Der Herausgeber hat die Absurdität dessen bereits angedeutet, was sich in den USA, Mexiko und anderswo anbahnt und bemüht weltweit Aufmerksamkeit erregen möchte. Ein absurdes Spektakel von Medien, Kommerz und Funktionärsoligarchen. Früher hieß das mal Fußball. Da ging es um Sport, Wettbewerb, sportliche Leistungen – man denke an das Wembley-Finale 1966. Oder die Tatsache, dass der sowjetische Torhüter Lew Jaschin noch im Alter von  51 Jahren zur “Weltelf” gehörte.

Namen wie Pelé, Eusébio, Maradona, gingen um die Welt, Kahn, Beckenbauer, Netzer, Overath und Sparwasser prägten die Deutschlands.  Das, was derzeit völlig überflüssig Sendezeit eingeräumt bekommt, verdient solide Ignoranz. Peinlich besonders für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der praktisch kommentarlos die Verhältnisse hinnimmt. Journalismus ist das ohnehin nicht. Als die WM 1978 unter der Regie der argentinischen Militärdiktatur stattfand, zeigt sich der DFB ebenso ignorant wie 2026 gegenüber dem Trump-Regime.  Man spielte in Stadien, in denen wenige Wochen zuvor Demokraten gefangen gehalten und gefoltert wurden. Man sah weg. Das sollte sich 2026 nicht wiederholen. Jeder Programmwechsel, jede Stunde Spaziergang,   jede Beschäftigung mit etwas anderem als Fußball sind ein Sieg für die Demokratie gegen Oligarchie und Korruption.

Boykott und Ignoranz des Spektakels Demokratenpflicht

Es sind nicht nur die vier-, fünf- und sechsstelligen Ticketpreise in den Stadien, die absurden Vorrunden mit irrelevanten Spielpaarungen, mit denen nichts  als Zeit geschunden werden soll, um das Spektakel aus ausschließlich kommerziellen Interessen in die Länge zu ziehen. Es sind die abzusehenden Geisterspiele in einem Land, das Baseball, Basketball, American Football, Eishockey höher schätzt als Soccer. Es ist so eine Art Hallen-Halma, das von einer korrupten Veranstaltungsmafia zu Phantasiepreisen an eine naiv oder ahnungslos gewähnte Zuschauer:innenschaft verscherbelt wird. Korrupte Oligarchen wie Trump und Infantino glauben inzwischen, sie könnten sich alles erlauben. Und die Gewinnmaximierer von Adidas bis Nike, von Krombacher bis Haribo sind alle dabei – Business as usual.

Das sollte sich jeder und jede potenzielle Zuschauer:in vor Einschalten des Geräts oder betreten einer Fanmeile klarmachen. Die Fußballfans in Europa und Südamerika sollten diese Spiele boykottieren, wenn ihre Verbandsfunktionäre schon nicht das Rückgrat dafür haben. Wir alle haben die Macht, Trump und Infantino den Stinkefinger zu zeigen.

Über Roland Appel:

Avatar-FotoRoland Appel ist Publizist und Unternehmensberater, Datenschutzbeauftragter für mittelständische Unternehmen und tätig in Forschungsprojekten. Er war stv. Bundesvorsitzender der Jungdemokraten und Bundesvorsitzender des Liberalen Hochschulverbandes, Mitglied des Bundesvorstandes der FDP bis 1982. Ab 1983 innen- und rechtspolitscher Mitarbeiter der Grünen im Bundestag. Von 1990-2000 Landtagsabgeordneter der Grünen NRW, ab 1995 deren Fraktionsvorsitzender. Seit 2019 ist er Vorsitzender der Radikaldemokratischen Stiftung, dem Netzwerk ehemaliger Jungdemokrat*innen/Junge Linke. Er arbeitet und lebt im Rheinland. Mehr über den Autor.... Sie können dem Autor auch im #Fediverse folgen unter: @rolandappel@extradienst.net