Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: Smart Cities

Indien / Smart Cities / Polizeidatenbanken / Genschere

Letzten Freitag erschien die deutsche Ausgabe der LeMonde diplomatique. Online frei zugÀnglich sind folgende interessante Texte:
Christophe Jeffrelot: Indien im Griff der Hindu-Nationalisten; dazu gibts auch einen Text in den BlĂ€ttern: L.K Sharma: Indien: Die Wahl der Angst. Beiden Texten ist gemeinsam, dass sie analytisch informativ sind, aber strategisch hilflos bleiben. Indien ist ein radikal vielfĂ€ltiges Riesenland, an Einwohner*innen*zahl das grösste der Welt. Aber kein deutschsprachiges Medium scheint Kenntnis vonWeiterlesen…

Informationelle Selbstbestimmung fĂŒr StĂ€dte

Ein Hinweis fĂŒr die*den zukĂŒnftige*n grĂŒne*n OB*ine
Smart Cities sind der heisse Scheiss globaler Kommunalpolitik, und darum in allen ahnungslosen Munden. Hier wurde schon mannigfach davor gewarnt. Aber “es” ist natĂŒrlich nicht aufzuhalten. Am Ende ist es eine Frage der Politik. Die erweckt hierzulande nicht den Eindruck von Gestaltungskraft. Sie ist in der Digitalpolitik so schwach, dass sie noch nicht mal mehr Sachkunde zu simulieren und vorzutĂ€uschen versucht. Das macht Kassandra-Rufe zu Selffullfilling-Prophecy.
Ein lesens- oder hörenswertes DLF-Wissenschaftsfeature von Andreas BeckmannWeiterlesen…

So nicht, Frau Voßhoff!

Vier Jahre lang hat die Bundesbeauftragte fĂŒr den Datenschutz nichts nennenswertes gesagt. Sie hat zu neuen Fahndungsistrumenten wie der Gesichtserkennung in der Videotechnik geschwiegen, hat zu den Skandalen von Google, Facebook und Cambridge Analytica kein Wort gesagt. Sie hat erst kĂŒrzlich einen der ĂŒbelsten GesetzentwĂŒrfe des Bundesverkehrsministers durchgewunken, der sĂ€mtliche Kennzeichen von Fahrzeugen erfassen und verdachtsunabhĂ€ngig abgleichen soll, obwohl es ein eindeutig einfacheres und mit keinen derart gravierenden Grundrechtseingriffen verbundenes Mittel gĂ€be: Die blaue Plakette fĂŒr umweltfreundliche Fahrzeuge. Sie war auf internatinalen Konferenzen der DatenschĂŒtzer nicht vorhanden und hat – anstatt BĂŒrger und Wirtschaft ĂŒber die Datenschutz-Grundverordnung aufzuklĂ€ren – sich einen Tag vorher belanglos dazu geĂ€ußert und dann wieder zum BĂŒroschlaf in ihr Bonner BĂŒro zurĂŒckgezogen.Weiterlesen…

Der smarte Realo-Kommentar

Wo ist der Ausweg? Habe ich mich nach Roland Appels Text gefragt. Die Frage ist gar nicht so schwierig, wie sie aussieht. Europa ist technologisch und ökonomisch in diesem Bereich von China und Kalifornien bereits aussichtslos abgehĂ€ngt. Und was Roland beschreibt, ist, weitergedacht, die Nische, die noch ĂŒbrig ist.
Es gibt einen weltweiten Markt fĂŒr Kommunikations- und Informationstechnik mit Datenschutz, offene antiproprietĂ€re Systeme, die dem kreativen Wettbewerb ihrer Erfinder*innen offenstehen, statt ihn zu bekĂ€mpfen. FĂŒr Marktbeherrschung und die Etablierung von Monopolen ist er nicht gross genug. Er ist aber gross, er ist kraufkrĂ€ftig, er verspricht angesichts der MarktmachtverhĂ€ltnisse sogar Extraprofite.Weiterlesen…

“Smart” leben heisst Fremdbestimmung

Die Ludwigsburger Film- und Fernsehschule hat vor einigen Jahren eine mit schwarzem Humor gewĂŒrzte Reklamesatire produziert, inspiriert von einem Mercedes-Benz Solgan “Erkennt Gefahren, bevor sie entstehen” . Man muss – mit Ausnahme der gleichnamigen Automarke, denn die ist Ă€lter – bei nĂ€herer Betrachtung der Sachverhalte den Eindruck bekommen, dass vor der Verwendung der Bezeichnung “Smart-” als vorangestellter Eingenschaft in Ă€hnlicher Weise, wie der Slogan im Werbespot es tut, inzwischen eine universelle Warnung geboten ist. “Smart” entwickelt sich zum Feind der PrivatsphĂ€re, des freien Willens des Konsumenten, des Verbraucherschutzes, ja des Schutzes ganzer mittelstĂ€ndischer Wirtschaftszweige und vor allem der BĂŒrgerrechte und letztlich der Demokratie. Wie konnte es dazu kommen?Weiterlesen…

