Letztes Mittel gegen Sanders

Von , am Dienstag, 4. Februar 2020, in Lesebefehle, Medien, Politik.

Weiter unten: EU-Desaster im Mittelmeer / Bericht aus Peking
Versetzen wir uns ins Hirn der Parteiführung der US-Demokraten: wie kann Bernie Sanders gestoppt werden? Mit Joe Biden offensichtlich nicht. Mit Michael Bloomberg, der sich die Präsidentschaft kaufen könnte, wahrscheinlich noch weniger: er wäre eine lebende Bestätigung von Sanders’ Analyse. Da bleibt wohl nur das kleinere Übel, die Wiederwahl von Trump, nur dieses eine Mal noch … Doch selbst das kommt nicht von alleine, dafür muss gesorgt werden.
Mit einem rauschenden Wahlsieg im Zwergstaat Iowa hätte Sanders’ Kampagne einen wichtigen Push für die folgenden, wesentlich gewichtigeren Bundesstaaten bekommen. Alle, die ganz grundsätzlich was an der US-Politik verändern wollen, würden sich hinter ihm versammeln. Und was noch schlimmer wäre: sie hätten so viel Lust und Spass daran, dass sie sich alle mit erhitzter Begeisterung in die nächsten Monate bis zur Präsidentenwahl im November in den Wahlkampf werfen würden. Im Hauptland des Grosskapitals würde ein Engagement der Vielen drohen, wie es die USA seit der Anti-Vietnamkrieg-Bewegung nicht mehr gesehen haben. Das System geriete in Gefahr. Um den Umsturz zu verhindern, wäre umfang- und arbeitsreiche, vor allem teure Integrationsarbeit erforderlich. Umgekehrt wäre auch ein Bürgerkrieg wieder denkbar. Das Trump-Regime würde eine Wahlniederlage gegen Sanders garantiert nicht gewaltlos hinnehmen. Wer sollte, wer könnte unter solchen erschwerten Umständen die Verwertung des massig zirkulierenden Grosskapitals noch absichern?
Angesichts solcher Visionen, für deren Behandlung die Ärzte nicht mehr ausreichen, ist das heutige Luftrauslassen in Iowa das absolut Cleverste, was getan werden konnte. Auf die Intelligenz der herrschenden Klasse in den USA ist also noch ein Minimum von Verlass.
Ebenso wie auf das Versagen der deutschen Linken. Ein paar irgendwas-mit-Netz-Aktivist*inn*en haben sich vor vielen Monaten die Domains adamag.de und jacobin.de gesichert. Mit diesen wollten sie strategisch, inhaltlich und sprachlich das wichtige US-Medium Jacobin in den deutschen Sprachraum transportieren. Ein edles Ziel. Doch seit Monaten liegen diese Seiten stiller als ein ruhender See. Gerade jetzt. In billigster Nepper-Schlepper-Bauernfänger-Art betteln sie um Adressen mit 0 Gegenleistung. Dööfer gehts nicht.

EU verliert strategische Kontrolle im Mittelmeer

Problemverschärfend kommt das Desaster hinzu, das die EU sich selbst zufügt. Der Brexit ist nur ein Symptom. Ein weiteres Symptom ist das Einsickern islamistisch-djihadistischer Kräfte in Establishmentstrukturen, wie hier z.B. in Frankreich. Mit ihrer Abschottungs- und Einmauerungspolitik verbessern die Europäer*innen darüber hinaus treibhausartige Wachstumsbedingungen für djihadistischen Terrorismus. Stabilität ist was Anderes. Und womöglich führen die Europäer*innen in Kürze im Mittelmeer gegen sich selbst Krieg (dieser Link verschwindet in einigen Tagen in einem Paywall-Archiv). Autokratische Regimes wie das Erdogans sind schlechte Regierungen. Sie benötigen Konfrontation bis hin zum Krieg zu ihrer Beatmung, schon mangels demokratischer Legitimation.

Bericht aus Peking

Die Panik, die europäische Medien über China verbreiten, gleicht unter solchen Umständen einer Autosuggestion, eine Übersprungshandlung, um die Blicke von den eigenen Desastern wegzulocken. Aus China berichten die meisten, was die Heimatredaktionen bestellen und verlangen. Und so wird es dann auch. Eine Ausnahme habe ich entdeckt (Dank an die Link-Sammlung der nachdenkseiten): Christian Y. Schmidt im Freitag.

Ein Kommentar zu “Letztes Mittel gegen Sanders

  1. Roland Appel

    …und dann die tollen “Experten” , die uns erklären, dass Sanders nie gewählt wird, weil man ja keinen Sozialisten wählt in USA. Aber einen Faschisten haben sie gewählt, obwohl alle sagte, dass der NIE gewähl wird….

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