Beueler-Extradienst

Meldungen und Meinungen aus Beuel und der Welt

Schlagwort: FR (Seite 15 von 16)

Frankreich

Es gibt eine Welt da draussen, in der in diesem Jahr auch wichtige politische Entscheidungen fallen. Noch vor der NRW-Landtagswahl werden wir wissen, wer neuer französischer Präsident – eine Frau hoffentlich nicht – wird. Der linke Kandidat Jean-Luc Melenchon kommt heute im FR-Interview selbst zu Wort; Rudolf Walther kommentiert beim oxiblog seine strategische Ausgangslage.
Der seit einigen Jahren beste deutsche Frankreich-Korrespondent Bernhard Schmid veröffentlichte in der jüngsten Jungle World eine zeitgeschichtliche Beschreibung des ideologisch-intellektuellen Hintergrunddiskurses hinter den französischen Politikdebatten. Zu Melenchon hat er eine deutlich-kritische Einschätzung (Jungle World eine Woche zuvor).

Noch eine Bemerkung zu weiblichen Kandidatinnen: es “gibt” genug gute Frauen. Meistens sind sie leider selbst ihre schärfsten Kritikerinnen und kandidieren erst gar nicht bei wichtigen Wahlgängen und Personalentscheidungen. Es ist eine Schwäche der Grünen, dass keine linke Frau die Traute hatte, sich gegen KGE um die Spitzenkandidatur zu bewerben. Es ist eine ebensolche Schwäche, wenn die Linken meinen, eine Populistin mit kaputtem Kompass einer Frau mit einer klaren emanzipatorischen Linie vorziehen zu müssen. Wahlen, zu denen frau nicht kandidiert, sind schon verloren. Ich hoffe inständig, dass das wenigstens in Bezug auf Frankreich widerlegt wird.

Gegenwehr, aber wie und gegen was und wen?

Am Wochenende hatte ich eine kurze Korrespondenz mit einem Freund in den USA. Es ging um die (Selbst-)Zweifel an der eigenen politischen Wirksamkeit. Welche Aktivität hat (noch) welchen Sinn? Bei Herren reiferen Alters sind das berechtigte Überlegungen. Und Rezepte können hier nicht geliefert werden. Mann sollte nicht nur selber kochen, sondern auch die Rezepte gemäss den eigenen Neigungen und Fähigkeiten lieber selbst kreieren, statt irgendwelchen Meistern zu folgen. Bei dieser Suche helfen, wie hier z.B. die Kolleg*inn*en von oxiblog, wäre ein realistischer Anspruch. Mehr ist nicht drin, aber weniger sollte es auch nicht sein.

Nehmen wir mal die tunesische Perspektive. Mein Fußball-Gastwirt Kamel Bsissa ist tunesischer Herkunft. Ein Künstler seiner Zunft, pflegt er doch eine total heterogene Kundschaft auf engstem Raum, und alle halten es bei ihm miteinander aus. Seine herzlich-rustikale Ehrlichkeit erleichtert ihm die Ausführung seines soziokulturellen Kunsthandwerks. Käme ich auf die Idee, von ihm auf Tunesien zu schliessen? Weiterlesen

Whisky

In den 80ern nahm ich im Kreise meiner Mitstudent*inn*en der Politischen Wissenschaften an einer Vergleichsverkostung von Malt-Whiskys teil. Jede*r sollte ein Fläschchen mitbringen; wir koordinierten untereinander, dass es keine Doppelungen gab. Der damalige Edeka am Friedensplatz, dessen Betreiber, wie es der Zufall will, jetzt bei mir um die Ecke in der Beueler Jahnstraße residiert, unterhielt ein stadtweit bekanntes liebevoll zusammengestelltes Sortiment dieses Getränks. Das Regal ist heute allerdings hinter einer verschlossenen Glasscheibe vor Diebstählen geschützt und wird nur auf Anforderung geöffnet. Es war damals ein unvergesslicher, genussvoller Abend, bis ….. Weiterlesen

Verdächtiger erschossen – in Italien

Es fällt schwer, sachlich zu bleiben, wenn man sich wie ich diese Woche dem Trommelfeuer des Deutschlandfunks ausgesetzt hat. Zu Beginn der Woche ergab sich die paradoxe Situation, dass der Interviewte Bosbach (!) seinen Befrager zur Mässigung seiner Spekulationen aufforderte. Statt investigativer, kritischer Befragung muss man bei jedem Äußerungsversuch kompletter Gedanken stammtischartige Unterbrechungen a la “wie ist es denn möglich, dass ….” anhören. Wenn Journalist*inn*en am Mikrofon einen Ton anschlagen, den sie an Stammtischen vermuten, dann sind sie wirklich ganz unten angekommen.

