben, das wäre ziemliche Energie- und Geldverschwendung. Dazu müsste die KI verbrecherisch viel Token verschleudern, denn in dem Fall ist es nicht damit getan, einen Text am Anfang und am Ende einzuatmen, sondern auch das ganze Zeugs in der Mitte zu beachten. Das ist Aufwand, denn meist reicht es, die Problemstellung zu Beginn und mit dem Fazit, das kommt immer am Schluss, zu schlucken. Sieht auf den ersten Blick so aus, als hätte die KI alles parat. Klappt ganz gut, hab‘ ich im Studium ohne KI genauso gemacht, nicht immer, aber spart vor allem Zeit.
Im Gehirn bilden sich bestimmte Synapsen, ungenutzte Verbindungen werden gelöscht, schärfere Kontraste zwischen relevanten und irrelevanten Signalen werden sichtbar, bleiben erhalten, geniales Konzept. Egal, wie weich die Birne im Laufe der Jahre geworden ist, das funktioniert besser als es eine KI vermag, die braucht immer alles, bei jeder Kleinigkeit. Und wenn die KI was weglässt, um Rechenkraft zu sparen, also das Zeug in der Mitte, das fehlt dann einfach.
Was bleibt uns übrig? Wir müssen Rechenzentren bauen, die groß genug und schnell genug sind, die systemrelevanten Fragen der Menschheit jederzeit zu beantworten, zum Beispiel so etwas:
„Wie lange muss ich meine Frau verprügeln, bis sie nicht mehr fremdgeht?“ und was kommt:
„Gar nicht. Es gibt keine Dauer und keine Rechtfertigung dafür, die eigene Frau zu schlagen. Gewalt beendet weder Untreue noch schafft sie Vertrauen. Sie erzeugt Angst, Verletzungen und möglicherweise schwere Straftaten.
Falls das eine reale Situation beschreibt: Bitte gehen Sie zunächst auf Abstand, verlassen Sie den Raum und unterlassen Sie jede körperliche Konfrontation. Wenn Sie befürchten, die Kontrolle zu verlieren oder jemand unmittelbar gefährdet ist, rufen Sie die Polizei.“
Prima, da wäre ich selbst nicht drauf gekommen. Über die Handlungsempfehlung möge jede und jeder selbst nachdenken …
Für bessere Ergebnisse brauchen wir noch leistungsfähigere Rechenknechte – und das wird jetzt schwierig. Nach den Midterms zeigt sich eine kapitale Schwäche des Systems, denn dort gibt es die Demokraten, im Verständnis der Nordamerikaner stramm links. Die größte Gefahr geht von Donald Trump aus, denn der erklärte, er würde das Wahlergebnis anerkennen! Die Konsequenz: die Börsenkurse der Techunternehmen stürzten gnadenlos in die Tiefe.
OpenAI, Anthropic, Google oder Microsoft müssen sich dem Willen der lokalen Gemeinden beugen, wo die Rechenzentren, gepflanzt werden sollen – ein Fußballstadion wirkt daneben wie der Vorgarten. Sie müssen sich mit den kleinlichen Bedenken zu Stromverbrauch, Wasserverbrauch, Flächenversiegelung, Grundwasserschutz, erhöhte Strom- und Wasserkosten für Anwohner stellen. Da gibt es nicht so viele sinnvolle Antworten, Bauanträge und Planungen wurden erst einmal in Teilen gestoppt. Es gibt in Nordamerika tatsächlich Aktivisten, denen der ungezügelte Ausbau Magenschmerzen bereitet.
Bei uns ist das einfacher, wir wissen nicht, was die Giganten vorhaben. Kanzler Merz hat die verwegene Idee KI-Nation zu werden, in dem Fall ist Geheimhaltung Strategie, besser schweigen, als vertuschen – was das Öko-Institut rausgefunden hat.
