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Nur der RWE!

Mein Oppa, der mir in den 60er Jahren die Fußballmacke vererbt hat, war sowieso nah am Wasser gebaut. Wo immer er ist, wird er diese Woche Tränen der Rührung verdrückt haben. Rot-Weiss-Essen, der Heimatverein des WM-Helden von 1954 Helmut Rahn, der deutsche Meister von 1955, hat am Mittwochabend nach Jahrzehnten dies Niedergangs mal wieder eine sportliche Heldentat vollbracht: 3:2 gegen Fortuna Düsseldorf, Einzug in die 3. Runde des DFB-Pokals, als Viertligist. Und dank des bösen Hacker-Angriffs auf die Funke-Mediengruppe mit einem ausführlichen Spielbericht ohne Paywall.
1977 stieg RW Essen aus der Bundesliga ab. Da war mein Oppa schon drei Jahre tot, und musste das nicht miterleben. Nach mehreren Insolvenzen war der Verein 2010 in der 5. Liga angekommen. Seitdem vegetiert er in der Regionalliga West. Mit Hilfe der Essener Kommunalpolitik wurde versucht, mittels eines Stadionneubaus die sportlichen Verhältnisse zu verbessern. Stattdessen besserten sich die politischen Verhältnisse. Beginnend mit der Kommunalwahl 2014 und in diesem Jahr eindrucksvoll bestätigt, verlor die SPD das Oberbürgermeisteramt und die Fähigkeit zur Bildung politischer Mehrheiten, und zwar nachhaltig. Die Wahl 2014 stand dabei unter dem Eindruck mannigfacher Korruptionsgeschäfte rund um den Stadionneubau.
Zum Vergleich: als ich noch Essener war (bis 1976) und RWE noch Erstligist, lag im Norden der Stadt der “sicherste” SPD-Bundestagswahlkreis in der ganzen BRD. Es war der Inhaber dieses Wahlkreises, MdB Rolf Hempelmann, in dessen Amtszeit als Vereinspräsident (1998-2008) das Vorantreiben dieses für seine Partei desaströsen Stadionbaus fiel.
Im Schatten öffentlicher Erregungen wird die Stadt heute von CDU-OB Thomas Kufen politisch so – relativ – seriös geführt, dass ich den einem Windei wie dem für umfallende Lärmschutzwände verantwortlichen Hendrik Wüst, als möglichen Laschet-Nachfolger allemal vorziehen würde.
Jetzt, in einer Saison, in der keine*r zugucken darf, fällt der erste sportliche Aufwärtstrend RWEs seit vielen Jahren. Tabellenführung in der 4. Liga, ein Wiederaufstieg vor Augen, mit einer möglichen TV-Präsenz in der ARD-Sportschau. Die leidenden treuesten Fans im Herrschaftsbereich des DFB, unter ihnen Mehrdad Mostofizadeh, Friedrich Küppersbusch und Jürgen Zurheide, sie hätten es verdient auch wieder zugucken zu dürfen. Mein Oppa sieht eh alles.

Ein Kommentar

  1. andré dahlmeyer

    also bei rot-weiß essen fällt mir vor allem horst hrubesch ein. mit helmut rahn feiere ich immer geburtstag. genau genommen mit helmut, roque santa cruz, buk und madonna. ich war immer sehr traurig darüber, das rudi kargus am 15. august geburtstag hat.

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