Also: der Tatverdächtige des Berliner LKW-Attentats ist von der italienischen Polizei bei einer “zufälligen” Verkehrskontrolle erschossen worden, nachdem er eine Waffe gezogen haben soll.
Die Merkwürdigkeiten dieses Falls sind so umfangreich, dass sie hier nicht referiert werden können. Heribert Prantl ist es in sachlicher und kompakter Form besser gelungen, als ich es jemals könnte.

Ich möchte nur auf das zufällige zeitliche Zusammentreffen mit einem anderen gewichtigen Vorgang hinweisen, der die deutsch-italienischen Beziehungen der nächsten Wochen stark prägen wird, und bei dem die eine der anderen Seite so manchen Gefallen schuldig sein wird: dazu hier ein knackkurzer taz-Kommentar und eine ebenso kurze Darstellung der FR.

Leitkultur und Sex

Das Geschwätz von Leitkultur war schon immer schwer erträglich. In einem etwas schwergängigen Essay in der FR wird heute ein weiteres Mal erklärt, warum es mit unserer Demokratie nicht vereinbar ist.
Etwas bildstärker wird es aktuell in der europäischen Sexpolitik, europäisch, nicht morgenländisch! Die Missbrauchsaffäre im englischen Fußball (der Herren) hat in einer Weise publizistische Fahrt aufgenommen, dass es kaum noch nachzuzeichnen ist. Es gibt jedoch auch Beispiele aus der Zeit der glorifizierten “sexuellen Revolution”, die im Kern wohl nur eine Modernisierung der Ausbeutungsverhältnisse war. Was die früh verstorbene und verehrungswürdige Schauspielerin Maria Schneider seinerzeit mit “modernen” Männern ihrer Branche erleben musste, und was sie vermutlich für den Rest ihres Lebens traumatisiert hat, wie würden wir das heute einer “unterdrückten Kopftuchfrau” erklären? Wie konnten Männer mit dieser Arbeitsweise ihre Berühmtheit steigern und Preisehrungen aller Art sammeln? Was daran war noch mal genau “emanzipatorisch”?

Update 27.12.: drei Wochen benötigte die taz, um dann aber doch zu dem hier bezeichneten Diskurs-Vorgang einen ausgereiften hervorragenden Text von Mithu Sanyal zu veröffentlichen.

NSU-Aktenvernichter / Putintrolle / van der Bellen / 2,3-Mio.-Demo / PC

Zur Weißglut bringt es einen, wenn man für total bescheuert gehalten wird. Unser teurer “Verfassungsschutz” beherrscht diese Kunst spielend, und entwickelt leistungssportliche Qualitäten im NSU-Aktenvernichten und anschliessendem Balkenbiegen. (Telepolis)
Die deutsche Sehnsucht nach dem starken Führer beherrscht nach Meinung von Tomasz Konicz auch die leider überhaupt nicht ferngelenkten sondern ganz selbstständig agierenden Putintrolle. (Telepolis)
Ein lesenswertes Porträt des neugewählten österreichischen Bundespräsidenten veröffentlicht der in Graz lebende Bonner Nobert Mappes-Niediek. (FR)
Im Schatten der eurozentrischen Weltwahrnehmung demonstrieren 2.300.000 Koreaner*innen gegen ihre Präsidentin. (Telepolis)
Mely Kiyak erklärt uns noch mal in leichter Sprache die Sache mit der Politischen Korrektheit. (Zeit)

Rot-Rot-Grün / IT-Konzerne / Samsung / Nitrat / Newcastle

Eine gute Begründung für Rot-Rot-Grün liefert Holger Schmale (FR). Leider kenne ich die handelnden Personen zu gut, um daran zu glauben, dass es auch realistisch ist. Wer von ihnen strahlt denn Hoffnung aus? Das wäre keine hinreichende aber notwendige Bedingung, um die Bundestagswahl dafür gewinnen zu können.
Sascha Lobo, immer auf der Höhe politischer Kommunikationsstrategien, jüngst hatte er mir zusammen mit Frank Stauss bei Illner schon sehr gut gefallen, trägt heute auf Sp-on zu unserem Nachdenken bei. Lange dachte ich, Lobo sei vor allem eine eitle Rampensau mit einem schlauen Geschäftsmodell. Vielleicht stimmt das immer noch. Seine präsentierte Nachdenklichkeit wäre dann auf jeden Fall zeitgerecht und füllt die Lücke, die die Massen von Bescheidwissern lassen.

