Laut BILD-Zeitung vom Januar prophezeihen Mediziner, dass Menschen in absehbarer Zukunft ein Alter von 120 Jahren erreichen können. Nun weiß man zwar schon seit Jahren, was von Aussagen und Ankündigungen dieser Zeitung zu halten ist, doch ist die Tatsache unstrittig, dass die Lebenserwartung der Menschen immer weiter steigt.

So gibt es immer wieder Menschen, die besonders alt werden. Die nachweislich älteste Person war eine Französin, sie wurde 122 Jahre alt und starb 1997. Optimistische Forscher glauben, dass die biologische Grenze des Menschen bei 120 bis 150 Jahren liegt. Entscheidend für das Erreichen solcher Ziele sei die biologische Resilienz, also die Widerstandsfähigkeit gegen Krisen, Stress, Krankheiten und andere Rückschläge.

Zur Frage, wie alt der Menschen wirklich werden kann, hat nun ein Tech-Unternehmen aus Singapur hunderttausende von Daten ausgewertet, darunter Blutbilder, Schrittzahlen und langfristige Gesundheitsverläufe. Die wichtigste, aber nicht unbedingt überraschende Erkenntnis ist, dass der Körper mit zunehmendem Alter die Fähigkeit verliert, vollständig in den Ausgangszustand zurückzukehren. Damit verschwindet die physiologische Resilienz, also die Fähigkeit zur vollständigen Genesung nach Erkrankungen oder Verletzungen. Daher habe die menschliche Lebensspanne ein Limit von 150 Jahren.

In der Studie heißt es konkret: „Wir schließen daraus, dass die kritische Grenze, die das Lebensende markiert, eine biologische Eigenschaft des Organismus ist, die unabhängig von äußeren Stressfaktoren besteht und eine fundamentale Grenze der menschlichen Lebensspanne darstellt.“ In jungen Jahren erholt sich der Körper nach einer Krankheit oder Verletzung meist komplett, mit zunehmendem Alter immer weniger. Über Jahrzehnte summieren sich diese kleinen Verluste zu dauerhaften Einschränkungen. Auch ohne schwere Erkrankungen verlängert sich die Erholungszeit. Mit 40 Jahren dauert der Abbau der Belastungen rund zwei bis drei Wochen; mit 90 Jahren zieht sich dieser Prozess über sechs bis acht Wochen hin.

Laut Studie sind sogar mathematische Muster erkennbar. Alle acht Jahre verdoppelt sich das Risiko für altersbedingte Krankheiten wie Herzinfarkt oder Krebs. Im gleichen Rhythmus verdoppelt sich die Zahl der Menschen, die körperlich stark gebrechlich sind. Mathematisch entspricht das einer jährlichen Zunahme zwischen acht und neun %, also einem Verlust von rund 10% Resilienz pro Jahr.

Auch der Lebensstil entscheidet mit, wenn auch nur in begrenztem Maße. Rauchen ist ein solcher Belastungsfaktor, der die Resilienz schwächt. Allerdings erreicht derjenige, der das Rauchen aufgibt, fast wieder sein früheres Niveau. Doch tritt selbst bei einem optimalen Lebensstil irgendwann der Punkt ein, an dem der Körper keine vollständige Regeneration mehr schafft. Die Forscher fordern daher, Resilienz stärker in den Blick zu nehmen und bei der Entwicklung neuer Medikamente und Behandlungstechniken zu berücksichtigen. Prävention und Reha-Phasen sollten stärker auf den Erhalt der Widerstandskraft setzen.

Um 1800 lag die durchschnittliche Lebenserwartung weltweit bei höchstens 30 bis 35 Jahren. Grund war die hohe Säuglings- und Kindersterblichkeit. Mehr als die Hälfte der Menschen erreichte das Erwachsenenalter nicht. Wer die ersten kritischen Jahre überlebte, konnte allerdings – selbst in der Steinzeit – 70 Jahre oder älter werden.

Weltweit liegt die Lebenserwartung derzeit über 73 Jahren, seit dem 19. Jahrhundert steigt sie kontinuierlich und hat sich seitdem mehr als verdoppelt. Gründe sind hoher Lebensstandard, medizinischer Fortschritt, wachsende Hygiene und Bildung, gesündere Ernährung und Lebensweise. Wer nicht aufgrund seiner Veranlagung oder eines gesunden Verhaltens mit einem langen Leben rechnet, der greift vielleicht zu Nahrungsergänzungsmitteln, Fitnessprogrammen oder biomedizinischen Eingriffen. Eine hohe Lebenserwartung weist auf einen hohen Lebensstandard und eine gute gesundheitliche Versorgung hin. Werte zur Lebenserwartung haben jedoch nicht nur informativen Charakter, sondern dienen auch zur Berechnung von Renten und von Versicherungen sowie zur Kalkulation von Risiken und Bemessung von Prämien.

