Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Genuss (Seite 15 von 62)

Theologie der causa Gelbhaar

„credo, quia absurdum – Weil es absurd ist, glaube ich“: Ob Tertullian, ein antiker christlicher Theologe, das so gesagt hat, ist umstritten. Sicher ist, dass dieser paradoxe Satz die grossen Geister der Moderne, von Kierkegaard bis Sigmund Freud, fasziniert hat. Die kleinen auch. Zuletzt auch mich. Weiterlesen

Kommende Krimis

Die Brit*inn*en können es. Von “Vigil” läuft gegenwärtig bei Arte linear die zweite Staffel. Sie zeigt unbarmherzig die wahnwitzigen Gefahren, die mit der Drohnenaufrüstung nicht mehr drohen, sondern schon Gegenwart sind. Erste Staffel noch verfügbar bis 14.3., zweite Staffel bis 1.4. Weiterlesen

Pornoindustrie jagt Piraten

Das Zentrum dieses Krieges ist maximal weit von Europa weg

Der Pornoindustrie wird eine vielseitige Avantgardefunktion zugeordnet. Das betrifft technische “Killerapplikationen” – wenn sie sich hier nicht durchsetzen, dann nirgends – aber auch gesellschaftlich untergründige Strömungen, die sich hier austoben, weil sie öffentlich nicht propagiert werden können/sollen. Im bisherigen Verlauf ist sie ferner zu 90% männlich dominiert, auch wenn die Frauen aufholen und um Emanzipation kämpfen. Diversität und Gendervielfalt werden regelrecht gepflegt, rassistische und andere Klischees aber nicht bekämpft, sondern reproduziert. Ökonomisch ist es ein Feld mit fliessender Verbindung zu Kriminalitäten aller Art, Wirtschaft, Geldwäsche, Organisierte Kriminalität, Menschenhandel (Epstein u.a.) u.v.m. Weiterlesen

Nachworte

“Fall Mischke” / Ukrainekrieg / Agrarwende

Maren Urner, kürzlich beruflich vom Rheinland nach Westfalen gewechselt (warum nur?), zähle ich zu den überdurchschnittlich klugen und gleichzeitig wenig geschwätzigen Medienwissenschaftler*innen. Vielleicht liegt es daran, dass sie sich selbst auch gar nicht so bezeichnet, sondern als Neurowissenschaftlerin. Jedenfalls hat sie jetzt im Spiegel (Paywall) wieder was überdurchschnittlich Kluges gesagt, für das der aufgeblasene “Fall Mischke” nur Anlass und Symptom war: Weiterlesen

Auf dem Weg zum Superstar?

Wie Alwara Höfels “mit Muddi” reist / Instagram-Pest

Valentin Holch war mir als letzter Produzent von “Neues aus Büttenwarder” aufgefallen. Eine Serie, die ich für ihren wortkargen filosofischen Tiefgang immer lieben werde. Nicht nur frühere Produzenten, auch zahlreiche Ensemblemitglieder, sind leider weggestorben (Jan Fedder, Hans Kahlert, Sven Walser). Holch ist als Produzent und Drehbuchautor nun was Neues eingefallen, das geeignet ist, für die schon gut beschäftigte Alwara Höfels einen Karrieresprung zu realisieren: “Reisen mit Muddi”. Weiterlesen

Berlin ist zuende

Wie lange werden sie – vor allem die Politik-und Medienblase in Mitte – noch brauchen, bis sie merken, dass sie nicht der Nabel oder gar das Zentrum der Republik sind, sondern der Rand. Über die einstige Bundeshauptstadt Bonn wurde zurecht viel gelästert (“Bundesdorf”). Auch in hiesiger Übersichtlichkeit war das Regierungsviertel ein sozialer Mikrokosmos, der allenfalls über Taxifahrten und Inanspruchnahme von Prostitution und anderen gastronomischen Leistungen mit der Gesellschaft hier draussen verbunden war. Damals konnten ca. 40% der gewählten Politiker*innen abends nachhause fahren. Wenn sie es wollten. Das diente ihrer sozialen Erdung. In Berlin sind es weniger als 10%. Weiterlesen

Wer wirft Hirn vom Himmel?