Die Geschäftsmodelle und -strategien der IT-Konzerne werden heute in einem Beitrag von Ulrich Dolata in der Jungen Welt, übernommen aus der “Zeitschrift für marxistische Erneuerung” beschrieben.

Meine jüngst gezogene Parallele zwischen den Desastern von Deutschland/VW und Südkorea/Samsung wird durch diesen Handelsblatt-Bericht weiter bestätigt.

Vor einigen Wochen wies ich hier auf eine FAS-Reportage über eine Grundwasser-Nitratvergiftung im nördlichen Baden-Württemberg hin, hervorgerufen durch Akteure der Bio-Landwirtschaft. Da kann es kaum noch überraschen, dass im Rheintal flussabwärts, in Südhessen im gleichen Blatt nun ebensolche Phänomene berichtet werden. Viel Arbeit für die Grünen in den beiden Landesregierungen.

Nach all dem Elend noch was zum Spasshaben. Der Reiseteil der FAZ scheint von der “Neuen Frankfurter Schule” erobert worden zu sein. Eine lesenswerte Bier-Reportage vom bundesweit größten Bier-Experten Jürgen Roth aus der europäischen Feier-Metropole Newcastle.

Demokratiewachsamkeit

von Mely Kiyak / Otto-Brenner-Stiftung
Festrede zur Verleihung des Otto-Brenner-Preises am 15.11.2016 in Berlin
– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrte Preisträger, sehr geehrte Gastgeber der Otto-Brenner Stiftung, geschätzte anwesende Kollegen, sehr verehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde
Als ich die Einladung erhielt, die heutige Festrede halten zu dürfen, schaute ich zunächst einmal nach, um wen es sich bei Otto Brenner eigentlich handelt. Er war in Hannover geboren, was – das sage ich aus biographischer Erfahrung – glauben Sie mir das bitte, immer ein tragischer Start für ein Leben ist.

Mit nur 13 Jahren wurde er Gewerkschaftsmitglied, machte Karriere und brachte es bis zum Vorsitzenden der IG Metall. Vom einfachen Zeitungszusteller und Nietenpresser zum Gewerkschaftsboss, ist in Deutschland – damals wie heute – wo die Herkunft eines Menschen seinen gesellschaftlichen und beruflichen Werdegang beeinflusst, eine der wenigen und seltenen Möglichkeiten als Arbeiterkind, und das war Brenner, aufsteigen zu können.

Brenners Parallelen zu meinem Leben sind verblüffend. Auch ich bin ein Arbeiterkind. Auch ich kämpfe seit meinem 13. Lebensjahr in der Gewerkschaft. Weil ich nämlich die Tochter eines Kupferdrahtlackierers bin. Weiterlesen

Lehren aus Trump

Unübersehbar das Geschwätz dieser Woche. Meine Auswahl von unten nach oben:
1. Erstaunlich unreflektiert und wiederkäuend mein ehemaliger Blogkollege David Schraven, dessen mentale Entfernung und Erinnerungsschwächen aus dem Ruhrgebiet (“Mettigel”) unverkennbar sind, und dem am Beispiel eines ehemaligen SPD- und heutigen AfD-Poltikers auch die politischen Kategorien schwer verrutscht sind.
2. Holger Schmale, ehemaliger Freitag-Verleger und ehemaliger USA-Korrespondent (1997-01), rätselt mit uns über den außenpolitischen Kurs Trumps, ebenso wie seine ehemaligen Kollegen von dpa, deren Material hintergrund.de aufbereitet hat.
3. Die FAZ würdigt die Vorhersagefähigkeiten von Michael Moore, doch wem hilft rechtbehalten jetzt weiter? Günter Bannas skizziert Merkels und Gabriels Lehren. Dass Gabriel sich beim Blockieren des Klimaschutzplans “gegen Merkel durchgesetzt” habe, will sie exakt so aussehen lassen und erodiert so weiter Gabriels politische Basis. 7% hätten hierzulande Trump gewählt. Bei aller Kritik an der Qualität der Demoskopie: er hätte weniger als die AfD. Wer bei Trump “copy&paste” versucht, landet also exakt da, wo Merkel einen haben will.
4. Erste gedankliche Anstrengungen für eine politische Strategie hierzulande und in Europa finden sich bei Claus Leggewie in der FR.
5. Und am nachdenklichsten fand ich nicht die so genannten Seiten, sondern ein Interview des von mir sehr geschätzten und bei nachdenkseiten.de oft unflätig beschimpften Wolfgang Storz, ebenfalls ehemaliger Freitag-Verleger, mit Horst Kahrs von der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

