Thema: Springer

Unruhestifter Gabriel – nur ein Hampelmann?

Von , am Mittwoch, 8. Mai 2019, in Medien, Politik.

Sigmar dreht auf. Sein Kolumnistenvertrag mit dem Handelsblatt erregte schon vor geraumer Zeit Aufsehen: 15.000 Euro für ein paar Zeilen im Monat. Was “freie” Journalist*inn*en heute für harte Recherchearbeit bekommen, das bekommt Sigmar alleine dafür, dass er seinen Computer hochfährt. Heute soll er bei der “Deutschen Nationalstiftung” einen gemeinsamen Auftritt mit Friedrich Merz (und Peer Steinbrück) hingelegt haben. Morgen ist er im Duett mit Roland Koch, Untergangskapitän eines Baukonzerns und gescheiterter Ministerpräsident wie Gabriel, bei der untergehenden Frau Maischberger angekündigt. Weiterlesen

Wofür wird der “Datenskandal” aufgeblasen?

Von , am Dienstag, 8. Januar 2019, in Medien, Politik.

Heute soll es eine Verhaftung eines Verdächtigen gegeben haben. Kein Chinese, kein Russe, sondern ein 20-jähriger aus Mittelhessen. Der Wind, der in den letzten Tagen dazu durch die Republik tost, steht in keinem Verhältnis zum Anlass. Das bestätigen Zeuginnen, deren fachliche Kompetenz nur von wenigen übertroffen werden kann. Constanze Kurz (Sprecherin des Chaos Computer Clubs) beschreibt das in ihrer FAZ-Kolumne und enthüllt darin nebenbei, Weiterlesen

“Bild” verbieten

Von , am Dienstag, 14. August 2018, in Fußball, Medien, Politik.

Und die irre Berater*innen-Branche braucht gesetzliche Regeln
Wenn ich in dieser Republik zu sagen hätte, wäre das schon in den 70er-Jahren passiert: “Bild”, die sogenannte Zeitung wäre verboten. Als ich noch klein war, in den 60ern hiess die Parole noch “Enteignet Springer!”. Aber die bezahlen ja jetzt sogar Silke Burmester (huch: eben lese ich, sie sei schon wieder abgelöst?; ihre eigene Website ist Baustelle); das soll so bleiben. Es ist seitdem viel passiert. Ausser, dass sich dieses Ding “Bild” zivilisiert hätte; an solche Zeitabschnitte kann ich mich nicht erinnern. Und obwohl sich dieses Medium nach Kräften abgemüht hat das zu verhindern: unsere Gesellschaft hat sich sehr wohl zivilisiert: Weiterlesen

Plattformkapitalismus: Pflege

Von , am Freitag, 6. April 2018, in Medien, Politik.

Gestern morgen dachte ich, da ist dem Startup-Unternehmen Careship ja ein feiner PR-Coup gelungen: ein langer redaktioneller, werbeähnlicher Artikel im Handelsblatt. Als ich dann nachmittags zum Abfassen dieses Textes den archivierten Link erneut anklickte, musste ich feststellen: jetzt war der Artikel vom Handelsblatt hinter einer Paywall vermauert (und ist darum hier nicht verlinkt). Was mag die Redaktion dazu bewogen haben? Meine Hypothese: anknüpfend an den im Text artikulierten Gedanken „Pflege ist Vertrauenssache“ ist es vielleicht suboptimal, darauf bezogene Überlegungen zur Profitabilität und Rentabilität eines „Wachstumsmarktes“ vor einer übertrieben grossen Öffentlichkeit auszubreiten. Weiterlesen

Burmester zu BILD!

Von , am Freitag, 2. Februar 2018, in Medien.

Grad gestern habe ich ihr noch Fanpost geschickt. Weil sie in ihrer DLF-Kolumne so lieb um Lob gebettelt hat. Kaum jemand, der/die sie nicht persönlich kennt, wird verstanden haben, warum sie sich für einen Job bei Springer hat engagieren lassen, auch ich nicht. Andererseits: wie Hazel Brugger aus betriebswirtschaftlichen Gründen zu einem gewissen Nur in die Sendung gegangen ist, so ähnlich verhält es sich auch für Burmester. It’s the economy, stupid!
Doch jetzt ist die Sensation zum Greifen nah. Bild-Chefredakteurin Tanit Koch hat hingeschmissen, weil sie Julian Reichelt nicht mehr ausgehalten hat. Das ist nun wirklich für fast jede*n mit Verstand nachvollziehbar. Jetzt könnte Döpfner mal wirklich überraschen: wenn er Reichelt zur Bundesagentur für Arbeit schickt, und Silke Burmester, wenn er sie sowieso schon bezahlt, diesen Job anbietet.
Ich glaube, sie würde ablehnen, zuviel Stress mit zu vielen Irren macht krank. Da weiss ich was von. Aber zum ersten Mal in meinem Leben würde ich die angebliche Zeitung, die sich “Bild” nennt, kaufen.

