Das gestrige Urteil des Bundesverwaltungsgerichts ist ein Meilenstein bei der Durchsetzung des Verursacherprinzips. Der Fußballkonzern DFL, desen kommerzielle Bundesliga- und Championsleague- Unternehmen unter Führung von Bayern München und Borussia Dortmund, Limonade Leipzig, Gerhard Schröder 05, Glyphosat Leverkusen, VW Wolfsburg, Mercedes Stuttgart und vielen anderen Konzernappendizes es seit Mitte der 80er Jahre gewöhnt waren, dass Gewinne=Einnahmen aus Reklame und Medien privatisiert und Verluste = prügelnde Holigans und zertrümmerte (Straßen-)Bahninfrastruktur oder gar lebensgefährliche Attacken wie die Kölner Randalierer auf einen Bus der Mönchengladbacher – oder umgekehrt, egal – sozialisiert, d.h. von der Allgemeinheit getragen werden, könnten damit vorbei sein.

Mit dem Urteil wird ein wichtiger Baustein des gesellschaftlichen Zusammenlebens, nämlich das Verursacherprinzip, auch endlich gegenüber den milliardenschweren Massenbespaßungskonzernen wirksam. Die werden nun im besten Falle nicht umhin kommen, endlich viel mehr Geld in Fanprojekte zu stecken, Anti-Gewaltmaßnahmen zu ergreifen, um eine andere Sportkultur zu suchen, die der bislang üblichen Bestärkung von Männlichkeitsrtualen und Ignoranz der sich ausbreitenden faschistoiden und rassistischen Stadionkultur endlich entschieden entgegen tritt. Es ist schon skandalös genug, wie die DFL und der DFB es bisher an klaren Reaktionen angesichts der Chemnitzer Faschisten-Verherrlichung bei mehreren Spielen an klarer und schneller Reaktion haben vermissen lassen. Und was gar nicht geht, sind die jämmerlichen Klagen eines Herrn Rauball, bestimmte Vereine, wie z.B. der 1.FC Köln würden durch die finanzielle Beteiligung an Kosten der Hochrisikospiele “ungerecht behandelt” werden. Zum einen sollen diejenigen, in deren Umfeld so etwas stattfindet, gefälligst etwas dagegen tun und sich ihrer Verantwortung stellen. Zum anderen ist eine DFL, die die Tabellenersten mit etwa zwanzigmal soviel Mediengeldern ausstattet, wie die Tabellenletzten sowieso keine chancengleiche Veranstaltung, sondern dient ausschliesslich dazu, die vorhandenen Hierarchien zu erhalten und Bayern München zum ewig langweilenden Meister zu machen. Kein Wunder, dass die Funktionäre dann über neue Europa- und Championsligen nachdenken, in denen noch mehr Gelder in die Hände noch weniger fließen können.

Das schöne Wunschbild einer Durchsetzung des Gewalt-Verursacherprinzips könnte jedoch leicht wieder durch die Politik gefähdet werden, wenn es der Groko wie üblich an Mut mangelt, der Rechtsprechung entsprechend nun eine bundeseinheitliche Gesetzesregelung zu schaffen, wann bei Hochrisikospielen die DFL bzw. die Vereine belastet werden. Bisher handelt es sich nämlich nur um ein Urteil, das Bremen als Bundesland und sein Polizeigesetz betrifft. Sollten sich Populisten wie Söder, Laschet oder der Sächsische Ministerpräsident Kretschmer, der bekanntermaßen schon in Chemnitz 2018 auf den rechten Auge blind gewesen ist, hinreissen lassen, den Vereinen ihres Landes einen Persilschein für kostenlose Polizeidienste auszustellen, könnte die Wirkung des Urteils schnell verpuffen und die Vereinsmanager sich weiterhin dumm stellen wie bisher.