Sachsen, was soll mann dazu sagen? Etwas grösser als Berlin, und damit das grösste/wichtigste (???) Bundesland im deutschen Osten. Dort haben die Grünen Paula Piechotta, gebürtige Thüringerin, als Spitzenkandidatin für die nächste Bundestagswahl nominiert. Formal betrachtet eine Spitzen-Ossi der Grünen. In einem Podcast, also weltweit öffentlich, sagt sie wörtlich: “Alle in der SPD wissen, dass Olaf Scholz ein Arschloch ist.” Der Spiegel zitiert sie mit einem nachträglichen Relativierungsversuch: »an der besagten Stelle nur die Meinung über Olaf Scholz in der SPD reproduziert, wie sie SPDlerInnen immer wieder auch uns gegenüber formulieren«. Weiterlesen

De Niro, wie ich ihn noch nicht kannte

ARD-Teaser-Text: “Kings of Hollywood – Los Angeles, 1974: Max Barber ist Hollywood-Produzent. Für seine geliebten Low-Budget-Filme würde der Geschäftsführer der Miracle Motion Pictures alles tun. Doch leider lässt der große Erfolg auf sich warten. Als sein letzter Film, den er gemeinsam mit seinem Neffen Walter produziert hat, von Fundamentalist:innen boykottiert wird, hat er ein Problem: Sein Mafia-Finanzier Reggie Fontaine will das geliehene Geld zurück und stellt Max ein Ultimatum. Weiterlesen

Neuer Gipfel

Die Arte-Musik-Dokus sind sowieso schon erstklassig – aber was ist dann diese von Guiseppe Tornatore?

In Signore Tornatore habe ich mich cineastisch verliebt, seit ich 1988 “Cinema Paradiso” gesehen habe. Wer bei diesem Film nicht weint, oder zumindest tief gerührt ist, sollte zum Arzt gehen. Dieser Signore Tornatore verehrt, wie alle Filmregisseur*inn*e*n, die bei Verstand sind, den Komponisten Ennio Morricone. Und hat ihm, wie er es am besten kann, dieses Denkmal gesetzt: Weiterlesen

Komödie des Geldes, Heilig Abend, 24. Dezember 2024: Kinder

Alwys spielte noch einen improvisierten Schluß und brach die erste Nummer damit ab. Aus Joshs Verstärker kam kein Mucks mehr. Crash. Ein paar Leute klatschten. Es waren so wenige, dass es sich anhörte, als hätte ein moderner Komponist ein Stück über die Abwesenheit von Applaus gemacht. Alwys sah ins Publikum. Sein Blick blieb an einer Person in der Mitte hängen. Es war Jelena, die ihn von weitem ansah. Obwohl keiner der beiden die Pupillen des anderen auf die Distanz hätte fixieren können, wusste Alwys jedoch im nächsten Moment, dass Jelena ihm schon sehr lange in die Augen geblickt hatte. Weiterlesen

Komödie des Geldes, 23. Dezember 2024: Best Bodys

Am Samstag brachen Josh und Alwys gegen fünf Uhr am Nachmittag im R 4 auf. Die Rückbank war ausgebaut, damit die Instrumente Platz hatten: Joshs bundlose Bassgitarre, Alwys’ akustische Gitarre mit Stegtonabnehmer und ihre zwei Verstärker. Alwys spielte über einen recht knallig klingenden Carlsbrow-Verstärker, die Marke der Rolling Stones und Josh über einen dazu kontrastierend weich eingestellten Fender. Jede Menge Fußpedale, Echo, Phaser, Equalizer und für jeden ein Lautstärkepedal bildeten auf der blechernen Ladefläche gewissermaßen die rallentierende Grundausstatttung. Weiterlesen

Bingewatching-Day

Wundersame Bahn CCXIV

Wenn Sie sich in den Mediatheken “einen Wolf” suchen wollen, bitte schön. Tun Sie sich keinen Zwang an. Aber heute können Sie es machen wie in Italien: statt Kaminfeuer die Glotze an, und auf Phönix schalten. Zwar hat der SWR seine fabulöse “Eisenbahnromantik”-Redaktion ruiniert und aufgelöst. Aber für einen ganzen Tag Phönix vollmachen, wenn deren Mitarbeiter*innen alle im Winterurlaub sind, dafür reicht das produzierte Programvolumen allemal. Ich bin “Eisenbahnromantik”-Stammkunde, und kann Ihnen versichern: dort wird nicht romantisch geschwurbelt, sondern seriös informiert. Weiterlesen

Komödie des Geldes, 22. Dezember 2024: Zehner

Seinen ersten Artikel hatte Alwys am Sonntag also glücklich über die Telefonleitung an die Redaktion schicken können. Als sich das Faxgerät nach vollbrachter Dienstleistung von selbst wieder in den Empfangsmodus geschaltet hatte, war es in dem gediegen angedeuteten Rittersaal-Büro mucksmäuschenstill geworden. Jelena fühlte plötzlich an ihren Fußsohlen das Fehlen jenes leichten Rüttelns ihrer Gliedmaßen, hervorgerufen durch das Gleiten der Stahlkufen über die Spurrillen einer stark benutzten Eisfläche wie einen Phantomschmerz. Ihren recht schlanken hochgewachsenen Körper empfand sie in diesem Moment als tonnenschwer, als unüberwindliches Gebirge, hinter dem tatsächlich und vielleicht ein besseres Leben jenseits von Eislauf und wettergegerbten Paprikaerntehänden auf sie warten könnte. Weiterlesen