Lückenpresse im Kampf mit sich selbst

Von , am Montag, 6. November 2017, in Medien.

Stefan Niggemeier ist wohl deswegen einer der besten deutschen Medienjournalisten, weil er sich manchmal beängstigend hartnäckig in einen Streitgegenstand verbeissen kann. Jedenfalls wählt er sich keine Schwächere als Opfer, sondern aktuell den Verband Deutscher Zeitungsverleger mit dem Multimilllionär und Friede-Springer-Liebling Matthias Döpfner. Respekt und Kompliment!

Georg Seesslen benutzt – unnötigerweise – die Konstruktion einer “fiktiven Filmbesprechung” in der Jungle World, um nicht dem Menschen sondern dem Systemphänomen Harvey Weinstein zu Leibe zu rücken. Seesslen, immer lesenswert und intellektuell bereichernd.

Friedrich Küppersbusch, Leser dieses Blogs, kommentierte im Deutschlandfunk den Streit zwischen Verlegern und öffentlich-rechtlichen Journalist*inn*en. Er selbst ist als für private wie öffentlich-rechtliche Sender dienstleistender selbstständiger Produzent sein eigener Chef und pflegt wie immer das offene Wort. Subtil bricht er eine Lanze für das, was er selbst macht, gesellschaftspolitische Themen so boulevardesk zu verpacken, dass sie auch von dümmsten TV-Glotzer*inne*n verstanden und – so die Hoffnung – nicht ausgeknipst werden.

Thematisch gut anschliessend an einen vielgelesenen Text von Roland Appel im Extradienst beschäftigt sich ein Interview der in der Netzgemeinde meinungsführenden Kolleg*inn*en von netzpolitik.org mit Frank Pasquale mit den notwendigen politischen Regulierungen der Konzernmonopole im Netz.

Lambsdorff-Trump / Arabien / Agroindustrie / Katalonien / Drohnenkrieg / Feminismus

Von , am Sonntag, 5. November 2017, in Fußball, Lesebefehle, Politik.

Das Wochenende ist Palaverzeit. Die Mitglieder des politisch-medialen Komplexes in Berlin sind auf Heimaturlaub, machen Wahlkreisarbeit, oder treffen sich in Parteigremien und Kungelrunden, und geben Interviews. Der Springer-Verlag versucht mit seinen Sonntagsblättern die Agenda in seinem Sinn zu steuern, dass der Spiegel jetzt samstags erscheint – hat das schon jemand bemerkt?

Die für das Volk relevanteste Nachricht ist, dass die Bundesligasaison gestern Abend im Westfalenstadion – gefühlt – vorzeitig beendet wurde. Jetzt folgt wieder eine Länderspielpause, gegen England und Frankreich. Bei gutem Fussball könnte sie die Stimmung der Fans kurzzeitig aufhellen, die der Bundesligamanager dagegen weiter ansäuern. Denn Vereine und Nationalmannschaft ergänzen sich nicht mehr, sondern sind Konkurrentinnen um den Aufmerksamkeits- und Medienmarkt.

Es gab trotz allem eine Reihe politischer Vorgänge, die Aufmerksamkeit verdienen.
Während in Bonn, von der Berliner Republik weitgehend unbemerkt, die Weltklimakonferenz tagt, gibt der Bonner Abgeordnete Lambsdorff, der bei der Direktwahl im Wahlkreis klar scheiterte, ein Interview, mit dem er fast trumpartig den Klimaschutz einkassieren will. Weiterlesen

Zeitungsverleger laufen Amok

Von , am Mittwoch, 20. September 2017, in Medien.

