Rückkehrer – afrikanische Migranten entwickeln ihre Heimat

Von , am Dienstag, 12. Dezember 2017, in Beuel & Umland, Politik.

von Rainer Bohnet

Im Zusammenhang mit Flüchtlingen und Migranten wird fast nur über Menschen berichtet, die aus ihren Heimatländern fliehen und nach Europa oder die USA migrieren. Es gibt allerdings auch Menschen, die ihre Heimatländer mit dem festen Willen der Rückkehr verlassen. Primär migrieren sie nach Großbritannien, die USA und Frankreich, da sie aus afrikanischen Staaten kommen, in denen Englisch oder Französisch gesprochen wird.

Die Afrika-Korrespondentin Bettina Rühl berichtete am 11.12.2017 in der Volkshochschule Bonn über Menschen, die freiwillig und mit einer fundierten Bildung wieder nach Ghana, Kenia und Somalia zurückgingen und dort Unternehmen gründeten. Eigentlich der Idealfall, da es ja keinen Sinn macht, dass ihre Herkunftsländer völlig ausbluten und die Eliten in anderen Kontinenten Fuß fassen. Mit der Folge, dass die fragilen oder die aufstrebenden Staaten Afrikas keine Chance bekommen, auf eigenen Füßen zu stehen.

Besonders eindrucksvoll war das Beispiel eines Rückkehrers nach Somalia, wo unverändert Terror und Krieg herrscht. Er zeigte Mut und Entscheidungsfreudigkeit und hat durch die Gründung einer modernen Druckerei in Mogadischo rund 30 Arbeitsplätze geschaffen. Andere Protagonisten einer WDR-5-Reportage von Bettina Rühl sind nach Ghana, Kenia und Südafrika zurückgekehrt und gründeten dort Unternehmen in der Logistikbranche, in der Recyclingbranche sowie in der Personalberatung.

Ein Schwachpunkt in der freiwilligen Rückkehrstrategie ist die fehlende Unterstützung der afrikanischen Herkunftsländer, bürgerfreundliche und transparente Genehmigungsverfahren, und Behörden sowie die statistische Erfassung. Letzteres führt dazu, dass es keine verlässlichen Zahlen über freiwillige Rückkehrer gibt. Dies wäre angesichts der ständig aufkeimenden Diskussion äußerst hilfreich. Leider hat der jüngste Afrika-EU-Gipfel hierüber weder gesprochen noch entschieden.

Völlig fehl geht hingegen der jüngste Vorschlag des geschäftsführenden Bundesinnenministers Thomas de Mazière, freiwilligen Rückkehrwilligen 2.000 oder 3.000 EUR zu zahlen. Damit kann man kaum eine Existenz gründen. Viel wichtiger wäre es, die Staaten Afrikas zu bewegen, in ihren Ländern rückkehrfreundliche Strukturen zu schaffen. In diesem Zusammenhang wäre es auch wichtig, finanzielle Investitionen der deutschen und europäischen Privatunternehmen zu akquirieren, deren Ziel die Schaffung von steuerpflichtigen Arbeitsplätzen in den afrikanischen Staaten wäre. Denn in den meisten Ländern auf unserem Nachkontinent blüht der informelle Markt, der weder nachhaltig noch zukunftsfähig ist.

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