Wenn ich nicht Perreo tanzen kann, ist es nicht meine Revolution

Von , am Samstag, 16. Juni 2018, in Genuss, Politik.

Ein feministisches Manifest
von June Fernández

Im spanischen Staat kam die Reggaetón-Welle bereits einige Jahre früher als in Deutschland an, unter anderem dank der großen Gemeinde von lateinamerikanischen Immigrant*innen.
Im Jahr 2013 postete die baskische Journalistin June Fernández den Beitrag „Si no puedo perrear, no es mi revolución“, eine persönliche Momentaufnahme im damaligen Reggaetón-Fieber in Spanien. Ihr Post sorgte für viel Aufmerksamkeit und verbreitete sich weltweit; flugs wurde June als „Expertin“ zum Themenkomplex „Reggaetón und Feminismus“ befragt und in Talkshows eingeladen, was sie gerne annahm, um über die vielen Vorurteile über Reggaetón aufzuklären.
Heute, fünf Jahre später, hat sich die Perspektive der Autorin, die übrigens Redakteurin beim feministischen Online-Magazin „Pikara“ ist, verschoben. Weiterlesen

3:3 – die Maßstäbe sind gesetzt

Von , am Freitag, 15. Juni 2018, in Fußball.

Das war das erste ansehnliche Fussballspiel dieser WM: Spanien und Portugal trennten sich 3:3. Die Qualität der Tore erreichte nicht immer das Niveau des Spiels. Zwei der drei Ronaldo-Tore hat er sich erarbeitet: er sah ein gegnerisches Bein, dem er hätte ausweichen können. Aber er fiel lieber drüber, um einen Elfmeter bzw. einen Freistoss zu bekommen. Die heutigen Lautsprecher der TV-Sender nennen sowas “professionell”. Der irre Ronaldo trainiert seine Weltklasse-Schusstechnik wie ein Irrer, bis sie wirken, als seien sie von einem Genie. Ein weiteres Tor bekam er vom spanischen Torwart geschenkt.
Auch auf spanischer Seite war ein Tor dabei, dem ein Ellbogen-KO-Schlag vorausging, der nicht geahndet wurde. Weiterlesen

Marokko-Iran: ein Tipp für den “Second Screen”

Von , am Freitag, 15. Juni 2018, in Fußball, Lesebefehle.

In Mitteleuropa wird viel gelästert über das vermutete Niveau des Spiels, das in wenigen Minuten angepfiffen wird. Ich rate:
1. Abwarten, vielleicht wirds ein gutes interessantes Match
2. Wenn nein, schauen Sie auf PC oder Tablet: “Ein Tag in Teheran“; bei heissen Spielphasen: Pausentaste.
Am Ende entscheiden Sie selbst, was spannender war.

5:0 – “Zuviel Mühe gegeben, um schlecht zu sein”

Von , am Freitag, 15. Juni 2018, in Fußball, Politik.

Das war die zweifellos präziseste Analyse des gestrigen WM-Eröffnungsspiels. Durch Wladimir Kaminer, Schriftsteller, Kabarettist, DJ, Cafe-Betreiber, Filmemacher, Talkshowgast, Lieblingsrusse. Ich lernte ihn vor etlichen Jahren im Bonner Pantheon persönlich kennen und erfuhr dort, dass er ausserdem ein beinharter Geschäftsmann ist.
Kaminer macht regelmässig Deutschland-Tourneen mit einem zweiteiligen Programm. Im ersten Teil, einer kabarettartigen Lesung kommt das linksliberale deutsche Publikum. Im zweiten Teil, der “Russendisko” wird der Saal dann von Russlanddeutschen überfüllt, in der Regel bis zum nächsten Morgen. Ein sicheres Geschäftsmodell für alle Beteiligten. Kaminer ist ein klarsichtiger Analyst, nicht nur von Fussball und Politik, Weiterlesen

Machopopulismus aus Bayern

Von , am Freitag, 15. Juni 2018, in Allgemein, Politik.

Der sogenannte “Masterplan” des rechtpopulistischen CSU-Innenministers Horst Seehofer ist in der Sache rechtswidrig und politisch europafeindlich. Flüchtlinge, die bereits in einem anderen Staat der EU einen Asylantrag gestellt haben, solche, deren Antrag bereits einmal abgelehnt wurden, oder solche, die abgeschoben wurden, sollen an der Grenze zurückgewiesen werden. Diese Regelung ist in der Sache offensichtlich rechtswidrig, denn auch Flüchtlinge, die bereits in einem anderen EU-Land einen Antrag gestellt haben, haben Anrecht auf ein sogenanntes “Dublin”-Verfahren. Das bedeutet: es wird festgestellt, wo dieser Antrag gestellt wurde und sie werden dorthin überstellt. Für die anderen gilt, dass prinzipiell geprüft werden muss, ob sich etwa die Lage im Herkunftsland seit der erfolglosen Abschiebung verändert hat. Weiterlesen

Reggaetón: globaler Pop des Augenblicks …

Von , am Freitag, 15. Juni 2018, in Genuss, Politik.