And now something completely different:
aus den Unterklassen im englischen Fußball: Klopp steht mit dem FC Liverpool auf Platz 1, ein “Mini-Klopp” mit Huddersfield, Grafschaft Yorkshire, auf Platz 3 in Liga 2. Vergesst sie also nicht, die Unterklassen!

Steinmeier / Jemen / Irak / Somalia / Wohnungsnot

Wie man vom Bundespräsidentschaftskandidaten zur Zumutung wird, dafür braucht Frank-Walter Steinmeier neben seinem Partei-“freund” Gabriel nur sein eigenes Ministerium, wie Bettina Gaus in der taz erklärt.
Unsere Konjunkturlokomotive Rheinmetall liefert derweil das Werkzeug, um im Jemen möglichst effektiv Menschen zu morden, das beschreibt Steven Geyer in der FR.
Martin Gehlen fürchtet (in der FR), dass nach der Besetzung von Mossul wieder die gleichen Fehler gemacht werden, die seinerzeit zur Entstehung der IS-Terroristen geführt haben.
Knut Mellenthin schreibt bei der Jungen Welt gern über Themen, für die die Reihen hierzulande noch nicht geordnet sind, um sie als Sau durchs Dorf zu treiben: äthiopische Interventionskräfte räumen in Somalia Besatzungsstandorte und das Vakuum füllen wieder die Islamisten.
Anja Krüger beschreibt in der Jungle World, warum die herrschende Wohnungspolitik trotz Wohnungsnot nur ein Wachstum von unbezahlbaren Luxusbehausungen fördert.

Iran verdurstet / Wo ist Buhrow? / CSR im Fußball / Tribünenmacht

Katastrophale Verhältnisse berichtet Martin Gehlen in der FR aus der Wasserwirtschaft des Iran. Das könnte mittelfristig strategisch bedeutsamer sein, als das Auf und Ab des Ölpreises.
Ulrike Simon, eine von mir sehr geschätzte Medienjournalistin (namensgleich mit einer sehr attraktiven und netten Sitznachbarin, die ich mal in der Schule hatte), lästert, mehr als sie ihn ernsthaft kritisiert, über den WDR-Intendanten Tom Buhrow.
Ronny Blaschke, ein wirklich politischer Sportjournalist, hat ein Buch geschrieben: “Gesellschaftsspielchen – Fußball zwischen Hilfsbereitschaft und Heuchelei”, eine Zusammenfassung liess ihn die FAZ veröffentlichen. Ob ihm jetzt eine Redaktion eine Festanstellung anbietet?
In Dortmund hat Mittwochabend die Südtribüne das Elfmeterschiessen gewonnen; ich kenne das Stadion und glaube es Daniel Theweleit (FR).

Wird alles immer schlimmer? – Mossul Polen Fukushima Bulgarien Äthiopien USA

Ich glaube ja. Wenn Wiglaf Droste kein verlässlicher giftiger Grantler mehr ist, sondern uns besinnlich zu erklären versucht, dass es erstens nicht stimmt und zweitens von uns selbst beeinflussbar ist, dass muss es schon so schlimm sein, wie es noch nie war.

Doch werden wir wieder ernsthaft:
– Mossul, Martin Gehlen berichtete in der FR
– Polen, katholische Kirche, und warum sich dort niemand traut sie öffentlich anzugehen, Reinhard Lauterbach in der Jungen Welt
Olympische Spiele sollen in Fukushima verstrahlt werden, das ist ja endlich mal eine gute Entsorgungsidee (Telepolis)
EU-Mitglied Bulgarien, das war eine Superidee, dieses Land der Türkei als Beitreter vorzuziehen (Telepolis)
Äthiopien, unsere Freunde bei der Flüchtlingsbekämpfung (IPG)
Wir sind wirklich gut an unseren Freunden zu erkennen.

