Die Mühlsteine Bewegung und Besitzstandswahrung – wer gerät dazwischen?
Hätte sie lieber Weinkönigin bleiben sollen? “200 Termine im Jahr” dürfte sie jetzt auch haben, eher mehr. Dem undankbaren Volk da draussen kann frau es auch nie recht machen, wird sie jetzt denken. Ausgedehnte Spaziergänge in der Wintersonne, uns Beueler*inne*n mal wieder vergönnt, und in solchen Fällen die beste Therapie, für die hat sie auf der Berliner Kirmes gewiss keine Zeit. Sie gab eine Kampagne zur Imageverbesserung des ländlichen Raums in Auftrag – was mag sie gekostet haben? irgendein*e agenturinnehabende*r Freund*in musste wahrscheinlich mit Beschäftigung versorgt werden – und prompt ist für Spott gesorgt.
Der Fall dokumentiert nicht nur die asozialen Kommunikationsformen in asozialen Medien, obwohl: das natürlich auch. Die Grüne Woche zeigte bereits, wie eng es für die Ministerin zwischen rechtsmobilisierten Besitzstandswaherer*inne*n und wachsender Klimabewegung geworden ist. Untersuchungen zeigen, dass unter den verbliebenen Bauerndeppen die Grünen kaum was, die CDU/CSU dagegen quantitativ noch sehr viel zu verlieren hat. Es geht um immer weniger dahinschmilzende Arbeitsplätze, aber relevante Grosskapitalrendite in der Landwirtschaft und den zahlreichen ihr zuzuordnenden Dienstleistungen im sog. ländlichen Raum. Der letzte deutsche Lebensraum, in dem die CDU/CSU-Welt zuletzt noch in Ordnung war. Das ändert sich gerade. Und von Julchen erwartet ihre Partei, dass sie diese Entwicklung aufhält. Doch wie soll das gehen?
Die Bauern und Bäuerinnen werden immer weniger. Immerhin sind die, die in der industriellen Landwirtschaft (noch) ihren Lebensunterhalt verdienen, noch Multiplikator*inn*en und Meinungsführer*innen in ihrer sozialen Umgebung. Vergleichen Sie das mal mit einer Metropole wie Hamburg – da werden die Konservativen zu einer Sekte wie “Die Linke”, da drunter kommen nur noch AfD und FDP.
Ich fürchte, nein, das ist gelogen, ich glaube, das ist zuviel für Klöckners Schultern. Sie mag ihrer männerbeherrschten Partei noch gefallen wollen, fast schon ein vorgestriges Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu denen, die Macht ausüben, die Mehrheit der (jungen) Frauen in der Klimabewegung ist historisch darüber hinaus. Georg Seesslen/taz hat soeben die Dialektik beschrieben, in der sie sich politisch bewegen. Kaum eine von ihnen wird Antonio Gramsci kennen, aber sie handeln, als wäre es so. Seesslen zeigt den alten, nicht selten dogmatisch verhärteten, Besserwisser*inne*n die dialektische Klugheit der Jungen. Seine Art, in Würde zu altern, vorbildlich!