Der aus dem Norden

Von , am Donnerstag, 16. August 2018, in Politik.

In den letzten Jahren habe ich in Privatgesprächen die langjährige saarländische Ministerpräsidentin mit dem schwer zu merkenden Namen, die jetzt CDU-Generalsekretärin ist, immer “die Saarländerin” genannt. Sie hat regelmässig für die Bundeskanzlerin die Mediendrecksarbeit gemacht, Live-Interviews morgens um 6, auch zu schwierigsten Fragen und Konstellationen, und so manche TV-Talkshow. Jetzt muss die Saarländerin die CDU zusammenhalten, weil die Bundeskanzlerin natürlich auch dafür nie Zeit hat. Jetzt muss sie noch vorsichtiger sein. Und hat für ihre alte Rolle einen Nachfolger gefunden.
Es erweist sich, dass einer mit einem Staatsamt im Rücken, und ohne Krise oder Wahlkampf im Nacken, freier – vor allem freier von Risiken – sprechen kann. Darum ist der Herr Günther, dessen Vornamen ich mir immer noch nicht merken kann, von dem ich aber seit einiger Zeit ein einprägsames TV-Gesicht, meistens mit Wasserflächen oder baumbestandenen Grünflächen im Hintergrund, im Kopf habe, darum ist der Mann aus einem ähnlich kleinen Bundesland richtungsweisend geworden. So einer kann auch mal Testballons aufsteigen lassen, ohne dass sie ihm beim Runterfallen Kopfschmerzen machen.

Seehofer und Lafontaine werden Rentner – alle Demokrat*inn*en koalitionsfähig

Es ist also klar: links von der AfD sollen alle mit allen koalitionsfähig werden, nicht überall gleichzeitig, aber immer dann, wenn “es nicht anders geht”. Das wird in den nächsten Monaten und wenigen Jahren sehr schnell gehen. Die Klugen in der CDU wissen das, im Gegensatz zu den lange zu Doofen in der CSU (bei denen habens nach den jüngsten Umfragen aber auch viele schon gemerkt): dass das optimal Erreichbare bei den rechtsradikalen AfD-Wähler*inne*n ist, dass die irgendwann wieder aufhören wählen zu gehen. Wenn Frau Wagenknecht und Herr Lafontaine die überzeugen wollen – bitteschön, viel Vergnügen … Alle Anderen werden sie zu isolieren versuchen.
Die CDU verliert nämlich nicht nur nach rechts. In vielen Grossstädten ist sie schon zu einer konservativen, weltabgewandten Sekte geworden. Wenn die urbanen Eliten alle an die Grünen verloren gehen, zum Teil sogar an die Linke, dann ist es irgendwann um die Intelligenz und den strategischen Verstand der CDU geschehen (ungefähr so wie bei der CSU in München, oder der CDU in Berlin). Auch in Bonn wird es spannend zu beobachten, was nach Fenninger, kein Sympathieträger aber ein strategischer Kopf, von der CDU übrig bleibt. Einen Amtsbonus hat sich OB Sridharan noch nicht erarbeitet; ihm steht seine Bürokratensozialisation und seine Abschirmung durch Zustimmer und Jasager im Weg, um mehr Format zu gewinnen. Die Saarländerin wird von solchen Problemen wissen, die sich zahlreich über unsere ganze Republik verteilen – je urbaner die Wirklichkeit, umso dunkler für die CDU. Das wird ihr noch oft den Schlaf rauben.

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