In Ergänzung zum gestrigen Langtext zu Hillary Clintons zukünftiger Aussenpolitik, hier und hier Berichte von Konrad Ege im Freitag, warum es für US-Linke trotzdem richtig sei, sie jetzt zu wählen.

Verlagshaus DuMont: Ex-Chefredakteur verstärkt Unruhe

Die Unruhe um die Strategie des Zeitungsverlagshauses DuMont-Schauberg in Köln wird durch den ehemaligen Chefredakteur der Berliner Zeitung (noch DuMont) und Frankfurter Rundschau (Ex-DuMont) angeheizt. Uwe Vorkötter arbeitet und schreibt heute für den Branchendienst “Horizont” und hat dort diesen spektakulären Text veröffentlicht. Gekränkte Eitelkeit eines Ex? Oder intime Kenntnis der Verlages? Oder ein Mix von beidem? Um viele leistungsstarke Mitarbeiter*innen des Hauses täte es mir leid.

Trump und wir / Ceta / NSU / Fußball-Medien-Komplex

Bettina Gaus und Frank Stauss erklären näher, wie uns der US-Wahlkampf betrifft. Stauss ist ein erfahrener Kampagnenorganisator und übersetzt auf intelligente Weise, was wir aus der US-Konstellation lernen können und sollten.
Sven Giegold erläutert im taz-Interview, welche politischen Folgerungen nach dem Verfassungsgerichtsurteil zu CETA zu ziehen sind.
Andreas Förster erklärt die schwierige NSU-Ermittlungslage nach dem Fund von DNA-Spuren eines der Täter an einem vor vielen Jahren ermordeten Mädchen. (FR)
Ronny Blaschke hat ein Buch geschrieben, in dem er das Bündnis aus Fußball- und Medienbusiness analysiert und kritisiert.

Ägäis-Inseln Samos & Lesbos: Flucht und Kunst verbindet

Vor einigen Wochen berichtete Ingo Arend in Deutschlandradio und taz von einem spannenden Kunstprojekt der solventen Schwarz-Foundation (nicht mit den Lidl-Eigentümern zu verwechseln) auf der griechischen Ägäis-Insel Samos. Erstaunlich, welche interessanten Initiativen die spannungsgeladene politische Situation auf Solitären wie den Ägäis-Inseln auszulösen vermag. Wie anders die Atmosphäre im Vergleich zum politischen Klima hierzulande, und das, obwohl die sozialen Probleme in Griechenland schon vor Ankunft der Flüchtlinge viel härter waren und sind als bei uns.
Ein Brennpunkt der Flüchtlingspolitik in Griechenland ist die Insel Lesbos, nördlich von Samos ähnlich nah vor der türkischen Westküste gelegen. Aus Molivos/Mithymna, einem der schönsten Orte der ganzen Ägäis, dessen auf Tourismus gebautes “Geschäftsmodell” aktuell ökonomisch zusammengebrochen ist, wehren sich die Menschen jetzt ebenfalls gemeinsam, in diesem Fall mit klassischer Musik. In der FR berichtet Wolfgang Bauernfeind über das “Molyvos International Music Festival”.
Ich habe beide Inseln mehrmals für private Urlaube besucht, in den 80ern und 90ern. Einen Parlamentswahlkampf, es war der erste Wahlsieg von Andreas Papandreou/PASOK, erlebte ich als journalistischer Beobachter für die damalige Tageszeitung “Die Neue” mit. Was daraus bis heute wurde, ist ein anderes Kapitel. Wer einmal auf Samos und/oder in Molivos/Lesbos war, wird es nie vergessen können. Die schönsten Bilder lagern auf der “Festplatte” im Kopf. In Molivos hatte ich eindeutig das schönste aller Privatpensionszimmer, die ich jemals bewohnt habe. Wenn es Ihr Urlaub zulässt: fahren Sie hin! Die Gastgeber*innen werden es Ihnen herzlich danken, und Sie selbst werden lebenslange Erinnerungen mitnehmen.

Rot-Rot-Grün aus Schwäche?

