FDP und Grüne sprechen mit der SPD über ein Regierungsbündnis. Sie streben die Modernisierung des Landes an. Sollte die Ampelkoalition zustande kommen, hieße der nächste Bundeskanzler Scholz. Er ist mit drei ungeklärten Skandalen belastet. Die Erneuerung des Landes könnte damit beginnen, dass Scholz aufklärt, welche Rolle er in den Skandalen spielt.

Schwere Vorwürfe erhoben

Skandalöses läuft Scholz seit Jahren nach. Vor der Wahl hatten unter anderem führende Politiker der Grünen und der FDP, die mit den Skandalen befasst waren, schwere Vorwürfe gegen ihn erhoben.

Er stecke im Sumpf des Hamburger Cum-Ex-Skandals. Bei der Betrugsbank Wirecard habe die Bankenaufsicht versagt und er als Finanzminister bei seiner Aufsicht über sie. Er habe auch den Kampf gegen Geldwäsche schleifen lassen.

Es gab Durchsuchungen im Berliner Finanzministerium und beim Scholz-Vertrauten Kahrs in Hamburg. Staatsanwälte ermitteln wegen Finanzierung von Rauschgifthandel und Terrorismus. Der grüne EU-Abgeordnete Giegold berichtet, auch die EU-Kommission ermittle.

Einen U-Ausschuss angedroht

Besonders heftig kritisierten FDP und Grüne den SPD-Finanzminister Scholz, weil er die Aufklärung der Skandale verschleppe und erschwere. Er blockiere Unterlagen, die Aufschluss über seine Rolle in den Skandalen geben könnten.

Soweit seine Beteiligung bisher schon sichtbar wurde, bot sie FDP und Grünen reichlich Anlass, immer wieder Kritik an Scholz zu üben.

Erbost darüber, dass er die Aufklärung behindere, drohten ihm Politiker der damaligen Opposition an, einen Untersuchungsausschuss zu etablieren, auch für den Fall, dass er Kanzler werden sollte.
Noch kaum niedergeschlagen
Bei den Gesprächen zwischen SPD, Grünen und FDP über ein Ampelbündnis wird sich zeigen, ob dieser Plan unter den Tisch fällt oder zum Thema wird. Bisher taucht er in der Diskussion um die nächste Koalition nicht auf.

Dass es einen Zusammenhang zwischen der nächsten Koalition, ihrer Bundesregierung, einem möglichen Kanzler Scholz und seinen Skandalen gibt, schlägt sich in deutschen Qualitätsmedien bislang noch kaum nieder.

Würden sich die Medien in den Niederlanden, Dänemark oder Österreich bei solch einem Vorgang zurückhalten? Die New York Times und die Washington Post würden gewiss alles daran setzen, um aufzuklären und Klärung zu erzwingen.

Entgleisungen dokumentiert

Dass deutsche Qualitätsmedien den Zusammenhang zwischen Scholz, seinen Skandalen und den Sondierungsgesprächen zwischen SPD, FDP und Grünen bisher kaum thematisieren, macht ihren Nutzern bewusst, dass von Qualität kaum noch die Rede sein kann.

Sucht man eine weitere Bestätigung, schaue man sich nur an, wie Qualitätsmedien den CDU-Vorsitzenden Laschet niedermachen, als wären sie Büttel der SPD oder Vollstrecker der AfD, die von derartigen Ausfällen profitieren.

Der Newsletter des Pioneer bietet eine kleine Probe von Entgleisungen, die den Qualitätsverfall der Medien dokumentieren. Sie sind auf das Niveau des Landes gesunken, das FDP und Grüne antreibt, die Republik zu erneuern.
Klarheit schaffen
Die Parteien haben den Erneuerungsbedarf übersehen und die Modernisierung verschlafen. Viele Medien verhielten sich parteienkonform. Sie ruhten ebenfalls.

Es fiel ihnen nicht ein, die Parteien und Regierungen zu wecken und sie auf Trab zu bringen. Wie das Land haben auch die Medien dringend Erneuerung nötig.

Meinen es FDP und Grüne ernst mit der Erneuerung des Landes, müssten sie vor einer Vereinbarung mit der SPD darauf dringen, dass Scholz Klarheit über die Skandale schafft, ehe er Modernisierungskanzler werden kann. Ob sie es tun? Und was tun die Medien?
Die Links zur Jungle World und zu ZIB2 wurden nachträglich eingefügt.

Über den/die Autor*in: Ulrich Horn (Gastautor)

Dieser Beitrag ist ein Crosspost aus "Post von Horn", dem Blog von Ulrich Horn. Wir bedanken uns für die freundliche Genehmigung zur Wiedergabe seiner Beiträge im Beueler-Extradienst.