Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Genuss (Seite 14 von 61)

Wer wirft Hirn vom Himmel?

Sachsen, was soll mann dazu sagen? Etwas grösser als Berlin, und damit das grösste/wichtigste (???) Bundesland im deutschen Osten. Dort haben die Grünen Paula Piechotta, gebürtige Thüringerin, als Spitzenkandidatin für die nächste Bundestagswahl nominiert. Formal betrachtet eine Spitzen-Ossi der Grünen. In einem Podcast, also weltweit öffentlich, sagt sie wörtlich: “Alle in der SPD wissen, dass Olaf Scholz ein Arschloch ist.” Der Spiegel zitiert sie mit einem nachträglichen Relativierungsversuch: »an der besagten Stelle nur die Meinung über Olaf Scholz in der SPD reproduziert, wie sie SPDlerInnen immer wieder auch uns gegenüber formulieren«. Weiterlesen

De Niro, wie ich ihn noch nicht kannte

ARD-Teaser-Text: Kings of Hollywood – Los Angeles, 1974: Max Barber ist Hollywood-Produzent. Für seine geliebten Low-Budget-Filme würde der Geschäftsführer der Miracle Motion Pictures alles tun. Doch leider lässt der große Erfolg auf sich warten. Als sein letzter Film, den er gemeinsam mit seinem Neffen Walter produziert hat, von Fundamentalist:innen boykottiert wird, hat er ein Problem: Sein Mafia-Finanzier Reggie Fontaine will das geliehene Geld zurück und stellt Max ein Ultimatum. Weiterlesen

Neuer Gipfel

Die Arte-Musik-Dokus sind sowieso schon erstklassig – aber was ist dann diese von Guiseppe Tornatore?

In Signore Tornatore habe ich mich cineastisch verliebt, seit ich 1988 “Cinema Paradiso” gesehen habe. Wer bei diesem Film nicht weint, oder zumindest tief gerührt ist, sollte zum Arzt gehen. Dieser Signore Tornatore verehrt, wie alle Filmregisseur*inn*e*n, die bei Verstand sind, den Komponisten Ennio Morricone. Und hat ihm, wie er es am besten kann, dieses Denkmal gesetzt: Weiterlesen

Komödie des Geldes, Heilig Abend, 24. Dezember 2024: Kinder

Alwys spielte noch einen improvisierten Schluß und brach die erste Nummer damit ab. Aus Joshs Verstärker kam kein Mucks mehr. Crash. Ein paar Leute klatschten. Es waren so wenige, dass es sich anhörte, als hätte ein moderner Komponist ein Stück über die Abwesenheit von Applaus gemacht. Alwys sah ins Publikum. Sein Blick blieb an einer Person in der Mitte hängen. Es war Jelena, die ihn von weitem ansah. Obwohl keiner der beiden die Pupillen des anderen auf die Distanz hätte fixieren können, wusste Alwys jedoch im nächsten Moment, dass Jelena ihm schon sehr lange in die Augen geblickt hatte. Weiterlesen

Komödie des Geldes, 23. Dezember 2024: Best Bodys

Am Samstag brachen Josh und Alwys gegen fünf Uhr am Nachmittag im R 4 auf. Die Rückbank war ausgebaut, damit die Instrumente Platz hatten: Joshs bundlose Bassgitarre, Alwys’ akustische Gitarre mit Stegtonabnehmer und ihre zwei Verstärker. Alwys spielte über einen recht knallig klingenden Carlsbrow-Verstärker, die Marke der Rolling Stones und Josh über einen dazu kontrastierend weich eingestellten Fender. Jede Menge Fußpedale, Echo, Phaser, Equalizer und für jeden ein Lautstärkepedal bildeten auf der blechernen Ladefläche gewissermaßen die rallentierende Grundausstatttung. Weiterlesen

Bingewatching-Day

Wundersame Bahn CCXIV

Wenn Sie sich in den Mediatheken “einen Wolf” suchen wollen, bitte schön. Tun Sie sich keinen Zwang an. Aber heute können Sie es machen wie in Italien: statt Kaminfeuer die Glotze an, und auf Phönix schalten. Zwar hat der SWR seine fabulöse “Eisenbahnromantik”-Redaktion ruiniert und aufgelöst. Aber für einen ganzen Tag Phönix vollmachen, wenn deren Mitarbeiter*innen alle im Winterurlaub sind, dafür reicht das produzierte Programvolumen allemal. Ich bin “Eisenbahnromantik”-Stammkunde, und kann Ihnen versichern: dort wird nicht romantisch geschwurbelt, sondern seriös informiert. Weiterlesen

