Was wollen Seehofer und Merkel überdecken?

Von , am Samstag, 17. März 2018, in Politik.

Der verbale Schlagabtausch. ob der Islam zu Deutschland gehört, ist lächerlich. Diese Frage ist im wahren Leben längst geregelt. Warum wird die Öffentlichkeit dennoch damit beschäftigt?

Da ist ein angehender islamischer Diktator in der Türkei, der nicht nur für “uns” ein paar Millionen Flüchtlinge festhält. Er führt auch einen Angriffskrieg – in hiesigen Medien penetrant und verräterisch „Offensive“ genannt – auf das Territorium des benachbarten Staates, aus dem die meisten Flüchtlinge fliehen. Er stellt also die Fluchtursachen selbst her. Sein Land ist ausserdem eine wichtige Pipelineroute. Im seinen Staat umgebenden Mittelmeer werden exorbitant reichhaltige Gasfelder vermutet. Also werden ihm viele Milliarden Euro bezahlt – ohne hierzulande übermässig Lärm darum zu veranstalten. Von den Euros kauft er sich dann wiederum bei “unseren” Rüstungskonzernen umfangreiche Arsenale effizienter Mordwaffen. Der Kapitalkreislauf wird ingang gehalten. Und “alle” haben was davon.

“Unser” Freund und Kronprinz aus Saudi-Arabien besucht unseren gemeinsamen Freund Donald und bespricht mit ihm seine zukünftige Atombewaffnung. Der Prinz ist der weltweit wichtigste Finanzier blutrünstiger Djihadisten von Westafrika bis Indonesien, von Südafrika bis Nordeuropa. Das ist aber nicht so wichtig, wie seine Stammkundschaft bei “unserer” Rüstungsindustrie, deren Ware er praktischerweise direkt nebenan im Jemen ausprobiert.

Während “wir” also besonders reaktionäre Interpreten des Islam mit unserem Steuergeld finanzieren, wofür “wir” uns den Hass der Riesenmehrheit demokratisch und friedlich gesinnter Muslime redlich verdient haben, “engagieren wir uns” bereits selbst in der Kriegsführung in den saharischen und Sahel-Regionen Afrikas – Dank an die Kolleg*inn*en von telepolis, dass sie überhaupt darüber berichten.

Statt auf diese Weise, unbemerkt von grössten Teilen unserer Öffentlichkeit, die Welt mit unseren Rüstungsgütern und Massenmord zu überziehen, gäbe es reichlich Gelegenheit, Frieden zu stiften, kriegerische Konflikte zu vermeiden oder wenigstens zur Beendigung von Mord und Krieg beizutragen, und das zügig.

Das wären Weichenstellungen und Entscheidungen, mit denen sich selbst und uns als Öffentlichkeit zu beschäftigen die vornehmste Pflicht unserer Bundesregierung und all unserer anderen Verfassungsorgane wäre, wenn uns Frieden, (Über-)Leben und Demokratie noch was wert sind.

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