Der vom WDR beschäftigte hauseigene “Internetexperte” Jörg Schieb, den ich gewöhnlich schätze, weil er Omma und Oppa im Fernsehen das Internet so erklärt, dass es auch die Zuschauer*innen des Dritten Programms verstehen, hat soeben im WDR5-Kulturmagazin Scala so einen Unsinn erzählt, dass ich nicht anders kann, als mich hier auf- und wieder abzuregen.
Es geht um einen “Kabarettisten” dessen Namen ich hier nicht nennen mag, weil das zu seinem Geschäftsmodell gehört. Dieser Mann hat ein göttliches Grundeinkommen, gesichert durch einen Vertrag mit der ARD, um den ihn vermutlich fast alle Berufskolleg*inn*en beneiden müssen. Auf der Basis dieses Grundeinkommens generiert er maximale öffentliche Aufmerksamkeit, gerne auch, indem er mit rechtsreaktionärem Unsinn diverse Teile der Öffentlichkeit auf die Bäume treibt, um anschliessend als deren armes unterdrücktes Opfer weiteren Unsinn zu publizieren. Er geniesst das Privileg solcher was-mit-Medien-Leute, die gut dotierte Lieferverträge mit einflussreichen Medien haben. So wie Herr Schieb ja auch.
Wenn nun irgendwelche Menschen auf den Bäumen sind, und sich in Internetkommentarspalten oder auf Trumps Lieblingsmedium Twitter maximal erregen (oder nur so tun), dann ist das keine “Gefahr für die Demokratie”, sondern Bestandteil des Geschäftsmodells des hier nicht namentlich zu nennenden Herrn “Kabarettisten”.
In einem Punkt hat Schieb recht. Ein ebenfalls besonders solventer Arbeitgeber für den armen unterdrückten Kabarettisten wurde die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Sie liess ihn, ich vermute für ein verschwenderisches Honorar, eine paar kurze, richtige Sätze dazu aufsagen, was Wissenschaft ist. Sie erschreckte sich dann, als die Stammkundschaft des Herrn wieder auf die Bäume stieg, und nahm seinen Aufsager aus dem Netz. Nichts-Wisser, Nichts-Könner, Feiglinge – und sowas nennt sich Deutsche Forschungsgemeinschaft? Was sagt uns das? Warum haben sie nicht vorher nachgedacht? Ist das nicht ihr Beruf?
Wieviel Angst muss wohl in grossen, mehrere tausend Menschen beschäftigenden Forschungs- und Sendeanstalten verbreitet sein, dass sie mit solch aufgeregtem Geschwätz sublimiert werden muss?
Dass Ihr Euch alle im Kreis um Euch selbst dreht, ist eher eine Gefahr für die Demokratie, als das Gelärme von ein paar Schaumschläger*inne*n. Die Mehrheit hier draussen hat andere Sorgen, und hört gar nicht zu.
Wenn Sie zum Thema “Cancel Culture” mal was Vernünftiges lesen wollen, versuchen Sie es hier bei Isolde Charim.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net