Karl D. Bredthauer, zu Bonner Zeiten noch veranwortlicher Redakteur, resümiert in den Blättern den bisherigen Verlauf des “Falles Skripal“, in anderen Kreisen auch “Salisbury Tales” genannt. Es gibt einigen Anlass zu seinem etwas ratlos geratenen Schluss.
Thomas Pany berichtet die russische Analyse dessen, was der US-Aussenminister des Trumpschen Vertrauens derzeit zwischen Saudi-Arabien und Israel zusammenzuschieben versucht. Wenn das Atomabkommen mit dem Iran tatsächlich gecancelt würde, wäre die Bahn frei für einen atomaren Rüstungswettlauf im Nahen Osten. Es würde nach Israel und Iran gewiss bei Saudi-Arabien nicht aufhören, sondern nur beginnen. Der Weg zu Erdogan wird kurz, und auch der zu vagabundierenden Milizen, die sich ihrer bemächtigen könnten, ist dann nicht mehr weit. Jedes Regime in der Region ist verdächtig, Kandidat für den nächsten “Failed State” zu sein. Soll das provoziert werden, für eine moderne Neuauflage des alten Kolonialismus?
Wie modern es mit dem zugeht, darüber weiss die Afro-Science-Fiction derzeit am besten Bescheid. Dominik Irtenkauf gibt auf telepolis einen bemerkenswerten Literaturüberblick.
Die FAZ hat ihren fach- und sachkundigen Korrespondenten Rainer Hermann nach Iran entsandt. Von dort stellt der das aktuelle iranische Sündenregister und seiner russischen und türkischen Verbündeten zusammen. Achtung Karlo (Rufnahme von Bredthauer s.o.), da hat sich der religiöse “Sünden”-Begriff auch bei mir schon eingeschlichen. Die geostrategische Debatte unserer Regierungen kreist nur noch um den Umfang von Sanktionen gegen den ungehorsamen Iran. Die lebendige, vielfältige und vom Mullahregime geschurigelte Zivilgesellschaft dieses bildungsreichen Landes spielt in diesen Kalkülen keine Rolle. Seine ökonomischen Potenziale werden bereits an China verloren gegeben – intellektuell armselig und schwach. Stattdessen vagabundieren einzelne reaktionäre US-Senatoren bei terroristisch orientierten poststalinistischen Exil-Sekten, um die Vorkriegsstimmung weiter anzuheizen. Wie armselig sind unsere Demokratien, wenn “wir” (oder besser: “sie”?) solche Strategien nötig haben?
Unsere Berliner Parteien (und begleitschützende Medien) sollten gewarnt sein: es sind nicht viele, die bereit sind, Euch dabei zu folgen.

Über Martin Böttger:

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net