Sollen “wir” doofbleiben wg. “Staatswohl” – oder sind “die” selber doof?
Ich bin baff. Mit diesem banalen Text habe ich meinen persönlichen Klickrekord in diesem Blog gebrochen. Das passiert nur, wenn entsprechende Hinweise in den asozialen Medien kursieren, von denen ich mich persönlich fernhalte, aber natürlich allen Freund*inn*en danke, die mir diese Drecksarbeit abnehmen. Dennoch bleibt ein Rätsel: ich weise auf einen Bericht einer Berliner Tageszeitung hin, der wiederum über eine öffentliche Sitzung eines Parlamentsausschusses (PUA) berichtete. Nichts daran ist formal exklusiv. Woher die Brisanz?
Solche Fragen lassen mir gedanklich keine Ruhe, darum ging ich auf die Suche. Es gibt zwei Aspekte. Einer ist medienpolitisch und -ökonomisch. Der andere handelt von Rüstungs- und Geheimdienstpolitik, verbunden mit organisierter Wirtschaftskriminalität. Der erste ist banal, der zweite explosiv für viele in der Hauptstadt. Zu explosiv?
Das banale Kartell
Beginnen möchte ich mit der banalen Seite. Die Berliner Zeitung wurde, nachdem die deutschen Grossfamilien-Milliardärskonzerne Bertelsmann (Gruner&Jahr) und DuMont-Schauberg, zwischendurch noch ein windiger Grossinvestor (Montgomery) sie zuschanden geritten hatten, von dem Investorenehepaar Friedrich gekauft. Sie waren und sind zwar auch superreich, aber entstammen nicht der übersichtlichen Zahl deutscher Verleger-Multimlliardärsfamilien, die sich alle untereinander kennen, und sich durch die verirrte publizistische Kanonenkugel Mathias Döpfner adäquat repräsentiert fühlen.
Mein alter politischer Freund Ludger Volmer war es, der mich auf den aktuellen Lesenswert der Berliner Zeitung hinwies. Mehrere Texte von ihm wie auch von Antje Vollmer, die hier im Extradienst erschienen, fanden ihre Erstveröffentlichung ebenda. Michael Maier hat das organisiert, ein – um die Bezeichnung “irre” (es gibt ja auch “positivirre”) zu vermeiden – extrem individualistischer Journalismus-Maniac. Maier war auch der Autor des PUA-Berichts, auf den ich hingewiesen und verlinkt habe.
Der normale Ablauf wäre nun folgender gewesen. Mal angenommen, den anderen Hauptstadtjournalist*inn*en war das lange Rumsitzen in einem Ausschuss zu langweilig (und ihren Bossen zu teuer), und Maier hat sich als Einziger den Arsch plattgesessen. Nach seinem Bericht hätte das ein*e Präsenzredakteur*in von dpa gelesen, daraus eine kleine Meldung verfasst (“wie die Berliner Zeitung berichtet”), alle hätten es bei dpa abgeschrieben, Rundfunkanstalten hätten es in ihren Nachrichten gemeldet, und fertig. Auch ich hätte es gehört, wie so oft den Kopf geschüttelt, und mit irgendwas anderem weitergemacht.
Doch die Berliner Zeitung wird von der Konkurrenz nur mit spitzen Fingern angefasst, also gar nicht erst ignoriert. Ich kenne das Verlegerehepaar Friedrich nicht persönlich. Die Familien Springer, Mohn, DuMont, “Funke” (Holthoff-Pförtner, Grotkamp), Madsack, Friedmann/Ebner allerdings auch nicht. Warum die einen seriöser sein sollen als die andern – dazu stehen öffentlich verwertbare Indizien oder gar Beweise aus.
Das Kartell schürt also selbst das Misstrauen, über das es sich penetrant beklagt. Unter Demokratie-Gesichtspunkten würde ich auf meinen daraus resultierenden Klickrekord lieber verzichten (mit dem Suchbegriff “Franziska Folter” auf der ersten Trefferseite des globalen Suchmaschinen-Monopolisten; mein Mitautor Lorscheid dazu: “Alle wollen Folter.”)
Nun zur Explosivität.
Wie ich hinter des FAZ-Paywall bei Peter Carstens lese, ist die Kriegsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer nicht mehr weit von ihrem Sturz entfernt. Sie hat ihr Haus nicht “im Griff”. Die wollen sie wahrscheinlich loswerden. Ein Beschaffungsskandal folgt auf den nächsten, bis ihr irgendeiner den Rest gibt. Z.B. die Sache mit dem Gewehr. Wie es sich für die “Sicherheit” unseres Landes und seines “Staatswohls” gehört, darf das nicht den Unsicherheiten der Marktwirtschaft überlassen bleiben.
Also gibts nur zwei Gewehranbieter im Finale, einer krimineller als der andere. Eine Firma aus Suhl/Thüringen, die aber nicht “thüringisch” ist, sondern arabisch-emiratisch. Das sind die, die Frauen einsperren (manche gehen auch tot dabei), und arme Falschgläubige gerne mal totschiessen müssen (mit deutschen Waffen selbstverständlich, was sonst, aktuell im Jemen) – also nicht schön, riecht ziemlich streng, der Sicherheit Deutschlands im Ernst nicht wirklich zuträglich. Zumal heutzutage ja alles ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt wird. So werden “unsere Soldaten” in aller Welt nur unnötig in Gefahr gebracht.
Auf der anderen Seite des Bieterfinales der FC Bayern der deutschen Mordproduktion, Garant baden-württembergischer Wertarbeit, die Firma Heckler&Koch. Doch ist die heute so wenig ba-wüsch wie Haenel thüringisch. Ihr heutiger Hauptaktionär Nicolas Walewski ist einerseits Franzose, steuerrechtlich aber irgendwas karibisch-panamaisches, womit unklar ist, für wen er alles als Strohmann fungiert. Eine besonders streng müffelnde Tatsache ist, dass seine H&K-Übernahme von niemand Geringerem als der organisierten Wirecard-Kriminalität organisiert wurde. Und der feine Monsieur Walewski sich arschknapp noch als Wirecard-“Opfer” zu inszenieren versucht, aber es immerhin geschafft hat, seine eigenen Wirecard-Anteile noch “rechtzeitig” abzustossen.
Bleibt mir nur als persönliche Lieblingspointe noch zu erwähnen, dass bei den Gesprächen, wie sich der Monsieur Walewski mit Hilfe von Wirecard Heckler&Koch aneignen könne, mein Lieblingsgeheimdienstler Klaus-Dieter Fritsche effizient beratend am Tisch sass. Die Kanzlerin war nicht amüsiert. Ob sie mit der Kriegsministerin noch befreundet ist? Oder “steht sie” bald “hinter ihr”?