Die ARD hört keinen Schuss

Von , am Mittwoch, 13. November 2019, in Medien.

Verrückt nach Reklame
Ich war schon immer für ein Werbeverbot in öffentlich-rechtlichen Medien. Ich werde auch nie Sky-Abonnent, selbst wenn ich nicht mehr Rupert Murdoch damit finanziere, weil die bei horrenden Abogebühren noch nicht einmal auf Werbung für kriminelle Organisationen (Wettmafia, Fifa etc.) verzichten. Ratlos bin ich dagegen als Gebührenzahler, was ich dagegen tun kann, dass die mit meinem Geld Werbung in “Dokumentations”-Formaten machen.
So bezeichnet die ARD, der federführende Bayrische Rundfunk und die auftragnehmende Bewegte Zeiten Filmproduktion ihre Doku-Soap “Verrückt nach Meer”. Ich hatte vor Monaten mal in ein paar Folgen reingeguckt: das ist blanke Kreuzfahrtkatalog-Reklame in bewegte Bilder übersetzt, kreuzlangweilig, geeignet zur Mittagschlafbegleitung. Wie “Traumschiff” – nur billiger, weil ohne professionelle Schauspieler*innen. Die sich daran Bereichernden bejubeln “70 neue Folgen”. Die Produktionsverträge, die regeln, wer für welche Leistung welche Bezahlung erhält, werden uns als Zahlenden nicht offengelegt. Medienrechtlich verbotene Produktplatzierung wird verschleiert. Der Mediengesetzgeber, 16 deutsche Bundesländer, ist handlungsunfähig.
Die ARD dementiert damit den Journalismus in den eigenen Reihen, der durchaus schon mal von den skandalösen Praktiken ausnahmslos aller Kreuzfahrtkonzerne gehört hat, und sogar sporadisch berichtet: von den asiatischen Lohnsklaven in den Kellergeschossen der Schiffe, die zu abartigen Arbeitszeiten mit geringster Entlohnung ohne jeden sozialen oder Gesundheitschutz schuften, bis zu den Sonderabfällen, die jede deutsche Müllverbrennungsanlage ablehnen müsste, die von den Schiffen als sog. “Treibstoff” verbrannt und in die Luft gepustet werden. Und die Abfälle – wie werden die entsorgt?
Bei “Verrückt nach Meer” kommt das nicht vor, 70 Tage, eine Stunde lang (9. Staffel). Was kostet die Welt? Wenn die im Eimer ist, sind wir längst tot. Insbesondere die ARD.

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