Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Kategorie: Hörbefehl (Seite 9 von 9)

Kennen Sie Ingeborg Syllm-Rapoport?

Ich auch nicht. Der Rolls-Royce unter den Radioformaten, die “Lange Nacht” des Deutschlandfunks, stellt sie uns an diesem Wochenende vor – Freitag/Samstag 0 Uhr DLF-Kultur, Samstag/Sonntag 23 Uhr DLF, drei Stunden am Stück. Ich gebe zu, ich schaffe es meistens nicht, die ganzen drei Stunden wachzubleiben. Aber der DLF bietet uns immer das Nachhören (oder Aufnehmen) auf seiner Homepage, zeitsouverän.

Nur einmal habe ich die drei Stunden nachts geschafft, als Extradienst-Gastautor Michael Kleff den 100. Geburtstag seines Schwiegervaters Woody Guthrie würdigte. Auch der Autor dieses Wochenendes Jochanan Shelliem war schon mehrmals verhaltensauffällig zu Themen ausserhalb der großen Medienscheinwerfer. Frau Syllm-Rapoport ist 104 Jahre alt geworden, ihr individueller grosser Sieg gegen das Naziregime. Bis vor wenigen Monaten war sie noch unter uns Lebenden, das allein war schon sensationell. Noch mehr ihr Lebenslauf. Ich bin gespannt.

Ambivalenz der Pränataldiagnostik

In linken und grünen Kreisen, in denen ich mich oft bewegt habe und bewege, grassierte seit den 60er/70er-Jahren eine alte deutsche Rechthaber*innen-Krankheit: persönliche Lebensmodelle wurden politisiert, verallgemeinert und missionarisch propagiert. Die alte rheinische Weisheit “Jede’ Jeck is’ anders”, neudeutsch: die Anerkennung und Respektierung von Diversität, wurde ignoriert.

Die Zeiten scheinen sich zu bessern. Heute geriet ich aus Versehen wieder in das Religionsmagazin des DLF “Tag für Tag”, und siehe da es geriet zu einem Plädoyer für Diversität im konfliktbeladenen Alltag. Die Autorin Sandra Schulz erhielt Gelegenheit ihr Buch “Das Kind hat so viele Fehler” über ihre Schwangerschaft und die Geburt ihres Kindes mit Trisomie 21 vorzustellen, und wie sie dabei mit dem Mittel des Pränataldiagnostik umgegangen ist. Sie bestätigte erneut einen Eindruck, den ich während der Krebserkrankung meiner Mutter gewann: unsere hochmoderne technisierte Medizin – gut, dass sie das ist! – ist kaum geübt im einfühlenden psychologischen Umgang mit der Verschiedenheit ihrer individuellen Patient*inn*en. Da muss noch viel nachgearbeitet werden. Die heutigen Studiengänge leisten das nicht.

Diese Erkenntnis ist auch schon Jahrzehnte alt, und man fragt sich, warum eigentlich? Warum wird es nicht geändert und verbessert? Die fiese platte Antwort ist wahrscheinlich: weil es für den medizinisch-industriellen Komplex kapitalistisch nicht darstellbar, nicht monetarisierbar ist. Widerspruch würde mich freuen.

Freibad oder Fußball?

Für Jugendliche im Ruhrgebiet der 70er Jahre war das die tägliche Sommerlochfrage.
Selten liess sich beides so gut verbinden wie am 5.6.1971. Ich hörte die Schlusskonferenz des letzten Spieltages der Bundesliga im Freibad Gladbeck. Ich glaubte kaum an ein gutes Ende, denn Borussia Mönchengladbach schien durch die Wertung des Torpfostenbruchs im Spiel gegen Werder Bremen (Spielstand wenige Minuten vor Schluss 1:1, Spielwertung danach 0:2) die Chance zur Titelverteidigung gegen den Fußballkonzern aus dem süddeutschen Raum, verspielt zu haben. Doch dann gelang am letzten Spieltag der kaum zu erwartende 4:1-Auswärtssieg bei Eintracht Frankfurt. Bis zur 70. Minute stand es 1:1, Bernd Nickel hatte die Führung durch Netzer mit einem seiner berühmten Hammerweitschüsse ausgeglichen, alle Fingernägel waren abgekaut. Dann Weiterlesen

Seltene Rebsorten – ein Klasse-DLF-Wochenendjournal

Als Samstagslangschläfer geniesse ich das DLF-Wochenendjournal von 9 bis 10 Uhr meistens im Bett. Ein Reportagemagazin zu einem Schwerpunktthema, gegliedert mit zum Thema passenden Musikstücken. Heute war Wolf Renschke dran. Es ging um Wein und die aufwendige und engagierte Pflege seltener Rebsorten, die sich industrieller Produktion weitgehend entziehen, und so unserem Geschmackssinn eine Perspektive zeigen, wie schön und berauschend Vielfalt sein kann. Hier nachzuhören.

“Ehe für alle” – das ist problematisch daran

Blumen an Volker Beck, der eine große lebensgeschichtliche Gerechtigkeit erfährt.
Und richtig: das hätte man auch gut und gerne 30 Jahre früher erledigen können.
Das Verfahren, in dem es jetzt getan wird, ist aber so billig, dass es der Bedeutung der Sache Unrecht tut, und dem Ansehen von Verfassung, Politik und Parteien mehr schadet als nutzt. Besser als ich es kann, hat es heute morgen Albrecht von Lucke, Redakteur der Blätter, im Deutschlandfunk erklärt.

Hofreiter kann es tatsächlich

Letzten Montag war er, organisiert von der Bonner MdB Katja Dörner, hier. Natürlich ist er auf Werbetour für die bekloppte “Spitzenkandidatur”-Wahl innerhalb der Grünen. Favorit ist er nicht, schon allein, weil er die Haare nicht schön hat (meinen viele). Ich konnte nicht hin, weil meine Atemwege am Wochenende von einer IC-Klimaanlage k.o. gegangen waren. Dafür weckte er mich heute morgen um 7.15 h. Die Zeitschaltuhr an meinem Bett stellte mir den Deutschlandfunk an. Gönnen sie sich den Audiostream, der auf der verlinkten Seite angeboten wird. Ich kenne viele Politiker. Aber nicht viele, die um diese Tageszeit so analytisch und strategisch klare Gedanken artikulieren können. Und so cool einen missionarischen Interviewer gegen eine bayrische Gemütsgummiwand laufen lassen können. Der Politiker in diesem Rollenspiel, was ein Liveinterview zur Radioprimetime immer ist, wusste, wovon er redet und ging als klarer Sieger aus dem Ring.
Danke VW!

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