Krawalljournalismus schadet dem Beueler Einzelhandel mehr, als er ihm nützen will
Holger Willcke/GA ist ein Krawalljournalist von altem Schrot und Korn, seit 1988 hält es sein Arbeitgeber, unser lokales Pressemonopol (jetzt im Besitz der Rheinischen Post), schon mit ihm aus. Wenn nichts los ist wie jetzt, macht er halt selbst was los. Die richtigen Leute anrufen, die Zwietracht sich ausbreiten lassen, und schon ist das Ereignis fertig, über das berichtet werden “muss”. Als Beueler Konsument kann ich Beueler Einzelhändler*innen nur warnen: sich dafür benutzen lassen, ist nicht gut fürs Geschäft, sondern schlecht.
Letzten Freitag stehe ich in der Friedrich-Breuer-Strasse in der Warteschlange für das Lotto-/Zeitschriftengeschäft (mit Postagentur) gegenüber der Filmbühne. Beengte Verhältnisse. Auf dem Bürgersteigparkplatz parkt ein SUV, und als der wegfährt, kommt direkt der Nächste. Der Fahrer geht gegenüber zum Geldautomaten. Ich zwänge mich derweil zwischen die Postkartenständer des Ladens, um überhaupt Menschen passieren lassen zu können. Abstandsgebot? Haben wir gelacht (solange wir uns nicht anstecken; dann würde gehustet). Nicht nur aus der Friedrich-Breuer-Strasse müssen solche Parkplätze raus, auch aus der Hans-Böckler-Strasse, dort mindestens die Westseite mit dem VfB und Imbiss Karl. Ein Passieren von zwei Kinderwagen oder Rollis war dort noch nie möglich, und ist unzumutbar. Ich persönlich verlege mich bereits seit längerem darauf, an solchen Stellen, so auch im komplett zugeparkten Combahnviertel (eine Zumutung auch für die Busfahrer*innen), selbst auf der Rheindorfer Strasse, als Fussgänger die Fahrbahn zu benutzen.
Es gibt auch andersdenkende Beueler Einzelhändler*innen und Gastronom*inn*en. Der Bioladen Momo und das Bistro Odeon würden gerne die Autoparkplätze vor dem Laden komplett umwidmen: für mehr Fahrradstellplätze und mehr Aussengastronomie. Letztere würde sich zusätzlich über 1 oder 2 Bäume freuen. Bei so vernünftigen Leuten mache ich als Kunde sehr gerne Umsatz: im Zweifel kaufe ich eine Bratwurst mehr, und selbstverständlich einen guten Wein dazu.
Ich lebe seit 1977 in Beuel. Vielleicht hat es in den 50er und 60er Jahren mal gestimmt, dass die Existenz von Einzelhändlern vom Parkplatz vor der Ladentür abhing. Seit ich in Beuel bin, ist das das, was heute allzu häufig gerne als “Verschwörungstheorie” bezeichnet wird. Wenn etwas sowas ist: dann das.