Nicht nur in aufeinander hockenden Familien und Haushalten sortiert sich derzeit einiges um, mit offenem Ausgang. Noch mehr gilt das für die grosse Welt da draussen. Noch vor der Krise hatten die (engagiertesten) Hörer*innen des Deutschlandfunks das Thema “Dekolonisiert Euch!” zum redaktionellen Schwerpunktthema gewählt. Viele fragen sich gewiss “häh?”. Nun ja, auch wenns in der Schule oft weggelassen wird, war Deutschland Kolonialmacht und Völkermörder, schon vor den Nazis. Und was damals als Bewusstsein gebildet wurde, von Staat und Kolonialprofiteuren, das vererbt sich sozial und kulturell bis in die Gegenwart. Schon die Behauptung “Ich bin kein Rassist” – egal ob mit oder ohne folgendem “aber” – zeugt davon.
Da Sie jetzt gewiss die Zeit dazu haben, sofern Ihre Kinder Sie nicht kolonisiert haben, hören Sie hier beim DLF-Kultur, warum “Dekolonisiert Euch!” wie die Faust auf die gegenwärtige Viruskrise passt.

Kampfjogger und Nichtereignisse

Und wenn Sie bei dem schönen Wetter ganz legal rauszugehen wagen, werden die ihnen sicher auch begegnen: die selbstoptimierenden Kampfjogger, die “SUVs” der Grünanlagen. Ich kann hinzufügen: die gibts auch in der Fahrradversion, mit und ohne Elektromotor.
Viele haben bemerkt, dass die Qualität mancher Trash-TV-Sendungen merklich gestiegen ist, seit sie auf den Missbrauch echter Menschen als Klatsch- und Lärmkulisse verzichten müssen. Seitdem sollen, trotz räumlicher Trennung durch Videokonferenzen, verschiedentlich echte Gespräche und echter Meinungsaustausch möglich geworden sein. Ich guck’ mir das Zeug trotzdem bisher nicht an, sondern erfreue mich an meinem eigenen Fussballarchiv von 1930 bis heute. Meine Empfehlungen: die WM 1958, das Europapokalfinale 1966 des BVB mit dem Libuda-Tor, das WM-Halbfinale 1970, beides mit dem vorbildlich temperierten Livekommentar von Ernst Huberty (“der Ball ist im Tor, im Tor”, und das ohne Gebrüll!), eine Wohltat.
Das ZDF-Sportstudio sah sich veranlasst, wenn es schon nichts zu berichten gibt, selbst Nichtereignisse zu erfinden. Und wenn es schon nicht mit ihm sprechen darf, dem Milliardär Hopp Fragen unter der Türritze durchzuschieben, und seine huldvolle Videoantwort ohne Zwischen- oder Nachfragemöglichkeit abzusenden. Danach telefonierten die Sportmedien, die nichts zu berichten haben, in der Gegend rum, um die Fans und Ultras abzufragen, wie sie das fanden. Die richtige Antwort war: “Haben wir grad’ überhaupt keine Zeit für!”. Die Antwort ist richtig, 100 Punkte!