Der oxiblog versucht einen halbwegs rationalen Überblick zur Analyse der Wahlniederlage der Labour Party. Von deren Stimmanteilen kann die SPD nur noch träumen. Setzt sie neue Geschwindigkeitsrekorde? Während Ulrich Horn sich gewohnt unbarmherzig mit ihr befasst, wie er es als guter Journalist gelernt hat, wollte ich zunächst gar nicht glauben, es fällt mir immer noch schwer, was nicht nur Roland Appel sondern auch der hochgeschätzte Heribert Prantl in der SPD noch an politischen Potenzialen sehen wollen. Einen Überblick über die Beschlüsse des SPD-Parteitages finden Sie hier; und dieser hier ist der von Prantl gemeinte. Entscheiden Sie selbst, wie Sie das sehen wollen.

Werden Inhalte “überschätzt”?

Ist der Fehler und Appel und Prantl vielleicht, dass sie sich “zu sehr” für politische Inhalte interessieren, die von der breiten Öffentlichkeit inkl. der sie abfütternden Medien überhaupt nicht mehr zur Kenntnis genommen werden? Ich fürchte, mit diesem Gedanken darf mann und frau sich zwar nicht fahrlässig anfreunden, muss ihn aber dennoch als Teil der Wirklichkeit zur Kenntnis nehmen und in eigene Analysen, stärker als sie oder er es wünschen mag, einbeziehen.
Beliebter ist der sich epidemisch ausbreitende Sarkasmus, wie ihn Satireshows bespielen, die immer mehr an Bewusstseinsbildungseinfluss gewinnen. So versucht sich z.B. Leo Fischer/Jungle World an Saskia Esken. Im WDR5-Kaberatt ziehen sie, während ich diesen Text schreibe, ebenfalls betont “lustig” und billig über sie her.

Kurt Krömer zerlegt Kevin Kühnert – und das Filet schmeckt nicht

Aufschlussreicher war dagegen, was Kurt Krömer diese Woche aus Kevin Kühnert herausholte. Ich assoziierte sofort diese unbarmherzige Diagnose des Wissenschaftsunternehmers Bernhard Heinzelmaier von vor 2 Jahren im DLF. Krömer ist ein wahrhaft genialer Interviewer, weil er sich meisterhaft hinter seiner Komik verbergen kann. Kühnert ist anzusehen, dass er sich darauf gut vorbereitet hat. Grosse Passagen übersteht er gewohnt professionell. Doch als das Gespräch auf Andrea Nahles kommt, die übrigens im oben erwähnten Prantl-Text Gerechtigkeit erfährt, erstarrt er in verräterischer Weise zu einem Eisblock. Meine Diagnose: politisch mag der junge Mann – gegenwärtig – Potenzial für linken Fortschritt haben – charakterlich-menschlich erscheint er mir dagegen wie alle andern in dem Geschäft. So viel Realismus muss sein.
Produzent des exzellenten Krömer-Kühnert-Duells war/ist übrigens Friedrich Küppersbusch. Die gründliche Vorbereitung war gut zu erkennen – Kompliment. Mit derartiger journalistischer Vorbereitung dürfte sogar die AfD zerlegbar sein.