Klimakrise sorgt für bessere Beueler Nachtruhe
Wenn Sie als Beueler*in zuletzt gut geschlafen haben, kann das kein Zufall sein. Es war nachts leiser als gewöhnlich. Irgendwann hat die Deutsche Bahn mal entschieden, am rechten Rheinufer den Güterzugverkehr zu priorisieren, und am linken den Personenverkehr. Das hilft den Fahrgästen linksrheinisch zwar auch nicht, weil die EU in den Nullerjahren einen rechtlichen Vorrang der Güter vor den Menschen beschlossen hat. Aber seitdem fahren die meisten Güterzüge rechts, also durch Beuel, und zwar besonders gerne nachts, wenn der Personenverkehr nicht im Weg ist.
Seitdem sind Bahnunglücke für den Beueler Nachtschlaf immer wieder ein grosses Glück, alles was die Güterzugstrecke Rotterdam-Genua unterbricht, die meistbefahrene Bahnstrecke Europas. Das Glück vergrössert sich durch die pandemiebedingte Krise des Flugverkehrs. Dank der NRW-Landesregierung hat unser Flughafen in Wahn kein Nachtflugverbot. Aber jeder Flug weniger ist ein Gewinn für das Herz-Kreislaufsystem der Millionen Anwohner*innen.
Erfahrungen dieser gesunden Art hatten wir erst jüngst durch die Bahnbau-Katastrophe in Rastatt gewonnen. Nun ist wieder eine passiert, nicht weit vom weltberühmten Rüdesheim. Nahe der Loreley ist der Fels runtergekommen. Und es wird kaum jemand zweifeln, in den Alpen kennen sie das schon, dass der Klimawandel seine Finger im Spiel hat.
Heute bin ich mit einer Kölner Freundin zum Spaziergang durch die Südstadt verabredet. Das machen wir schon länger, um unseren Sozialkontakt in der Pandemie nicht verkümmern zu lassen. Zu meiner Verwunderung waren fast immer wenn wir des Weges kamen, in 90% der Fälle, die Bahnschranken geöffnet. Sollte sie über Zauberkräfte verfügen? Dann müsste es heute wieder so sein. Die Beueler Güterzüge werden derzeit über Bonn umgeleitet. Arme Bonner*innen – solche Wunder werden wir wohl nicht schaffen.