…oder gekommen um zu bleiben?
von Britt Weyde
Kleiner Blick in die Geschichte des Reggaetón: von afrokaribischem Erbe, diasporischer Kreativität und dem Kampf gegen Diskreditierung

Heute ertönt Reggaetón überall auf der Welt, er ist quasi der globale Pop des Augenblicks. Despacito war der erste spanischsprachige Song, der für die Grammy Awards Anfang 2018 in zwei Kategorien (beste Single und bester Song) nominiert worden war. Aber wer kennt schon die Anfänge des Genres, das vor 25 Jahren noch stark bestimmt war von seinen lokalen Entstehungsbedingungen? Reggaetón war an erster Stelle afrokaribische Musik, der Sound der marginalisierten Wohnviertel und der Underdogs. Mittlerweile hat sich das Genre ausdifferenziert, abgesehen von der unüberhörbaren und bekanntesten Spielart, dem marktkompatiblen Pop-Reggaetón eines Fonsi, Yankee und Nicki. Und die Debatten darüber, wem der Reggaetón eigentlich „gehöre“ und wo er denn jetzt ganz eigentlich und ursprünglich entstanden sei, werden nach wie vor hitzig geführt. Weiterlesen

Hallo Berlin – es gibt Wichtigeres als die AfD-Agenda!

Von , am Freitag, 15. Juni 2018, in Politik.

Der Hauptstadtdiskurs wird derzeit – scheinbar – von Merkel und Seehofer, von der Zuspitzung zwischen CDU und CSU bestimmt. Der Anlass der Zuspitzung ist aber eindeutig der zentrale Bestandteil der strategischen AfD-Agenda. Die kann Däumchen drehen, das Schauspiel konsumieren und anschliessend die Ernte einfahren.
Die Probleme, die die Mehrheit der Bevölkerung hat und empfindet, erleiden in Berlin Nichtbefassung. Alle anderen Parteien wirken abgemeldet. Weiterlesen

Im Freitag: Röggla und Seesslen beim Nachdenken gegen Rechts

Von , am Donnerstag, 14. Juni 2018, in Lesebefehle, Politik.

Ängst is now a Weltanschauung” soll eine Literaturtagung in Berlin heissen. Weniger bescheuert als dieser Titel war offensichtlich der Einleitungsvortrag von Kathrin Röggla, der im Freitag dokumentiert wurde. Eine Analyse des Diskurses gegen die Rechten, mit all seinen Widersprüchen. Kein abgeschlossenes Denken, sondern Denk- und Diskussionsprozess, an dem wir mit der Autorin teilnehmen sollten.
Georg Seesslen, der dazu schon einiges beigetragen hat, widmet sich dieses Mal der Analyse der Rechtsentwicklung in Italien. Früher wurde gehofft, heute wird gefürchtet, dass Italien ein Labor für Entwicklungen ist, die später über ganz Europa kommen könnten; das ist selbst schon eine steile, aber auch beständig umstrittene These.

Nigeria? – Pfannenstiel!

Von , am Donnerstag, 14. Juni 2018, in Fußball.

Nigeria war schon zu oft mein “Geheimfavorit”. Aber jetzt bin ich verunsichert. Der Weltenbummler Lutz Pfannenstiel weist auf Verjüngung und exzellente athletische Ausbildung dieser Mannschaft in einer “Todesgruppe” – andere Gruppen hatte Nigeria noch nie – hin.
Pfannenstiel muss einerseits ein Irrer sein, wo und wie der schon überall gelebt hat. Dümmer hat ihn das nicht gemacht. Bei der letzten Kontinentalmeisterschaft Südamerikas, die von Kabel 1 in den Nachtstunden übertragen wurde, war er Co-Kommentator, einer der fachkundigsten, die ich in der Glotze bis dahin gehört hatte. Seine Mikrofonstimme ist nicht optimal, aber das macht seine Expertise wieder wett. Darum dürfte er ein guter Fang für die WM-Berichterstattung der FAZ sein.
Noch kein Fieber – aber erhöhte Temperatur.

Klandestin und intransparent – der Fall Seppelt

Von , am Donnerstag, 14. Juni 2018, in Fußball, Medien, Politik.