Smart-City-Totalitarismus / Widerspruch zu Melenchon

Smart Cities werden das Thema der Digitalisierungspolitik. Wieviel eine neoliberal regierte Stadt da falsch machen kann, berichtet die FR aus der spanischen Stadt Santander.
Noch beunruhigender ist, dass die IT-Konzernriesen jetzt in den Immobilienmarkt drĂ€ngeln. Auf den wollen jetzt alle, die viel Kapital haben, und nicht wissen, wie sie es verzinst kriegen. Zu besseren Zinszeiten riet JĂŒrgen Becker schon: “Legen Sie mal einen Haufen Geld in die Ecke, und gucken Sie mal, wie das ‘arbeitet’!” Warren Buffet macht sich dort breit, Aldi, Lidl und Ikea sind schon da. Und die Datenkonzerne wissen natĂŒrlich am besten, wie man Datengold schĂŒrfen kann. Eine Wohnung ist voll davon.

Vor einigen Tagen beschrieb Peter Wahl hier die politische Organisationsstrategie des linken französischen PrÀsidentschaftskandidaten Jean Luc Melenchon. Steffen Vogel widerspricht nun einigen seiner EinschÀtzungen in den BlÀttern.

Smart Cities / Niedergang von “Volksparteien” und (alten) Medien

Bei diesem Überblick des Freitag zur Smart City-Diskussion war meine erste Reaktion: wenn das kommt, haben sie uns. Konzerne und Regimes hĂ€tten uns im Sack, mit Demokratie, wie wir sie kennen, zumindest der Chance des Mitredens und Mitbestimmens wĂ€re dann Schluss. Das Interview mit Francesca Bria an gleicher Stelle ist der erfreuliche dialektische Gegenschuss. Eine technik- und datenschutzkompetente Italienerin wird von Barcelona – nachdem Erdogan den kulturellen Niedergang Istanbuls betreibt – der hotteste Hotspot ganz Europas, geholt, um eine demokratische Variante von Smart City zu entwickeln. Das ist, was ich politisch unter Hoffnung verstehe:Weiterlesen…

Uruguay / Österreich / China / Nahost

In Mönchengladbach könnte der Weihnachtsbaum rechtzeitig zum Fest in Brand geraten, in Dortmund entdecken sie ihre Liebe zu Österreich – ob sie sie rechtzeitig wieder loswerden? – doch das zentrale Fussballereignis passierte in Uruguay: dort wurde nĂ€mlich die Meisterschaft entschieden. Andre Dahlmeyer berichtet in der Jungen Welt. Lieber Andre, ich weiss jetzt, warum Du so schreibst wie Du schreibst: Du willst auf keinen Fall eines Tages durch Algorithmen ersetzt werden. Meine Leserschaft dafĂŒr hast Du. Wenn es omline steht ;-)
Liebe zu Österreich: die NachtzĂŒge, Stefan Schirmer/Zeit-online berichtet und beweist erneut, dass die Unternehmenskultur in deutschen BĂŒrokratien dysfunktional und geeignet ist, unsere Volkswirtschaft zu ruinieren.
Bei Ulrich Horn diskutierten wir jĂŒngst, ob und warum China heute vieles besser kann. Wenn es vom Alibaba-Chef richtig dargestellt und von Florian Rötzer/Telepolis-Chef korrekt berichtet wird, gehe ich in den Widerstand gegen „Smart Cities“.
An Widerstand ist im Nahen Osten kein Mangel. KlĂŒgere Analysten haben bereits bemerkt, das Trump nicht nur Feuer legt. DarĂŒberhinaus stĂ€rkt er wirksam die, die er als seine Gegner/Feinde deklariert, in Alabama und im Iran. Könnte ihm nur jemand den roten Knopf wegnehmen?

Smartcities / NSU-Verschwörung / Kohls Bimbes / Schayani

Daten sind die WÀhrung, mindestens der Rohstoff der Gegenwart und Zukunft. Sollen sie einigen wenigen (kalifornischen, chinesischen oder Sinsheimer) MilliardÀren gehören? Oder uns allen? Oxiblog weist heute mit einem kurzen Anreissertext der Autor*inn*en auf eine Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung hin. (Kommunal-)Politiker*innen, die das nicht lesen wollen, können direkt aufhören und zuhause bleiben. Sie braucht dann niemand mehr.