Wie vernagelt hierzulande politische Diskurse verlaufen, lässt sich heute beispielhaft an der Nachbereitung der TV-Debatte von Clinton und Trump verfolgen: ein selbstreferentieller Mediendiskurs im Stile von Sportberichterstattung, wer gewonnen und verloren hat. Diese Debatte interessiert das US-Wahlvolk völlig zurecht nicht im geringsten. Für die Wahl ist nicht entscheidend, wer wie gut oder schlecht argumentiert hat, sondern wer besser mobilisiert hat. Aus diesem Grund hatte Bernie Sanders in Umfragen gegen Trump immer bessere Werte als Clinton: für ihn hätten sich mehr Leute auf den Weg zur Wahlurne gemacht.

Dass Wahlen “immer in der Mitte” gewonnen werden ist eine veraltete Scharlatan-Parole Weiterlesen

Kapitalismus hat mit Rechten kein Problem / Agenten und Steuern / CDUCSU-Brückenbau / DFB stolpert / Spanien

“…der Kapitalismus kommt mit den schlimmsten Tyranneien genauso problemlos zurecht wie mit der Demokratie” meint in einem taz-Interview der israelische Faschismus-Forscher Zeev Sternhell.
Warum nur stolpern so viele Täter vermutlich entschieden schlimmerer Straftaten immer wieder über Steuerhinterziehung? Nun wird vermutet, dass es dem bekanntesten deutschen “Privatermittler” Gerhard Mauss so auch erwischen soll – Andreas Förster in der FR. Update: vielleicht kommt er auch durch, weil er zuviel weiss ……
Albert Schäffer, dem von mir sehr geschätzten ehemaligen FAZ-NRW-Korrespondenten, jetzt in Bayern stationiert, können wir bei intensiven Eselsbrückenbauarbeiten für Seehofer und Merkel beobachten.
Wie die aktuellen DFB-Saubermänner sich in ihren selbstgespannten Stolperdrähten in Sachen Beckenbauer und Sommermärchen 2006 verfangen, berichteten Michael Horeni und Evi Simeoni gestern in der FAS.
Strategische Grenzen des Linkspopulismus schon erreicht? In den spanischen Provinzen Galizien und Baskenland waren Regionalwahlen. Telepolis berichtet über die Ergebnisse.

Jannis erklärt, wie wir das schaffen / Niedersachsen / Gesundheit / Ehrenfeld besser als Berlin

Wir schaffen das, na klar, erklärt ein Frankfurter Sozialarbeiter. Jannis Plastargias, ein Grieche, ausgerechnet, muss uns erklären, wie es geht (Telepolis).

An den Kommunalwahlen in Niedersachsen haben zwar dreimal so viele Wähler teilgenommen wie in Mecklenburg-Vorpommern. Dafür haben sie auch nur für ein Drittel des öffentlichen Radaus gesorgt, weil die Ergebnisse wohl nicht spektakulär genug waren. Eine gute Kurzanalyse lieferte Daniela Vates in der FR.

In der FAS erklärte ein Psychologe einerseits zeitgemäss und vermutlich richtig, wie körperliche und geistige Gesundheit zusammenhängen, allerdings ohne dass dabei auf den religiösen Begriff “Seele” verzichtet wurde. Andererseits sind diese Erkenntnisse geeignet, den neoliberalen Selbstoptimierungswahn weiter zu treiben: wer krank ist, tickt also nicht richtig? Das ist jetzt zwar polemisch, und war in dem Interview sicher nicht so gemeint. Aber Vorsicht, wir werden sehen …

Berlin-Geschwafel vor der dortigen Kommunal-(genannt: “Landtags-“)wahl, vergeblicher Ehrenrettungsversuch für Immobilienhaie. Ein gutes Beispiel, wie es besser als in Berlin laufen kann, lieferte, auch im Film, Köln-Ehrenfeld.

Landwirtschaft / ZDFneo

Christian Schwägerl war längere Zeit beim Spiegel und dadurch aus meinem Blickfeld verschwunden. Als “freier” Autor, der vermutlich genug verdient und vielleicht, was man bei Spiegel besonders gerne tut, eine feine Abfindung mitgenommen hat, wird er nun an früherer Stelle in der FAZ wieder sichtbar, mit einem klugen Plädoyer für die Verbindung von Hightech und Bio-Landwirtschaft.
Harald Keller weist in der FR auf eine britische Krimiserie hin, die auf dem deutschen TV-Markt heute auf ZDFneo startet: “No offence”. Bin gespannt, ob sie “Scott&Bailey” den Rang ablaufen kann.

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