Ist er vielleicht eine paranoide Nervensäge? Vielleicht für die Bundesregierung und die ARD.
Das Auswärtige Amt hat sicherlich genug Arbeit und Probleme. Da hat ein schwer kontrollierbarer Journalist, der sich an der Schnittstelle von Blockkonfrontationen bewegt und keine Rücksicht auf politische Interessen nehmen will, gerade noch gefehlt. Freiwillig und fahrlässig begibt er sich in Gefahr, und erwartet dann auch noch unseren Schutz. Nee, dafür haben wir jetzt keine Zeit. Sprachlich behilft man sich mit Textbausteinen aus dem Fall Skripal: “zu keiner andersgelageerten Einschätzung gelangen können” und versteckt sich hinter Geraune des Bundeskriminalamtes. Weiterlesen

Despoten unter sich

Von , am Donnerstag, 14. Juni 2018, in Allgemein, Lesebefehle, Medien.

Ich liebe ja PHOENIX, den Nachrichtensender von ARD und ZDF, den der Programmchef Michael Hirz mal auf einer Veranstaltung als “kleines mittelständisches Unternehmen des Journalismus” vorstellte, das mit wenig Mitteln und kaum fünfzig Mitarbeiter*innen Qualitätsjournalismus ohne Ende sendet. Eine der besten Beiträge zum Verständnis des Wahldespoten Trump hat Phoenix gestern gesendet. Die Dokumentation “Mensch Trump!” von Philipp Müller und Ines Tram zeigt, wie nahe sich geistig der Despot Trump und der Despot Kim stehen.
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Iran / Türkei / NSU / Lügenpresse

Von , am Donnerstag, 14. Juni 2018, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Mehr erfahren zum Leben im Iran. Jüngst lief die Doku-Reihe “Ein Tag in Teheran” auf Arte, noch bis 7. August in der Mediathek verfügbar. Sollten Sie nicht verpassen. Achten Sie darauf, wie die Menschen miteinander sprechen – für ein Grossstadt-Moloch sensationell. Diese Höflichkeit, dachte ich bei den Iraner*inne*n, die ich persönlich kenne, Weiterlesen

Die Rückseite der Singapur-Show: al-Hudeida/Jemen

Von , am Mittwoch, 13. Juni 2018, in Lesebefehle, Politik.

Die Welt atmet auf. Die zwei Bekloppten scheinen sich beruhigt zu haben.
Von wegen. Im Jemen, sowieso seit Jahren schon von Krieg geschunden und gequält, wird die von Rebellen gehaltene Hafenstadt al-Hudeida, über die bisher Hilfsgüter anlanden konnten, zur gleichen Zeit angegriffen. Internationale Hilfsorganisationen mussten ihre Leute abziehen.
Haben Sie irgendwelche grausame/empörende Bilder davon gesehen? Ich auch nicht. In meiner Tageslektüre fand ich nur diesen einen Bericht von Thomas Pany/telepolis.

Kaderprobleme der Borussias – WM-fieberfrei

Von , am Mittwoch, 13. Juni 2018, in Fußball.

Zuerst das Wichtige.
Nach der schlechten Rückrunde hat Max Eberl bei Borussia Mönchengladbach einiges zu tun. Wie schön, dass er dafür Ruhe hat, im Schatten des Windes, ja der Stürme, um andere Ereignisse. Nur Bonner Medien, die GA-Besitzerin Rheinische Post und der Express könnten dabei stören. Aber die hat er sich in Mönchengladbach gut erzogen: ab und zu ein Leckerli, und ansonsten Ruhe halten.
Eberl ist schon einige Probleme losgeworden – wie anders beim BVB in Dortmund, vor allem mit viel mehr Nullen. Weiterlesen

Blogger*innen als Journalist*innen unterschätzt

Von , am Mittwoch, 13. Juni 2018, in Medien.

von Jupp Legrand / Otto Brenner Stiftung

+++ Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Blogger*innen und Journalist*innen +++ Keine Unterschiede im Umgang mit Schleichwerbung und PR-Angeboten +++ Blogger*innen stark auf Leserschaft fokussiert, Journalist*innen stärker von Vorgesetzen beeinflusst +++ 43% der Blogger*innen arbeiten mehr als 20 Stunden die Woche, ein Drittel erzielt jedoch keine Einnahmen +++ Journalistische Reichweite (noch) sehr viel größer +++ Vorurteilen fehlen vielfach empirische Belege +++

Wie ähnlich sind sich Journalist*innen und Blogger*innen in Deutschland? Diese Frage hat eine von der OBS geförderte Studie der Ostfalia Hochschule untersucht. Zentrales Ergebnis: Sie sind sich ähnlicher als oftmals angenommen. „Deutschlands Blogger – Die unterschätzten Journalisten“ ist die erste empirische Untersuchung, die beide Gruppen vergleicht. Weiterlesen

Trump, Kim und die Augsburger Puppenkiste

Von , am Dienstag, 12. Juni 2018, in Allgemein, Politik.

