Mit Update
Weil die Linkspartei gerade mal wieder keine Zeit für Politik hat, muss Jan Böhmermann jetzt ihren Job machen. Seine Schreibtischnummer war gestern mal wieder – Kompliment! – ein Höhepunkt politischer Aufklärung. Heftiger Dank an die Rechercheur*inn*en der bildundtonfabrik in Köln-Ehrenfeld, die ihm das aufgeschrieben haben. Die gewerkschaftlich hochorganisierten Müllwerker sind geradezu eine Arbeiteraristrokratie gegenüber dem Proletariat, dem er sich gestern widmete: den Kurieren, Paketbot*inn*en, Essen-an-die-Tür-Bringer*inne*n und Paketabholkarten-in-den-Briefkasten-Werfer*inne*n.
Die einen lassen sich eine Badewanne auf die Dachterrasse mauern, gleich neben den SUV-artigen Grill, und bauen ihre Küche in einen Altarraum um – “nur gucken, nicht anfassen!” – um sich dann das Essen online zu bestellen und liefern zu lassen. So stellen sich die Milliardär*inn*en und die “gehobene Mittelschicht” den Kapitalismus der Zukunft vor. Dessen Räder drehen sich aber nur, wenn er von Menschen am Laufen gehalten wird, die jeden Glauben an eine bessere Zukunft aufgeben müssen.
Ausser, sie senden ihr verdientes Geld an die Familie in Somalia, Rumänien oder auf den Philippinen, damit die Eltern versorgt werden und die Kinder zur Schule gehen können.
Böhmermann macht richtig auf die heutige Funktionsweise des Stamokap (staatsmonopolistischen Kapitalismus) aufmerksam: in Deutschland ist es “unser” Staatskonzern in Bonn, die Deutsche Post als “Mutter” von DHL, die im Bündnis mit dem US-amerikanischen Gottseibeiuns Amazon den Markt beherrscht. Wer ein besseres Leben will, muss gegen diese Drachen in den Kampf. Das ist nicht Pathos, sondern Realismus.

Detail am Rande: die Kolleg*inn*en der bildundtonfabrik machten filmische Anleihen bei unserem Leser Küppi. Filmausschnitte stammten aus den “Könnes”-Produktionen, die Küppis Firma probono für den WDR gemacht hat.
Update: Lesen Sie ergänzend auch ein Interview von Lutz Hachmeister mit Philipp Käßbohrer, Geschäftsführer der bildundtonfabrik, das die Medienkorrespondenz online zugänglich gemacht hat.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net