Letzten Freitag feierten 200 Menschen im LVR-Museum den 11. Geburtstag der Stabsstelle Integration in der Bonner Stadtverwaltung. Es gab eine Filmvorführung “Bleibeperspektive – eine machtvolle Praxis” und ein spannendes und witziges Podiumsgespräch mit Prof. Aladin Mafaalani und Prof. Paul Mecheril. Die inhaltlichen Impulse der Stabsstelle für unsere Stadt wurden sehr gelobt. Im folgenden dokumentiere ich die Pressemitteilung der Stadt Bonn zu diesem Anlass (weiter unten mein Kommentar dazu).

Stark für Integration: 11 Jahre Stabsstelle Integration der Stadt Bonn

Am 1. Februar 2008 begann im Alten Rathaus die Arbeit der Stabsstelle Integration. Anlass für die Gründung dieser neuen Dienststelle waren Forderungen verschiedenster Seiten, die Stadt möge die kommunale Integrationsarbeit intensivieren und weiterentwickeln, die städtischen Ämter zu Fragen der Integration beraten und das Zusammenwirken der zahlreichen Organisationen und Institutionen in Bonn koordinieren.

Im Rahmen einer Veranstaltung zur Integration Geflüchteter, zu der Oberbürgermeister Ashok Sridharan und Integrationsbeauftragte Coletta Manemann auch NRW-Integrationsminister Joachim Stamp begrüßen konnten, wurde am Freitagabend, 15. Februar 2019, das elfjährige Bestehen der Stabsstelle gewürdigt. „Die Stabsstelle Integration ist ein wichtiger Teil der Stadtverwaltung und unserer internationalen Stadt geworden, der nicht mehr wegzudenken ist und große Anerkennung genießt. Das freut mich auch ganz persönlich. Ich gratuliere dem Team zum rheinischen 11. und freue mich auf viele neue Impulse für Bonn und auf die weitere Zusammenarbeit“, betonte der Oberbürgermeister bei der Veranstaltung.

Erstes städtisches Integrationskonzept erstellt

Die Integrationsbeauftragte begann vor elf Jahren mit einem ganz kleinen Team den Aufbau einer solchen zentralen Fachstelle und Anlaufstelle der Stadtverwaltung zum Thema Migration und Integration, organisatorisch unmittelbar der Oberbürgermeisterin zugeordnet. Das erste städtische Integrationskonzept wurde erstellt, eine verlässliche Zusammenarbeit mit Institutionen, Ämtern, Verbänden, Vereinen, Migrantenselbstorganisationen begonnen und aufgebaut sowie ein schon länger in Bonn diskutiertes Bauvorhaben, nämlich das einer Moschee, in Zusammenarbeit mit Ämtern und Organisationen sowie breiter Öffentlichkeitsarbeit für die Bürgerschaft begleitet. Mit „Komm zur Stadt“ wurden Aktivitäten gestartet, um mehr Jugendliche mit Migrationshintergrund als Auszubildende für die Stadt zu gewinnen.

Mit Unterstützung des Landes NRW wurde das Projekt Integrationslotsen gestartet und das Integrationsportal entwickelt. Breiten Raum nahm schon sehr bald die Entwicklung von Präventionsprojekten gegen salafistische Radikalisierung ein, mit klarer Haltung gegen die Ideologie des extremistischen Salafismus und zugleich mit der Überzeugung, dass Islamfeindlichkeit und die Stigmatisierung von Muslimen in Bonn nicht geduldet werden dürfen.

Kommunales Integrationszentrum

Hartnäckig bemühte Manemann sich um die Einrichtung einer vom Land geförderten Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA). Der Rat beschloss dies auch im Jahr 2011 – und schon kurz darauf wurde sie in Folge des Integrations- und Teilhabegesetzes NRW in ein Kommunales Integrationszentrum (KI) mit dem Schwerpunkt Integration durch Bildung umgewandelt. Zudem gelang es, im neuen KI die Antidiskriminierungsarbeit als weiteren wichtigen Schwerpunkt anzusiedeln.

Sowohl für städtische Ämter als auch für Organisationen und Institutionen wurde die Stabsstelle sehr schnell zur Kooperationspartnerin wie auch zur Beraterin zu Fragen der Integration und Migration. Sie beantwortet Anfragen aus allen gesellschaftlichen Bereichen der Stadt, erstellt kommunale Stellungnahmen für Träger, fördert Projekte, berät zu Fördermitteln Dritter.