Komödie des Geldes, 22. Dezember 2024: Zehner

Seinen ersten Artikel hatte Alwys am Sonntag also glücklich über die Telefonleitung an die Redaktion schicken können. Als sich das Faxgerät nach vollbrachter Dienstleistung von selbst wieder in den Empfangsmodus geschaltet hatte, war es in dem gediegen angedeuteten Rittersaal-Büro mucksmäuschenstill geworden. Jelena fühlte plötzlich an ihren Fußsohlen das Fehlen jenes leichten Rüttelns ihrer Gliedmaßen, hervorgerufen durch das Gleiten der Stahlkufen über die Spurrillen einer stark benutzten Eisfläche wie einen Phantomschmerz. Ihren recht schlanken hochgewachsenen Körper empfand sie in diesem Moment als tonnenschwer, als unüberwindliches Gebirge, hinter dem tatsächlich und vielleicht ein besseres Leben jenseits von Eislauf und wettergegerbten Paprikaerntehänden auf sie warten könnte. Weiterlesen

Komödie des Geldes, 21. Dezember 2024: Eis

Alwys, Jelena und ihr kleiner Bruder gingen gemeinsam hinüber zum Haupthaus. Er achtete sehr darauf, nicht schneller als die beiden zu werden. Es waren nur zwanzig, vielleicht fünfundzwanzig Meter. An Jelena bemerkte er, wie sich ihr Gang vom Kaffeetisch hinüber zu ihrer Familie, änderte, härter wurde, etwas weniger elegant. Ihre Körpersprache war jetzt eine ganz andere. Es wirkte alles viel gedrängter, die Gesten und der Körper. Jelena sprach mit ihren Eltern – es mussten wohl ihre Eltern gewesen sein, die etwas zerknirscht Fragen an Jelena richteten – in ihrem Dialekt mit vielen slowakischen Worten dazwischen. Es ging wohl um den Ausflug mit ihrem Bruder. Weiterlesen

Komödie des Geldes, 20. Dezember 2024: Child in Time

Draußen war es an diesem frühsommerlichen Sonntagnachmittag nicht sonderlich heiß. Es ging sogar ein immer noch frischer Luftzug über das Gehöft. Die Slowaken saßen auf den Eingangsstufen des Herrenhauses, die Kinder spielten irgend etwas mit Holzklötzen, die sie durch die Luft wirbelten. Jelena lugte ab und zu heraus und der kleine blonde Junge, mit dem sie streng sprach, war wohl ihr Bruder. Die geplante Radtour nach Bingen war schon nach wenigen Kilometern beendet, als sie am Rheinufer zum Fähranleger kamen. Der Rhein mitsamt seinen Inseln war am Ingelheimer Hafen so breit wie der Mississippi. Das Rheingau lag vor dem Betrachter wie in einem aufgeschlagenen Bilderbuch. Weiterlesen

Komödie des Geldes, 19. Dezember 2024: Olfactory

Die Nacht war für Alwys recht kurz gewesen. Nach drei Uhr hatte sich die scheinbare Verschwörung weniger verschwörerisch aufgelöst, als es das emsige Pläneschmieden hätte vermuten lassen dürfen. Nachdem Legu dem Ganzen mit seinem „wir bezahlen es mit dem Klang des Geldes“ noch eins oben auf gesetzt hatte, winkte Angel diesen sehr gewagten Gedanken mit eifrigem Handwedeln und hörbar nach Luft schnappend ab, so, als wollte sie eine schwarze Wolke Mücken vor ihrem Gesicht vertreiben. Weiterlesen

Komödie des Geldes, 18. Dezember 2024: Fesselballon

Und schon war Harry verschwunden, wie ein Spuk. Der Spuk sollte aber eigentlich jetzt erst beginnen.

„Wenn ihr mitmacht und helft, denen den Knall zu klauen, dann können wir hier zu Heilern werden. Die ganze Gegend ist krank seit Ramstein. Die sind total fertig seit dem Unglück. Die Amis hören aber nicht auf mit ihren Tiefflügen, die Deutschen üben mit denen gemeinsam. Letztens erst ist in Linz oben auf den Rheinhöhen bei Bonn eine F 16 direkt neben einem Krankenhaus eingeschlagen. Die brauchen gar nicht mehr anderen den Krieg erklären, die schaffen das auch ohne Gegner sich umzubringen und Teile der Zivilbevölkerung auch. Weiterlesen

Komödie des Geldes, 17. Dezember 2024: Geld

Legu stand auf, blickte kurz in die Runde und verließ die Küche. Angel hatte ihn noch nie so entschlossen erlebt. Sein Gang war anders als bei seinen endlosen Dünenspaziergängen, fast schon rasch: Sie hörten ihn über den Schotter in seine Bibliothek schreiten, Tür auf, kurzes Knarren der Scharniere, zwei, drei Worte zu Fritz, dem Leguan gesprochen, Geraschel, ein paar Bücher purzelten wohl auf den Boden, kurzes Fluchen, wieder das Knarren der Scharniere, Tür zu, über den Schotter zurück zum Wirtschaftsgebäude und Legu stand mit einem sandsackartigen Beutel am Küchentisch wie ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal – fehlte nur noch ein Gaul zwischen seinen O-Beinen. Weiterlesen

