Das Wirecard-Schwert über Olaf
Ähnlich gespensterhaft wie jüngst die CDU-Bundesvorstandssitzung muss die jüngste Sitzung des Wirecard-Untersuchungsausschusses im Bundestag angemutet haben. Michael Maier/Berliner Zeitung lässt uns – zeitsparend – daran teilhaben. Olaf Scholz’ Staatssekretär Jörg Kukies, als ehemalige Goldman Sachs-Führungskraft ein Vollprofi der Geschäfte des Grosskapitals, muss sich demzufolge für die Länge eines Fussballspiels an seinem schriftlichen Manuskript festgehalten haben. Das macht mann, um sich selbst und seine eigene Nervosität im Griff zu behalten – und ja keinen Fehler zu machen.
Maier, der für uns tage- und wochenlang diese Ausschusssitzungen absitzt und sie uns anschliessend dramaturgisch verdichtet überliefert, meint, dass diese scheinbar perfekte Inszenierung sich für Scholz als Bumerang entpuppen könne.
Klar wird nach so einer Vorstellung ein weiteres Mal – nach der NSU-Mordserie, nach dem Breitscheidplatz-Attentat 2016, nach der Cum-Ex-Affäre – dass von der Regierung dieses Staates realistisch und amtseidwidrig kein Beitrag zur Aufklärung erwartet werden kann. Und gegen sie erkämpft werden muss. Dafür wünsche ich diesen Ausschussmitgliedern viel Erfolg. Ich fürchte nur, viele von denen teilen meinen Wunsch gar nicht.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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