Ist es Aufgabe von Journalismus “Vertrauen in den Rechtsstaat” herzustellen? Oder ist das nicht Aufgabe des Rechtsstaates selbst? Seiner Justiz und seiner Politik. Um dieses MissverstĂ€ndnis kreist die Medienkontroverse um den “Dengler”-Krimi des ZDF vor einigen Wochen, auf den ich hier schon hingewiesen hatte. Marcus Klöckner wirft sich bei den nachdenkseiten fĂŒr die Filmemacher in die Bresche und sie selbst setzten sich in Kontext zur Wehr. Ekkehard Sieker, widerstĂ€ndiger und in der Regel unglĂ€ubiger Kollege, eine selten gewordene Spezies im MediengeschĂ€ft, da ist er wieder.

Heute Abend, wenn die Kinder im Bett sind, nehmen sich Stephan Lamby und Egmont R. Koch, einstiger Jungdemokrat in Bremen, fĂŒr die ARD der Legenden um Helmut Kohls Bimbes an. Möge dem Film ein langer Mediathek-Aufenthalt vergönnt sein. Morgen dann, eine halbe Stunde frĂŒher, Die Anstalt im ZDF.

Isabel Schayani gehört ebenfalls zu den gleichzeitig meinungs- und recherchestarken Journalist*inn*en. Jedenfalls ist es leichter, die namentlich aufzuzĂ€hlen, als die andern. Rene Martens hielt ein engagiertes PlĂ€doyer fĂŒr sie, dem ich mich anschliesse.

Smartcity Gelsenkirchen-Horst

Gelsenkirchen-Horst ist nicht nur mein Geburtsort, sondern auch der von Olaf Thon, einem der grössten Fussballtalente, das der FC Schalke 04 jemals hervorgebracht hat. “Ein Horster kann kein Schalker sein” hiess es mal, vor meinem Leben. Die Begrenzung des Blicks wurde schnell erweitert. Die Rivalen von STV Horst-Emscher stiegen vom Rivalen ab zum Talentlieferanten und enden jetzt beim JĂ€ten des Unkrauts auf ihren ehemaligen TribĂŒnen. Das FĂŒrstenberg-Stadion habe ich nie betreten, immerhin die Veltins-Kneipe gegenĂŒber in der Fischerstrasse. Dort kannten sie noch alle, die mal berĂŒhmt waren. Mein Oppa hat mir immerhin noch die Kneipe von Heinz Flotho gezeigt, bei ihm zuhause aus dem Haus nicht rechts zur Trinkhalle, sondern links ĂŒber die Köttelbecke. Der Gute starb 1974 mit 69 Jahren, fĂŒr einen mit 100%-Staublunge damals Rekord; und er musste das Elend seines Vereins RW Essen nicht mehr miterleben.

Die bereits legendĂ€re Schalker Jugendarbeit, die noch unter Jens Keller blĂŒhte und langjĂ€hrig von Norbert Elgert verantwortet wurde, soll jetzt, vom neuen, modernen Manager Heidel globalisiert und professionalisiert werden. “27” Sportstudent*inn*en sollen die DatensĂ€tze von 27 Profiligen fortlaufend beobachten und analysieren. Und so sollen in Zukunft aus diesem viel grösseren Beobachtungs-Pool noch bessere Talente eingesammelt werden. Mag sein. Vermutlich ist kein Mensch besser datenvermessen als Fussballprofis:Weiterlesen…

Netz- und Medienpolitik – gute Fachpresse, online

Gute Fach”presse” wird immer weniger gedruckt, aber es gibt ihn noch, den guten Journalismus, online. Beim Thema Netzpolitik ist das nicht verwunderlich. heise-online setzt schon sehr lange MassstĂ€be fĂŒr eine kompetente und seriöse tagesaktuelle Berichterstattung. Ebenso haben sich die Kolleg*inn*en von netzpolitik.org von einem Nischenprojekt zu einer auch im Mainstream respektierten FachautoritĂ€t entwickelt.

Aktuell haben sie nicht nur die netzpolitischen Positionen der Parteien analysiert. Spannender und relevanter finde ich ihr Projekt zur Diskussion von “Smart Cities”. Leider hört man aus dem Bonner Rathaus, dass unser OB Sridharan dem Thema BĂŒrger*innen*beteiligung nur eine geringe PrioritĂ€t beimisst. Ganz falsch. Denn dabei geht es exakt um die “Smart Cities”. Wer sich damit nicht befassen will, wird erst ĂŒberrollt und dann abgehĂ€ngt.

Die Kolumne “Altpapier” ist online von der Evangelischen Kirche zum MDR gewandert, rĂ€tselhaft. Mein Lieblingsautor dieser Kolumne ist Rene Martens, der sich hier u.a. mit dem gleichen Thema beschĂ€ftigt wie ich gestern.

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