Jugoslawienkrieg (Wh.)

Von , am Donnerstag, 12. Dezember 2019, in Medien, Politik.

Es ist wahrlich schwer auszuhalten. Ist der Krieg immer noch nicht zuende? In den 80ern startete die FAZ mit Ernst Nolte einen “Historikerstreit”, mit dem der 2. Weltkrieg nachträglich gewonnen werden sollte – nicht die Nazis, die Bolschewisten sollen die Bösen gewesen sein. Derzeit soll unter dem irreführenden Titel der “Handke-Kontroverse” der Jugoslawienkrieg erneut “gewonnen” werden, insbesondere in Deutschland. Dahinter verbirgt sich einiger ideologischer Unrat, der noch im Keller liegt und nicht entsorgt worden ist. Es war nach dem deutschen Faschismus die erste aktive und demonstrative Beteiligung Deutschlands an einem Krieg, die verfassungsrechtlich zweifelhaft und jedenfalls ohne UNO-Sicherheitsratsbeschluss völkerrechtswidrig war. Zur Rechtfertigung wurden von einer rot-grünen Bundesregierung ausgiebigst Faschismus- und Nazivergleiche herangezogen. Davon durfte man und frau auch angewidert sein, wenn es nicht mit Sympathien für Jugoslawien im allgemeinen, und der damaligen serbischen Regierung im besonderen verbunden war. Das Vorrechnen der gegenseitigen Grausamkeiten war damals und ist heute müssig. Im Krieg passieren Verbrechen, bis auf wenige Ausnahmen ist er selbst eins. Krieg traumatisiert, verwandelt Menschen zu Monstern, beeinträchtigt die geistige Zurechnungsfähigkeit aller Beteiligten und ist angefüllt mit propagandistischen Zwecklügen, ebenfalls eingesetzt von allen Beteiligten. Krieg ist kein Mittel für Bürger*innen- und Menschenrechte, sondern ihr Ende. Und übrigens ein Männerding: nichts macht feministische gesellschaftliche Erfolge wirkungsvoller nieder. Und wo es keine gibt, wird auch mehr Krieg geführt.
Das zu meinem dogmatischen Hintergrund. Auf diesem habe ich den Diskussionsbeitrag von Teseo La Marca mit dem Titel “Handke-Kontroverse: Das hat nichts mit Literatur zu tun” zum bisher Besten erkoren, von all den zahllosen, die mich überwiegend belästigt haben. Zu 99% immer das Gleiche, aber wer will noch mal, wer hat noch nicht. Sind es die asozialen Medien, die nun auch alle “alten” auf dreistestes Propagandaniveau herabziehen? Selbst während des Krieges erschien mir die deutsche Medienlandschaft differenzierter als heute.
PS: was sagt es uns, wenn die Regierungen Albaniens, Kosovos und der Türkei die Preisverleihung an Handke “boykottieren”? Wer vermisst sie? Welche dieser Regierungen hat sich schon mal um die Freiheit der Literatur – oder irgendeiner anderen demokratischen Freiheit, wenigstens im eigenen Land – verdient gemacht?

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