Projekttechnisch

„Wir laufen projekttechnisch dem Anspruch hinterher.” zitierte die FR den leitenden Angestellten der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA, Sebastian Kehl. Diese merkwürdige Sprachfigur wurde mittags durch das nicht minder kantige “punktetechnisch” ersetzt und korrigiert. Die korrigierte Ur-Formulierung hat in diesen Zeiten der “Zeitenwende” das Potenzial der Universalität – immer verwendbar auf fast alles. Weiterlesen

Komödie des Geldes, 16. Dezember 2024: Wanderdüne

„Karel Gott spielt jetzt im Operettentheater in Prag in der lustigen Witwe. Jeden Tag zweimal ausverkauft,” berichtete Jelena den neuesten Prominentenklatsch. „Müsste ich mir eigentlich einmal ansehen fahren. Die lassen mich aber nicht mehr rüber.“

„Singt er die Titelrolle? Josh, wenn wir die Yacht fertig haben, dann schicken wir diesem Knödeltenor einmal eine Postkarte und schreiben darauf: Einmal um die ganze Welt, trau dich!“ Weiterlesen

Komödie des Geldes, 15. Dezember 2024: Interlude

Die Ewigkeit des Rock
In memoriam Andreas Obst

Als die Schallplatte noch zwei Seiten hatte, währte die Ewigkeit des Rock gerade mal eine halbe Stunde: Bis zum Umdrehen der Scheibe. Das hatte Vor- und Nachteile. Nachteilig war, dass der im Rock virulente Wunsch nach musikdramatischen Dimensionen in den durchkomponierten Konzeptalben, vor allem im sogenannten “progressiven Rock” der siebziger Jahre, eine dramaturgisch jähe Zäsur erfahren musste. Tatsächlich gab es auch im Rock eine Diskussion über den gesellschaftlichen und historischen Stand des musikalischen Materials. Weiterlesen

Exzess all Areas

Berliner Ausstellung über Semiha Berksoy – Sie ist Kunst- und Operndiva und erste „Staatskünstlerin“ der Türkei. Im Hamburger Bahnhof in Berlin ist nun eine Retrospektive zu sehen.

„Ich bin ein Gesamtkunstwerk, eine Synthese aus allen Kunstformen.“ So ungebrochen, wie Semiha Berksoy 2003 den Kurator Hans Ulrich Obrist in einem Gespräch beschied, würde sich heute kaum ein:e Künst­le­r:in mehr mit einer Formel beschreiben, die nach Genieästhetik und Selbstüberschätzung riecht. Weiterlesen

Komödie des Geldes, 14. Dezember 2024: Teiggespräch

„Hmm,” meinte Alwys, „wie sieht’s denn aus? Müssten wir nicht für die Ziehung nächste Woche neue Lottozahlen pendeln?“

„Machen wir nach der Partie Mensch-ärgere-dich-nicht,” grummelte Josh vor sich hin, als er Legu mit einer satten drei genau vor dem rettenden Hütchenhafen hinauswarf.

Über dem Küchentisch hing eine große blaue Papppyramide, entworfen, geschnitten und gefaltet von Angel, kopfüber von der Decke herab. An deren Spitze baumelte ein kleines Lot, wie es Maurer benutzen, um festzustellen, ob die Wand wirklich senkrecht hochgezogen wurde. Weiterlesen

Komödie des Geldes, 13. Dezember 2024: Fritz

Vor einem Jahr kam es in der Nähe, in Ramstein, zu einem schweren Unglück, als ein Jet einer italienischen Flugstaffel bei einer Flugschau auf der amerikanischen Airbase brennend auf die Zuschauer stürzte. Aus Legus Familie starb ein Nachzügler-Cousin. Dessen Freundin überlebte mit schweren Verbrennungen am ganzen Körper. Eine Schadensersatzklage war noch anhängig. Etliche Psychologieinstitute leisteten in der Gegend immer noch seelischen Beistand. Das Trauma hatte auch Legu bis hinunter zum Rhein erreicht. Legu war eigentlich nicht gut auf sein Heimatkaff, in dem es nur zwei Familiennamen gab, zu sprechen. Weiterlesen

Komödie des Geldes, 12. Dezember 2024: Kontinentaldrift

Legu wohnte schon seit ewigen Zeiten hier. Er war gewissermaßen die graue Eminenz in der Republik freier Flaschenhals. Etwas grau an den Schläfen war der Mittvierziger tatsächlich über die Jahre geworden. Im Schweinestall, neben Angels und Joshs Grafikatelier, befand sich Legus großartige Bibliothek, die er über die Jahre antiquarisch und dazu systematisch aufgebaut hatte. Rund um den fast zwanzig quadratmeter großen Raum standen die Bücher schon zweireihig bis unter die Decke hoch aufgestellt. Legu wusste aber genau, wo jedes Buch zu finden war. Etwa Fichtes Reden an die Deutschen oder ein Nachdruck von Michael Preatoris’ ikonographischem Standardwerk „Musica getutscht“ aus der Renaissance. Weiterlesen

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