Diese Frage stellen sich viele im Angesicht der Trump/Infantino-Festspiele, die in drei Wochen starten. Ein Überblick über den Spielplan ist unmöglich. Allein die mutmasslich überwiegend langweilige Vorrunde enthält 72 Ansetzungen. Die Anstosszeiten, in Europa überwiegend nachts, variieren in Anbetracht diverser Zeitzonen so stark, dass kein System erkennbar ist. Hier die wenigen von mir persönlich gefilterten Termine, die fussballerisch interessant sein können.

Do. 11.6., 21 h: Mexiko-Südafrika. Ein Duell auf Augenhöhe? Ich glaube nein. Mexiko inkl. Heimvorteil ist klar favorisiert

So. 14.6. 0 h: Brasilien-Marokko. Marokko hatte schon 2022 in Qatar eine starke Rolle gespielt, bekam sportgerichtlich den Africa-Cup zugeschoben, und könnte Brasilien ernsthaft fordern. Um 6 h folgt Türkei-Australien. Wenn die Türkei eine Rolle spielen will, muss sie hier überzeugen. Abends um 22 h Niederlande-Japan. Das wird für beide eine Positionsbestimmung.

Di. 16.6. 21 h Frankreich-Senegal. 2002 begann mit diesem Spiel das Desaster des damaligen Titelverteidigers Frankreich. Wahrscheinlich wiederholt sich das nicht. Oder …?

Mi. 17.6. 22 h England-Kroatien – das könnte spannend werden.

Do. 18.6. 21 h Schweiz-Bosnien – ebenfalls eine Standortbestimmung

Sa. 20.6. 19 h Niederlande-Schweden, 22 h BRD-Cote d’Ivoire

Mo. 22.6. 19 h Argentinien-Österreich. Spielt Österreich mit? Oder wird es bitter?

Di. 23.6. 22 h England-Ghana. Ist Ghana wieder ernstzunehmen? Wir werden es sehen.

Fr. 26.6. 21 h Norwegen-Frankreich. Wenn Norwegen “Geheimfavorit” sein will, muss es das hier zeigen.

Sa. 27.6. 2 h Uruguay-Spanien. Positionsbestimmung. Ist Spanien wie immer Favorit? 2014 schieden sie sensationell früh aus. Ist Uruguay wie so oft ein Favoritenkiller? 23 h Kroatien-Ghana. Wenn Ghana stark ist, wäre es für Kroatien gefährlich.

So. 28.6. 1.30 h Kolumbien-Portugal, 4 h Algerien-Österreich. Augenhöhe in beiden Fällen möglich. Kann aber auch ganz anders kommen.

Erst danach geht es sportlich ernsthaft los. Es folgt die KO-Phase mit 32 Teilnehmenden.

Frauenweltklasse? Interessiert deutsche Spektakel-Männermedien nicht

Morgen um 18 h duellieren sich im Finale der Champions League der Frauen der FC Barcelona und Olympique Lyon. Das sind mutmasslich augenblicklich die zwei besten Frauenteams der Welt, international zusammengestellt, eingespielt, mit wenigen deutschen Spielerinnen dabei.

Das interessiert deutsche Männermedien nicht. Die ARD füttert das Publikum ganztägig mit Notizen aus den Männerprovinzen ab: Amateur-Länderpokale, das ist sportliches Niveau der 4. Liga und tiefer.

Vom Champions-League-Finale, mit dessen Männerversion sich das ZDF nächste Woche vielstündig beschäftigen will, sind noch nicht einmal zusammenfassende Berichte und Analysen in den Programmen deutscher Anstalten angekündigt. Ein totaler Sieg des Männer-Provinzialismus.

Was daran ist Journalismus? Erklären Sies mir!

Update 23., 24. , 25., und 26.5.

Hier der trockene Spielbericht von der katalanisch-internationalistischen Fussballkunst. Plus ein paywallfreier Spielbericht von der kompetenten Anna Dreher/SZ: Finale der Champions League: Barça, die Königinnen Europas – Dank zweier Doppelpacks bezwingt der FC Barcelona den Rekordsieger OL Lyonnes mit der deutschen Nationalspielerin Jule Brand. Dabei finden die Katalaninnen in diesem Champions-League-Finale erst spät zu ihrem Spiel.”

Eine ansehnliche Video-Zusammenfassung (9 min) bietet das ZDF an.

Die fachkompetente Celine Chorus/FAZ meldet (hinter Paywall) das Ende dieses Fabelteams, bevor die deutsche Medienöffentlichkeit überhaupt ansatzweise Kenntnis davon genommen hat. “Mapi Léon wird den Verein verlassen, auch Alexia Putellas, Caroline Graham Hansen und Salma Paralluelo haben ihre auslaufenden Verträge noch nicht verlängert.” Zerstört vom Grosskapital. Denn Barca kann die englischen Spitzengehälter für Frauen nicht zahlen. Seine Frauenabteilung trägt sich ökonomisch selbst. Aber die Schulden der Männer ziehen sie runter. Wie im wahren Leben. Die von Chorus genannten Damen haben den Herbst ihrer Karriere erreicht: nur noch ein Vertrag, dann ist Schluss.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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