Meine erste Freundin war Pizzi, das einzige schwarze Huhn unter lauter Weissen bei meinen Grosseltern im Garten ihres Behelfsheims in Glinde, östlich von Hamburg. Hinter der Fina-Tankstelle rechts rein war es (heute alles weg). Ein Kinderparadies. Denn die “Strassen” waren felsige Schotterwege, auf denen jeder über 20km/h sein Auto in Schrott verwandelt hätte. Ich war 3.

Und Pizzi wurde von seinen Mithühnern bei jeder Futterausgabe systematisch diskriminiert. Das war ich nicht bereit zu ertragen. Später lernte ich, dass es bei den Menschen ganz ähnlich lief. Obwohl diese doch weit bessere Voraussetzungen für intelligentes Leben haben, als sie Hühnern zur Verfügung stehen.

Genau das ist Thema eines ungarischen Spielfilms, auf den Markus Ströhlein/Jungle World aufmerksam macht:

Der Film »Lebensansichten eines Huhns« folgt einer echten Henne: Federnah dran – Eine Henne als Filmstar? Der ungarische Regisseur György Pálfi folgt in »Lebensansichten eines Huhns« einem ausgebüxten Tier in der freien Wildbahn. Der Film erzählt allerdings mehr über Menschen und ihre Abgründe als über Tiere.”

Dass ich 3 war, ist nun 66 Jahre her. Wie gross ist der seitherige Fortschritt? Der menschliche. Denn für die Hühner ist der industrielle Rückschritt evident.

Die Jungle World verzichtete, warum auch immer, auf einen Link zum Film. Das wäre mir zu blöd. Ab heute hier in Beuel.

Über Martin Böttger:

Avatar-FotoMartin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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