Wundersame Bahn XLIII
Das habe ich nun schon mehrere Jahre hintereinander ausprobiert. Und es hat sich immer bewährt. Freitage sind in einer Bahnwoche die, an denen immer alles zuende ist. Alle wollen immer mit den gleichen Zügen fahren wie ich. Das Optimum ist an solchen Tagen ein Klappsitz im Fahrradabteil. Ausser Karnevalsfreitag.
Meine Mittagessensfreunde, allesamt bahnerfahren, artikulierten bereits Spannung, was ich wohl dieses Mal erleben würde.
Die Helden der Wieverfastelovend liegen verkatert darnieder, und versuchen verzweifelt Kraft zu schöpfen für das anstrengende lange Wochenende, das unmittelbar vor ihnen liegt. Die wenigsten schaffen es an diesem Tag, geordnete Schritte vor die Tür zu tun. Entsprechend sehen die Züge im Rheinland aus. Mann glaubt nicht, dass das ein Freitag sein soll.
Im IC ab Bonn Hbf. gabs nahe der Zugspitze einen komfortablen freien Doppelsitz (Reservierung erst ab Münster). Da lässt sich sogar die Süddeutsche aufblättern. Spannendster Text ein kurzer Nachruf von Willi Winkler auf den verstorbenen Gründer des Nouvel Observateur Jean Daniel. Gute alte Zeit der freien Presse. Allzu kurze Zeit.
In der Essener U-Bahn rutschte in Altenessen ein Junge beim Run auf die abfahrbereite Bahn vor der schon geschlossenen Tür aus. Ein Schockmoment, nachdem gestern ein Mensch am Bhf. Köln-Ehrenfeld ums Leben kam. Wäre die Bahn losgefahren … Tat sie zum Glück nicht. Die*der Fahrer*in hat die Szene vielleicht in einem Monitor gesehen und gewartet – nehme ich zu ihren*seinen Gunsten an.
Zurück war ich vorgewarnt und zutiefst erfreut, dass die ICs abends über Beuel umgeleitet werden sollten. Allerdings musste ich auch zeitig am Essener Hbf. sein, weil gestern ab 22 h der Bahnverkehr zwischen Dortmund und Essen wg. Bauarbeiten komplett eingestellt werden sollte. Bei mir brannte nichts an. Alles funktionierte.
Ein lebenslanges Rätsel wird mir aber bleiben, warum alle Fernzüge Köln mit radikal gedrosselter Geschwindigkeit durchfahren. Ist es die Signaltechnik? Ist es das hohe Güterzugaufkommen? Sind es marode Gleisanlagen? Warum sind die seit über 50 Jahren marode? Ich weiss es nicht. Umleitung über Beuel bedeutet 25 Minuten Verspätung hinter Fahrplan, eingefahren auf nur 34 Tarifkilometern. Und das soll eine Industrieregion in einem Industrieland sein? Ach so, Industrie ist schon vorbei … Was kommt als Nächstes?