Komödie des Geldes, 21. Dezember 2024: Eis

Alwys, Jelena und ihr kleiner Bruder gingen gemeinsam hinüber zum Haupthaus. Er achtete sehr darauf, nicht schneller als die beiden zu werden. Es waren nur zwanzig, vielleicht fünfundzwanzig Meter. An Jelena bemerkte er, wie sich ihr Gang vom Kaffeetisch hinüber zu ihrer Familie, änderte, härter wurde, etwas weniger elegant. Ihre Körpersprache war jetzt eine ganz andere. Es wirkte alles viel gedrängter, die Gesten und der Körper. Jelena sprach mit ihren Eltern – es mussten wohl ihre Eltern gewesen sein, die etwas zerknirscht Fragen an Jelena richteten – in ihrem Dialekt mit vielen slowakischen Worten dazwischen. Es ging wohl um den Ausflug mit ihrem Bruder. Weiterlesen

Komödie des Geldes, 20. Dezember 2024: Child in Time

Draußen war es an diesem frühsommerlichen Sonntagnachmittag nicht sonderlich heiß. Es ging sogar ein immer noch frischer Luftzug über das Gehöft. Die Slowaken saßen auf den Eingangsstufen des Herrenhauses, die Kinder spielten irgend etwas mit Holzklötzen, die sie durch die Luft wirbelten. Jelena lugte ab und zu heraus und der kleine blonde Junge, mit dem sie streng sprach, war wohl ihr Bruder. Die geplante Radtour nach Bingen war schon nach wenigen Kilometern beendet, als sie am Rheinufer zum Fähranleger kamen. Der Rhein mitsamt seinen Inseln war am Ingelheimer Hafen so breit wie der Mississippi. Das Rheingau lag vor dem Betrachter wie in einem aufgeschlagenen Bilderbuch. Weiterlesen

Komödie des Geldes, 19. Dezember 2024: Olfactory

Die Nacht war für Alwys recht kurz gewesen. Nach drei Uhr hatte sich die scheinbare Verschwörung weniger verschwörerisch aufgelöst, als es das emsige Pläneschmieden hätte vermuten lassen dürfen. Nachdem Legu dem Ganzen mit seinem „wir bezahlen es mit dem Klang des Geldes“ noch eins oben auf gesetzt hatte, winkte Angel diesen sehr gewagten Gedanken mit eifrigem Handwedeln und hörbar nach Luft schnappend ab, so, als wollte sie eine schwarze Wolke Mücken vor ihrem Gesicht vertreiben. Weiterlesen

Komödie des Geldes, 18. Dezember 2024: Fesselballon

Und schon war Harry verschwunden, wie ein Spuk. Der Spuk sollte aber eigentlich jetzt erst beginnen.

„Wenn ihr mitmacht und helft, denen den Knall zu klauen, dann können wir hier zu Heilern werden. Die ganze Gegend ist krank seit Ramstein. Die sind total fertig seit dem Unglück. Die Amis hören aber nicht auf mit ihren Tiefflügen, die Deutschen üben mit denen gemeinsam. Letztens erst ist in Linz oben auf den Rheinhöhen bei Bonn eine F 16 direkt neben einem Krankenhaus eingeschlagen. Die brauchen gar nicht mehr anderen den Krieg erklären, die schaffen das auch ohne Gegner sich umzubringen und Teile der Zivilbevölkerung auch. Weiterlesen

Komödie des Geldes, 17. Dezember 2024: Geld

Legu stand auf, blickte kurz in die Runde und verließ die Küche. Angel hatte ihn noch nie so entschlossen erlebt. Sein Gang war anders als bei seinen endlosen Dünenspaziergängen, fast schon rasch: Sie hörten ihn über den Schotter in seine Bibliothek schreiten, Tür auf, kurzes Knarren der Scharniere, zwei, drei Worte zu Fritz, dem Leguan gesprochen, Geraschel, ein paar Bücher purzelten wohl auf den Boden, kurzes Fluchen, wieder das Knarren der Scharniere, Tür zu, über den Schotter zurück zum Wirtschaftsgebäude und Legu stand mit einem sandsackartigen Beutel am Küchentisch wie ein Kaiser-Wilhelm-Denkmal – fehlte nur noch ein Gaul zwischen seinen O-Beinen. Weiterlesen

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