Fangen wir mit den Schönsten an. Eva-Maria Hagen (85) und Corinna Harfouch (65) haben Geburtstag. Wie konnte ein System untergehen, das so schöne Frauen hervorgebracht hat? Jegor Jublimov/Junge Welt widmet den Damen ein verdientes journalistisches Ständchen.
Frau Harfouch hatte mich als TV-Glotzer gefangengenommen. In den dienstäglichen Polizeiruf 110-Wiederholungen des MDR (die DDR-Version, immer 22.50 h) habe ich sie als junges Ding wiederentdeckt, als ich schon hin war; das erledigte ihr Gespräch mit Alexander Kluge, gedreht mit unbeweglicher Standkamera (kein Videolink auffindbar; die Faszination der beiden war wohl gegenseitig). Und ich frage mich: warum sülzen sie mich mit Handke und der Buchmesse so voll, dass es mir aus allen Körperöffnungen wieder rauskommt? Und vergessen diese Titaninnen deutschen Kulturschaffens?
Ein kleines Indiz für die Selbstbezogenheit des westdeutsch vermachteten Medienbetriebes. Auf den Einmarsch der westdeutschen Grossverlage in die Ex-DDR, analysiert in einer verdienstvollen Promotionsarbeit von Mandy Tröger, hatte ich hier und hier schon hingewiesen. Zarte demokratische Pflänzchen der Wende-DDR wurden ökonomisch-blindwütig zertrampelt und gejätet. Das Ansehen von Medien und Journalismus wurde ruiniert. Auf Journalist*inn*enschulen gibt es kaum Ossis. Wer will schon für “Lügenpresse” arbeiten? Also gehen Journalist*inn*en in Lohn und Brot jetzt in Schulen missionieren, wie es in meiner Kindheit noch die Kapläne getan haben.
Eine der wenigen überlebenden, und also erfolgreichen Medienneugründungen im Osten ist das Magazin Katapult, zuletzt auch in Zapp/NDR gefeiert. Die setzen ganz gestrig auf bedrucktes Papier und viel Handarbeit. Was sie über die Wende dokumentieren ist so brutal – wie der neoliberale Kapitalismus halt heute ist.
Was ist dabei herausgekommen? Telepolis-Indienkorrespondent Gilbert Kolonko war auf Heimaturlaub im deutschen Osten. Er hat einen anderen Blick, als die Daheim- und Zurückgebliebenen.