Die Entwicklung der Zahl der Gestorbenen wird von zwei Faktoren gepägt, bei denen statistische Zusammenhänge eine Rolle spielen: Einerseits erhöht sich der Anteil der älteren Menschen nahezu kontinuierlich. Deshalb ist mit einer jährlich steigenden Zahl an Todesfällen zu rechnen, sofern dieser Effekt nicht durch eine weiter wachsende Lebenserwartung aufgefangen wir.

Manche Zusammenhänge leuchten erst bei genauem Hinsehen ein. Zum Beispiel hat jemand, der sechzig Jahre alt geworden ist, statistisch eine größere Chance, Siebzig zu werden, als ein Fünfzigjähriger. Er hat nämlich den Zeitraum zwischen Fünfzig und Sechzig bereits erfolgreich hinter sich gebracht. Gleiches gilt natürlich auch bei einem Vergleich zwischen einem Sechzig- und einem Siebzigjährigen. Entsprechende Zahlen finden sich dann in den Sterbetafeln. Danach liegt z.B. die durchschnittliche Lebenserwartung eines Sechzigjährigen bei 81,5 Jahren, die eines Siebzigjährigen bei 84.

Zum Vergleich der Altersstruktur verschiedener Länder wird das sogenannte Medianalter ermittelt und zugrunde gelegt. Es teilt die Bevölkerung in zwei gleich große Gruppen. 50% sind jünger, 50% älter als der Medianwert. Er ist somit der zentrale Wert für die Bevölkerungsalterung und markiert das mittlere Lebensalter – nicht das Durchschnittsalter.

Ein hoher Medianwert zeigt eine alternde Gesellschaft an, mit entsprechenden Auswirkungen auf Sozialsystem und Rentenalter. In Deutschland liegt das Medianalter bei 45,5 bis 46,8 Jahren, es steigt kontinuierlich an. In der EU liegt der Durchschnittswert bei 44 bis 44,4 Jahren, weltweit bei 29,9 Jahren. Europäische Staaten weisen ein hohes Medianalter auf, während afrikanische Staaten teilweise ein sehr geringes Medianalter haben (z.B. Niger 16 Jahre).

In Deutschland betrug laut Sterbetafel die durchschnittliche Lebenserwartung 1876 für Männer 35,6 Jahre und für Frauen 38,5 Jahre. Zwischen 1990 und 2021 wuchs sie um gut sechs Jahre. Heute liegt sie bei gut 83 Jahren für Frauen und 78,5 Jahren für Männer. Bis 2070 wird mit einem Anstieg auf über 88 Jahren bei Frauen und knapp 85 Jahren bei Männern gerechnet.

Der Unterschied zwischen Frauen und Männdern wird auf biologische Vorteile und einen gesünderen Lebensstil zurückgeführt. Die höhere Sterblichkeit von Männern zeigt sich in allen Altersgruppen. Unter den Haupttodesursachen bei Männern sind Herzkrankheiten, Krebs, Verletzungen und Vergiftungen. Lungenkrebs tritt bei Männern fast doppelt so oft auf wie bei Frauen, Ursache sind wohl unterschiedliche Rauchgewohnheiten. Psychische oder Verhaltensstörungen durch Alkohol werden bei Männern fast dreimal so häufig wie bei Frauen im Krankenhaus behandelt. Suizide treten bei Männern fast dreimal so oft auf wie bei Frauen (72,6 % zu 27.4 %).

Immerhin war die im Schnitt geringere Lebenserwartung der Männer Aufhänger für den seit 2000 jährlich am 3. November begangenen sogenannten Weltmännertag. Im Mittelpunkt stehen Männergesundheit, die Schärfung des Bewusstseins für gesundheitliche Risiken und Vorsorgeuntersuchungen. Am 19. November gibt es außerdem noch einen Internationalen Männertag. Seine Schwerpunkte sind Geschlechtergleichheit und positive männliche Vorbilder.

Frauen leben also durchschnittlich fünf Jahre länger als Männer. Allerdings gibt es nicht nur Unterschiede zwischen Mann und Frau. Auch andere Eigenschaften sorgen dafür, dass der eine länger und die andere weniger lang lebt. Vergleichen wir doch mal sportliche mit dicken Menschen. Oder Rentner mit Rauchern. Beamte mit Alkoholikern. Radfahrer mit Politikern. Da werden sich Überraschungen auftun. Aber das ist ein anderes Thema.

Über Heiner Jüttner:

Avatar-FotoDer Autor war von 1972 bis 1982 FDP-Mitglied, 1980 Bundestagskandidat, 1981-1982 Vorsitzender in Aachen, 1982-1983 Landesvorsitzender der Liberalen Demokraten NRW, 1984 bis 1991 Ratsmitglied der Grünen in Aachen, 1991-98 Beigeordneter der Stadt Aachen. 1999–2007 kaufmännischer Geschäftsführer der Wassergewinnungs- und -aufbereitungsgesellschaft Nordeifel, die die Stadt Aachen und den Kreis Aachen mit Trinkwasser beliefert.