Es gibt auch Fortschritte
Hatte ich eben noch Aspekte beschrieben, die ich kritisch sehe, gibt es doch auch Positives zu vermelden. Ideal zusammengefasst in der schon immer starken, und langsam überragend gut werdenden “Altpapier”-Medienkolumne von René Martens, die – Überraschung! – schon seit längerem unter dem Dach des sich “Mitteldeutsch” nennenden Rundfunks beherbergt ist.
Dass eine Journalistin wie Isabel Schayani so eine publizistische Macht geworden ist, das ist gut und stark. Und dem WDR zu verdanken, der seinerseits von ihrer innovativen Kraft profitiert. Ich verdächtige den alten Fritz Pleitgen sie mitentdeckt zu haben, als er einst “Funkhaus Europa” (heute: “Cosmo”) installierte.
Auf der anderen Seite muss sich eine DLF-Redakteurin angeblich unflätiger Beschimpfungen erwehren, weil sie mit den üblichen antihumanistischen Erwägungen der Marke Seehofer kommentierte. Der Publikumswind weht derzeit nicht mehr aus der rechten AfD-Ecke, sondern von den “Vielen”, die um Menschenfreundlichkeit und Flüchtlingshilfe kämpfen, nicht alle und immer stilsicher, aber wenigstens nicht mehr still.
Dass sich, wie DLF-Abteilungsleiter Friedbert Meurer gestern auf seinem Sender ausführte, 25 Redakteur*inn*e*n in stundenlangen Konferenzen heissdiskutieren, ob sie ihre Kollegin besser “vor sich selbst hätten schützen müssen”, ist doch ein signifikanter Fortschritt gegenüber früheren Positionen, die mit “absaufen lassen” zusammengefasst werden konnten.

Dunkle Wolken über Hetzer Reichelt

Und siehe, meine Wünsche nach der skandalösen Solingen-Berichterstattung wurden erhört. Friede Springer ist nicht amüsiert, und ihr Liebling Mathias Döpfner muss sich angestrengt schützend vor seinen missratenen Schützling werfen, der das Ansehen des Springer-Konzerns in der Welt im Sinne des Wortes in Misskredit bringt. Schon der alte Axel Springer soll in einem Spaziergangs-Interview mit der Zeit gejammert haben, er leide manchmal “wie ein Hund”. Damals verschaffte die sog. Zeitung Bild ihm wenig Ruhm aber viel Reichtum. Letzteres kackt nun aber auch stark ab. Unter Führung ebendieses Reichelts. Wer sagt denn, dass der Kapitalismus immer ungerecht ist?

Werner Rügemer sagt das

Und ja, er hat ja Recht. Auch. Meine These, in Umkehrung eines Lebensmottos einer guten Freundin: wer keine Kraft zum Kämpfen hat, hat auch keinen Mut zum Träumen. Die Verhältnisse sind veränderbar. Dafür muss gekämpft werden. Es lohnt sich. Schayani kämpft, Martens kämpft, Reda kämpft, Standop kämpft, oder die hier – wir sind Viele.