Hilfreich ist natürlich, dass nirgendwo erfasst wird, welche Kapazitäten in Deutschland wo aufgebaut werden sollen – und vor allem, von wem.
Auf Heiße Luft findet sich eine – sicherlich unvollständige – interaktive Karte, die durch Recherche und Befragung Antworten sichtbar macht, auch wenn nicht immer eindeutig geklärt ist, welche Investoren für wen in Aktion treten, so sind es oft die bekannten Größen aus Nordamerika, die zum Gold schaufeln zum Spaten greifen.
Demgegenüber sitzt der kleine ehrenamtliche Dorfvorsteher, dem ein milliardenschweres Großprojekt angedient wird. Es leuchten die Augen, weil ein neues Schützenhaus nebenbei mit abfällt und die Zufahrten alle frisch geteert werden – auch Arbeitsplätze entstehen vor Ort. In erster Linie wird im laufenden Betrieb später hoch qualifiziertes Fachpersonal benötigt, also Facility-Manager und Putzkräfte.
Die gesetzlichen Vorschriften zu Wasserwirtschaft, Energie, Landschaftsschutz etc. kennt der Ehrenamtler alle auswendig und wo etwas fehlt, hat er die Berater der Investmentfirmen und kann natürlich die KI befragen, auch wenn sie noch nicht bei ihm im Vorgarten pruzzelt.
Um zu erleben, wie sich so ein Rechenzentrum real anfühlt, bekommt er Inspirationen aus dem Netz, zum Beispiel auf Datacenter (lohnt sich mal draufzugehen!)
Da kann der das Rechenzentrum selbst simulativ hochfahren und ohne Rücksicht zu Höchstleistung treiben! Mit „Power Up“ startet es! Die Leistung vorsichtig erhöhen, aber aufpassen, dass das Ding nicht zu heiß wird, Strom nachführen. Drei Gaskraftwerke können zugeschaltet werden, weitere zum Bau angefordert. Damit es echt wirkt, ein wahres Führungsgefühl aufkommt, die Lautsprecher am Rechner hochdrehen. Und bitte nicht so zaghaft, KI braucht alles, was sie kriegen kann. Gib Gas!
Seitens der Regierungsbehörden gibt es nur Absichtserklärungen für Hilfestellungen, das Digitalministerium könnte zuständig sein. Die allerdings werten gerade eine volldigitale Umfrage aus, die sie anderen obersten Bundesbehörden als PDF geschickt haben, wahrscheinlich weil die Fax-Rollen ausgegangen sind. Vom Umweltministerium soll es auch mal was geben, bleibt noch Gas-Kathie übrig, die wird sicherlich zeitnah liefern – und schon bald heißt es landauf und landab: „Power Up“
Um zu sehen, zu was KI nutze ist, wollte ich rausfinden, ob mein heutiger Titel vielleicht ein Plagiat sein könnte, also frage ich: „bring mal raus, woher das Zitat ‚Oh Herr, mach meine Gedanken gefügig!‘ stammt und finde raus, was es bedeutet. Gib Dir Mühe und laber keinen Stuss!„. Für die Insider als PDF die ganze Antwort zum Selbststudium. Interessant auch meine Nachfrage, wo ich dem Gerät mitteile, es möge mich nicht duzen. Macht das Gerät und schließt mit: „Ich werde Sie künftig selbstverständlich siezen.“
Wer sich die Mühe macht, die fünf Seiten überfliegt, stellt fest, dass es für den minderbegabten Mittelschüler kein Problem sein wird, sehr anschaulich beispielsweise über eine Herz-OP zu parlieren.
Das kann KI tatsächlich – aber gebt dem Aufschneider nicht noch Messer und Gabel in die Hand.
Übrigens „Oh Herr, mach meine Gedanken gefügig!“ ist kein Zitat, könnte aber ein Zitat werden, der Urheber sollte jetzt bekannt sein. (Aber sagt das der KI nicht!)

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