Wenn eine Branche sich entschliesst, den führenden Repräsentanten des Springer-Verlages zu ihrem politischen Führer zu wählen, muss es schon schlimm um sie stehen. Tut es auch. Der Springer-Konzern ist unter den deutschen Zeitungsverlagen vermutlich der einzige, der für sich rechtzeitig eine digitale Wende gefunden hat. So hat sein Vorstandsvorsitzender vielleicht etwas mehr Zeit für ein “Ehrenamt”, während seine Berufskollegen damit ausgelastet sind, den Ansturm auf die verlagseigenen Rettungsboote zu regulieren und ihre Vermögenswerte in Sicherheit zu bringen.
In ihrer Panik reagieren sie ähnlich wie die rechtsradikale AfD. Wenn man nicht mehr weiter weiss, braucht man einen äusseren Feind. Das schliesst die eigenen Reihen und bündelt und lenkt die Ansammlung eigener Aggressionen um. Was der AfD Flüchtlinge aus fremden Ländern sind, das sind den deutschen Verlegermilliardären öffentlich-rechtliche Medien.
Medienpolitische Fachjournalisten haben sich – hier uebermedien.de, hier Dieter Anschlag in der Medienkorrespondenz – schon hinreichend lustig gemacht. Satire bleibt angesichts dieser Wirklichkeit sprachlos.

Es gibt jedoch auch andere, als die Milliardär*inn*e*n Springer, Mohn, Grotkamp, Neven DuMont, Madsack, Ippen, Rebmann, die davon Schaden haben. Es sind Weiterlesen

Es gibt noch gute Medien

Von , am Donnerstag, 2. Februar 2017, in Medien, Politik.

Gestern berichtete das Deutschlandradio über ein selbstverwaltetes Krankenhaus im brandenburgischen Spremberg. Kannte ich nicht, gesundheitspolitisch sensationell, von der breiten Öffentlichkeit ausserhalb dieses dünn besiedelten Bundeslandes unbemerkt. There are alternatives!
Sonntag bereits sendete “Sport inside”, das sich zusehends zu einem “Weltspiegel” des Sports entwickelt. Absolut sehenswert: die Gabun-Reportage. Das Tragische: es handelt sich um die einzige TV-Sendung, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat, die überhaupt Sportjournalismus betreibt – alle anderen Sportformate sind Produktpräsentationen, die sogar weitgehend vertraglich über die Senderechte abgesichert werden, also bei Licht besehen eigentlich Werbefernsehen. Das ist das WDR-Format “Sport inside” ganz sicher nicht, und, obwohl es nur normal-kritischen Journalismus betreibt, für dieses Alleinstellungsmerkmal grimmepreiswürdig.
Thomas Kistner ist auch ein richtiger Sportjournalist. Er berichtete diese Woche für SZ und DLF neue Vertuschungsmerkwürdigkeiten des DFB und der von ihm beauftragten Kanzlei Freshfields in Sachen “Sommermärchen” 2006. Ex-DFB-Präsident Niesbach war offensichtlich besonders darauf erpicht, seinen Vorgänger Zwanziger, der verdächtig ist Jens Weinreich/Spiegel-online mit Infos gefüttert zu haben, in ein schlechtes Licht zu rücken. Kein Medium hat nachgesetzt. Eigene Recherche erfordert bezahlte Arbeit; wer will heute noch für Arbeit bezahlen?
Einige richtige Stichworte zur aktuellen Medienentwicklung gab Lutz Hachmeister der geschätzten Kollegin Ulrike Simon. Hachmeisters wacher Geist ermüdet, ich sah ihn vor ein paar Wochen bei einer Veranstaltung seines Instituts in Köln, weil die Berliner Hauptstadtpolitik an seinen Hinweisen komplett desinteressiert ist. Medienpolitik macht in der BRD eine kleine Gemeinde, fast alle kennen sich untereinander persönlich, Selbstreferentialität in potenzierter Form. Sie sollen die Kreise derer in Berlin nicht belästigen – die so besonders anfällig bleiben für Einflüsterungen strategisch agierender Milliardär*inn*e*n (Murdoch, Malone, Mohn, Springer, Zuckerberg etc.). Diese Provinzialität in der Hauptstadt ist erschütternd.

Ein Journalist im Schussfeld der Mafia-Familien

Von , am Dienstag, 20. Oktober 2015, in Fußball, Medien, Politik.

Dem kritischen Sportjournalisten Jens Weinreich habe ich vor ein paar Jahren schon einmal einen publizistischen Solidaritätsbeitrag entrichtet. Respekt, mit welch mächtigen Gegnern gleichzeitig er sich jetzt anlegt.

Wer sich mit Springer (Bild) und Murdoch (Sky) ins Bett legt, dem beissen die, wenns ihnen passt, bei Bedarf auch irgendwann den Schwanz ab. Auch wenns ein widerliches Bild ist: Weiterlesen