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Merz kann es nicht

Die CDU hat beschlossen, wegen Corona einen Parteitag zu verlegen. Auch wenn das ein verdeckter Angriff gegen den sich auserwählt und unbesiegbar wähnenden Blackrock-Lobbyisten Friedrich Merz sein sollte, täte er gut daran, sich dies innerparteilich nicht anmerken zu lassen. Stattdessen benimmt er sich wie ein Hooligan, beschimpft böse Mächte ganz im Stile der “Corona-Leugner”, interpretiert es gar als Intrige gegen seine gar so wichtige Person.

Dümmer kann man es eigentlich nicht machen. Schon einmal wurde er durch bodenständige und solide Politik der Annegret Kramp-Karrenbauer ausgestochen. Damals auf einem analogen Parteitag mit analogen Stimmungen. Jetzt, in der Zeit der “Corona-Krise”, kann er nicht zwischen den politischen Ränkespielen seiner Seilschaften und einer für alle Parteimitglieder einsichtigen Notlage unterscheiden. Ob eine Anhörung in Bundestagsausschüssen, der Nachhaltigkeitsdialog eines Automobilherstellers, oder die Konferenz eines Forschungsprojekts – ich nehme wie hunderttausende Beschäftigte derzeit an einer Vielzahl gezwungenermassen virtueller Versammlungen teil. Warum dann kein digitaler Parteitag? Dass Merz sich so anstellt und sich zu öffentlichen Angriffen gegen die Partei hinreissen lässt, deren Vorsitzender er werden möchte, ist höchst unprofessionell und dumm. Typisch für den Vertreter einer sich selbst ernannten “Elite” von Beratern und Strippenziehern am Finanzmarkt und in der Politik.

Diese Strippen nicht in die Hand zu bekommen, ist Merz’ größte Befürchtung. Nun ist es aus. Er zeigt gerade allen, dass es ihm nicht um das Wohl der führungslosen CDU geht, oder um das durch “Corona” geschüttelte Land – sondern um seine Karriere, seine Chance, Parteivorsitzender zu werden, Spitzenkandidat, Bundeskanzler. Ein Mann von gestern – von den neoliberalen Finanzmarktjongleuren, Wettbüros auf steigende und fallende Kurse, vernichtende oder adelnde Ratings ganzer Volkswirtschaften, und der Verachtung traditioneller Wirtschaftswerte wie Ideen, persönliche Haftung, Unternehmergeist, Risikobereitschaft und soziale Verantwortung für die Beschäftigten. Das alles verlernt man bei Blackrock. Und das kommt auch nicht wieder, etwa auf Kongressen der Jungen Union.

Aber was fehlt eigentlich? Was war nochmal das Problem, wegen dem Annegret Kramp-Karrenbauer zurücktreten musste? Kemmerich und Thüringen? Ist doch erledigt. Kanzlerin ist immer noch gut und gerne Angela Merkel, die wiedergewählt würde, wenn sie es nur wollte. Laschet, bleib bei Deinem Leisten, Röttgen, ab ins Körbchen und Jens Spahn – geh mal 10 Jahre in die Schule der Bundespolitik. AKK ist ‘ne passable Parteichefin – wenn sie nicht grad’ Kampfdrohnen kauft . Parteitage verlegen kann sie jedenfalls gut.

Ein Kommentar

  1. Günther A. Classen

    Süffisanter Kommentar, lieber Roland.
    Bitte mehr davon in diesen spaßbefreiten Lockdown-Zeiten.

    Grüße aus Deiner alten Interimsheimat. ;-))

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