In der Flüchtlingsaufnahme ab 2014/2015 baute die Stabsstelle Integration mit Kirchengemeinden und Initiativen die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe auf, organisierte Information, Austausch und Vernetzung aller Akteure, stellte in kürzester Zeit ein Team ehrenamtlicher Übersetzer zusammen und sorgte an vielen Stellen für mehrsprachige Informationen – so auch für die überregional bekannt gewordenen Verhaltensregeln zu Karneval. Ab 2017 konnte mit Fördermitteln des Integrationsministeriums der Arbeitsbereich Berufliche Integration verstärkt werden. Dies wird mit der Beteiligung an der neuen Landesinitiative zur Integration junger volljähriger Flüchtlinge fortgesetzt.

An Bedeutung weiter zugenommen haben die Themen Demokratiebildung und Wertevermittlung, aber auch die Bekämpfung von Rassismus, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit. “Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung werden wir auch künftig gemeinsam mit anderen Akteuren bekämpfen”, so die Integrationsbeauftragte Coletta Manemann.

Heute arbeiten gut 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Stabsstelle, darunter das Team des Kommunalen Integrationszentrums und das Präventionsprogramm Wegweiser – beide gefördert vom Land NRW – sowie die Bildungskoordination für neu zugewanderte Kinder und Jugendliche, gefördert vom Bund.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.integration-in-bonn.de.

Mein Kommentar

Ereignis und Stadtverwaltungs-PM dokumentieren den Respekt und die Anerkennung, die sich die Stabsstelle unter der Leitung von Coletta Manemann hart erarbeitet hat. In der Stadtgesellschaft, in ihren Gemeinden und Communities, in der Kommunalpolitik bei allen demokratischen Parteien, und auch in der Stadtverwaltung selbst. Eine fachübergreifende Stabsstelle startet bei ihr Revier verteidigenden Fachämtern zu Beginn als Nervensäge. Dieses Stadium wurde in für Bonner Verhältnisse erstaunlicher Geschwindigkeit überwunden. Notwendige Bedingung dafür war und ist die Rückendeckung der direkt gewählten OBs und Verwaltungschefs Jürgen Nimptsch (SPD) und heute Alexander Ashok Sridharan (CDU).
Die Rückendeckung der Grünen Stadtratsfraktion, der Manemann einst als ihre schärfste rhetorische Waffe – ihren Reden wurde und wird im Rat von allen Fraktionen zugehört – angehört hat, lässt dagegen weiterhin zu wünschen übrig. Hierzu muss für Unwissende ergänzt werden: die Grünen regieren diese Stadt! In einer Jamaika-Koalition mit CDU und FDP. Dennoch beteiligen sich Abgeordnete ihrer Fraktion an einer männerdominierten Seilschaft, die es nicht aushält, dass eine Frau erfolgreich eine Leitungsfunktion ausfüllt, und beschäftigen sich in der Hauptsache damit, ihr das Arbeits-Leben mit Intrigen schwer zu machen und sie beständig öffentlich herabzusetzen. Sie bemerken die Wirkung nicht: sie fällt auf sie selbst zurück – und damit auch auf die Grünen-Ratsfraktion.
Einerseits zu Recht wird das in der breiten Öffentlichkeit unserer Stadt fast überhaupt nicht beachtet. Pipikram hätten wir das im Ruhrgebiet genannt. Für die Grünen und ihre Personalpolitik ist es aber von besonderer Bedeutung. Würde jetzt gewählt, wären sie in Bonn stärkste, mindestens zweitstärkste Partei. Welche qualifizierten Persönlichkeiten sollen sich unter solchen Bedingungen für so einen suizidalen Haufen um verantwortliche Positionen bewerben?
Dass es einzelne Stadtverordnete gibt, die querschiessen, kommt in den besten “Familien” vor. Gregor Gysi spricht regelmässig davon, 10% seien “Quartalsirre”, aus meiner Sicht eine radikale Untertreibung. Ein Politikum wird es erst dadurch, dass die gewählte Fraktionsführung sich nicht die Bohne dafür interessiert, weil sie angstbesessen die Intriganten fürchtet.
Wenn Sie persönlich das wenig bis kaum interessiert – ja, ich gebe zu, Vieles spricht dafür. Wichtig ist das wirkliche Leben: darum schauen Sie hier, das ist wichtig für die Lebensqualität in unserer Stadt.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net