Das Virus in Bonn
Schön wärs. Wobei: beim Bergsteigen ist das immer der gefährlichere Teil. Also Vorsicht! Die Oberbürgermeisterin hat zwar ihre Verwaltung vorzeitig in Virus-Urlaub geschickt. Aber natürlich nicht die, dir mit dem Virus kämpfen müssen. So erfahren wir auf der Homepage der Stadt Bonn auch jetzt die täglichen Infektionszahlen. Die sagen seit 3 Tagen, dass die 7-Tage-Inzidenz (Infizierte pro 100.000 Einwohner*innen) leicht zurückgeht, nachdem sie zwei Wochen steil gestiegen war. Heute sind es 229,4.
Morgen dürfte dieser Wert erneut sinken, weil der Tag mit der bisher höchsten gemeldeten Infektionszahl, der 19.12., dann aus diesem statistischen Wert herausfällt. Aber noch mal Vorsicht. Ich habe mich kurz selbst erforscht, als heute morgen für 10 Minuten Sonnenstrahlen in mein Schlafzimmerfenster fielen. Würde ich jetzt mit leichtem Zahnschmerz eine Bereitschaftspraxis aufsuchen? Oder mit einem leichten Blinddarmverdacht? Nein, höchstens erst mal meinen Hausarzt anrufen. Das wäre selbst jetzt auch mit einem leichten Halsschmerz (Salbeibonbons!) oder Schnupfen nicht anders. Das hat Zeit bis Montag. Und vielleicht ist es dann ja auch schon wieder weg. Jetzt beim Alleinsein sind wir in intensiverem Dialog mit unserem Körper. Nicht alles davon ist ein Notfall.
Das Nicht-zur-Last-fallen-wollen ist ein altes Leiden der Älteren und Hilfsbedürftigen. An diesen Tagen “befällt” es auch die meisten Anderen. Wer will den Menschen, die jetzt arbeiten müssen, den Stress vergrössern?
Diese Fragestellung markiert auch schon das einzigpositive an dem doofen Virus. Es ist keine Frage für diese Feiertage, sondern für immer. Alle politischen Kräfte links der FDP und der Bertelsmann-Stiftung müssen sie im Diskurs halten. Die, die jetzt arbeiten müssen, müssen sich gewerkschaftlich organisieren, und die Macht, die sie haben, erkennen und ausüben. Kein*e Stellvertreter*in wird ihnen das abnehmen. Anders werden sie nicht bekommen, was sie verdienen. Regierungen und Arbeitgeber*innen müssen lernen sie zu fürchten. Wir Patient*innen müssen ihnen nicht nur danken und Beifall klatschen, sondern unseren Politiker*inne*n den Kopf so lange waschen, bis die gesetzlich handeln.
Dann würde die Scheiss-Krise zu einem Fortschritt.