Das brutale diktatorische Regime des Kim-Familienclans in Nord-Korea, von Kim Il-Sung gegründet, stützt seine Macht im totalitären System auf eine Million Militärs unter Waffen und sechs Millionen Reservisten. Das Land hat in 65 Jahren weitgehend abgewirtschaftet. Armut und Elend, Unterdrückung und Hunger prägen seit Jahren und Jahrzehnten das Land. Sozialismus heißt in Norkorea vor allem, die Armut möglichst breit und an fast alle zu verteilen. Zensur bis zur Überwachung der Gesichtszüge, ob die Trauernden beim Begräbnis von Kim Jong-il auch genügend Betroffenheitstränen vergießen. Kim Jong-un hat seinen mächtigsten General und Onkel Jang Song Thaek wegen “Hochverrat” hinrichten und seinen Halbbruder Kim Jong-nam 2017 auf dem Flughafen von Kuala Lumpur ermorden lassen. Weiterlesen

ARD wird DFB-TV

Von , am Dienstag, 12. Juni 2018, in Fußball, Medien.

Mit dem Versuch des Nicht-drüber-reden hat der DFB für alle sichtbar in der Angelegenheit der Erdogan-Fans in seinen Reihen ein für jede*n wahrnehmbares vielleicht sogar WM-entscheidendes Eigentor geschossen. Doch gerade Menschen, die “was mit Medien” machen, lernen daraus am wenigsten.
Der ARD-Sportkoordinator ist nicht irgendwer, vor allen nicht so kurz vor der WM. Er ist so eine Art Bundestrainer für die Medienseite – er stellt die Mannschaft zusammen, erteilt bestimmte Aufträge, bestimmt Auswechslungen. Er ist unterm Strich in den nächsten 4 Wochen mächtiger als irgendein*e dahergelaufene*r ARD-Intendant*in. Weiterlesen

SPD: “Aus Fehlern lernen” – schaffen sie das?

Von , am Dienstag, 12. Juni 2018, in Lesebefehle, Politik.

Alle Parteien sollten (und werden!) das lesen. Es war noch vor Nahles in Auftrag gegeben worden, und wurde – Respekt! – gestern der ganzen Öffentlichkeit zur Kenntnis gegeben. Die Autor*inn*en Jana Faus, Horand Knaup, Michael Rüter, Yvonne Schroth und Frank Stauss haben im Auftrag der SPD eine bemerkenswerte Arbeit zur Analyse der Bundestagswahl 2017 vorgelegt.
Nebenbei: meine Hervorhebung der “alten Frauen” als Stütze Angela Merkels wird durch das vorgelegte Zahlenmaterial für 2017 bestätigt, aber in der Analyse nicht weiter bearbeitet.
Der Text hat aber bedeutsame Stärken. Er verzichtet darauf, ein Fähnchen in den rechten Wind zu hängen, Weiterlesen

USA halten Terrorismus in Somalia am Leben

Von , am Dienstag, 12. Juni 2018, in Lesebefehle, Politik.

Israel bildet die Weltspitze in der Entwicklung von Drohnentechnologien. Das hat eine gewisse Logik, sieht es sich doch von Feinden umstellt. Welche Logik soll es haben, wenn auch die Bundesregierung und ihre Bundesverteidigungsminsterin ihr Militär stärker mit solchen Waffen ausrüsten wollen?
Die USA beweisen, dass mann noch jedes Land damit gegen sich aufbringen kann. Weltweit bekannt ist das von Afghanistan, dem Jemen und Irak. Weniger bekannt, weil wir glauben, sie hätten sich dort zurückgezogen, ist das von Somalia. Bettina Rühl belehrt uns in ihrem DLF-Feature eines Schlechteren.
Die weltweite Exilgemeinde Somalias wäre jederzeit in der Lage, Weiterlesen

#metoo im NDR / Wohnungspolitik / Beklopptes Berlin

Von , am Montag, 11. Juni 2018, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Jetzt hat auch der NDR seinen ersten öffentlichen #metoo-Fall. Was seine Wegmoderierer für einen Scherz halten, kann – nicht nur Frauen – sprachlos machen. Viele Leute, die “was mit Medien” machen, lesen und lernen offensichtlich: Nichts. Der gleiche Kerl war vor einigen Jahren schon einmal verhaltensauffällig, seinerzeit sind ausser Stefan Niggemeier alle über die Frau, Katja Riemann, öffentlich hergefallen, “Diva” etc. Wir waren nicht dabei, vorher und nachher; aber sie, deren Beruf es ist Rollenspiele exakt zu identifizieren. Weiterlesen