Und Mentalitätsprobleme der von ihm geführten Verwaltung
Dumm gelaufen. Auf der dritten Seite des Bonner Lokalteils des GA (Printausgabe) prangt eine drittelseitengrosse Anzeige mehrerer Personen, wir sollten in der Stichwahl am Sonntag Ashok Sridharan als Oberbürgermeister wiederwählen. Die meisten unterzeichnenden Familienclans sind mir als CDU-Familien bekannt. Einzige Ausnahme: Frank Asbeck, der mir in den 90ern noch auf Grünen Mitgliederversammlungen begegnete. Aber wer mit Katar grosse geschäftliche Räder dreht, ist in der Tat bei der CDU besser zuhause. Das sieht Asbeck nicht wesentlich anders als Fifa-Boss Gianni Infantino.
Das Künstlerpech besteht nun darin, dass direkt neben der Anzeige ein redaktioneller Text der GA-Lokalredaktion zu finden ist, mit kleineren Buchstaben aber wesentlich mehr Text (online nur hinter Paywall). In ihm wird ausgeführt, dass die Stadtverwaltung bei der Vertragsgestaltung für das Immobilienprojekt “Urban Soul” vor dem Bonner Hauptbahnhof nicht nur rund 15 Mio. € in den Sand gesetzt hat, sondern auch der Meinung ist, bei dem dafür mitverantwortlichen ehemaligen Abteilungsleiter keine Schadensersatzansprüche geltend machen zu können. Dä, ein Super-Argument Sridharan zu wählen, oder?
Kurz vor dem ersten Wahlgang musste die Stadtverwaltung von der Stadtratsmehrheit schon zur Schadensersatz-Klage gegen die ehemalige OB Bärbel Dieckmann und ihren Stadtdirektor Arno Hübner getrieben werden. Und zur allgemeinen Überraschung aller Beteiligten wurde gewonnen, in erster Instanz vor dem Verwaltungsgericht Köln. Auch ich war überrascht. Denn auf eins konnte mann sich immer verlassen: die Stadt Bonn verliert fast jeden Prozess. Sie hat meistens die billigeren Juristen – und wenn sie teurer waren, umso schlimmer. Darauf hatte sich wohl auch Frau Dieckmann verlassen, und war darum sichtbar entsetzt.
“Fahrradstrasse”
Eine politische Hinterlassenschaft des verstorbenen einstmaligen Grünen Bezirksbürgermeisters Werner Rambow ist die Siegfried-Leopold-Strasse als Fahrradstrasse. Sie erweist sich seitdem als wichtige südliche Parallelverkehrsführung, um nicht in der sowieso zu engen Friedrich-Breuer-Strasse in die gefährlichen Strassenbahnschienen zu geraten. Dass es in der Siegfried-Leopold-Strasse, die auf beiden Seiten immer auf jedem Zentimeter zugeparkt ist, zu Stress mit den Kunden der Rewe-Tiefgarage kommt, ist nicht schön, aber mit ein bisschen Rücksichtnahme lösbar. Unlösbar ist jedoch, wenn auf die gesamte Strassenbreite für mehrere Tage ein Baukran gestellt wird. Und die Strasse im weiteren Verlauf durch anliefernde überbreite Anhängergefährte zusätzlich blockiert ist. Sie fällt praktisch als Verkehrsweg komplett aus.
Das kann mal vorübergehend unvermeidlich sein. Ich frage mich allerdings, was die für die Genehmigung und Abnahme solcher Baustellen zuständigen städtischen Mitarbeiter den ganzen Tag machen – und vor allem: was sie denken. An Verkehrshinweise und Umleitungen für den Radverkehr jedenfalls nicht.
Frau oder Mann?
Wenn Sie immer noch unentschieden sein sollten, wen Sie wählen wollen, hier noch eine kleine Entscheidungshilfe von Margarete Stokowski. In welchem Jahrhundert will unsere Stadt leben – oder bleiben?