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Das Leben in vollen Zügen genießen

Wundersame Bahn LXXVIII
Wenn einer eine Reise tut, erfährt er eine Realität die sich stark von dem unterscheidet, was zum Beispiel ein Pressesprecher der KVB als Antwort gibt, wenn es um Anfragen zu überfüllten Straßenbahnen geht.
Bei der Bahn wird gebaut, zwischen Bonn und Köln verkehren zwar Züge, aber wenn es darum geht, einen Termin einzuhalten, ziehe ich derzeit die Straßenbahnen der Linien 16 und 18 vor.
Da ich meistens auch mit der 16 oder 18 zurück nach Bonn fahre, kann ich ab dem frühen Abend in beiden Linien “das Leben in vollen Zügen genießen”. Wer mit der KVB in Richtung Bonn fährt, dem droht jedenfalls keine direkte Vereinsamung. Eher schwierig gestaltet sich der geforderte Corona-Abstand zu den Mitreisenden.
Auf einer “Abstandstrecke” von sagen wir 150 cm finden in den Hauptpendlerzeiten locker acht weitere Kunden ihren Platz. Die kann man auf diese Weise relativ schnell kennenlernen. Hat auch was und findet seinen Grund darin, dass diese Menschen sich mit einer Hand irgendwo festhalten müssen. Sie sind so deutlich gesprächsbereiter als gewöhnlich, weil sich das Smartphone einhändig nur schlecht bedienen lässt.
Von der Mitte der Bahn zwischen beiden Türen braucht man locker zwei Minuten, bis zur Tür. Das ist zwar weniger als ein Meter Strecke, aber da müssen erst mal Massen bewegt werden, Koffer sortiert und verschoben, Kinderwagen bewegt …
Das dauert. Manch einer konnte nur deshalb aussteigen, weil mitdenkende Mitreisende die Tür aufhielten.
Lustig finde ich in solchen Situationen die roten Corona-Warn-Zettel mit der Aufforderung “Abstand halten”. Und weil jetzt ja Corona-Impf-Kontrollen auch in den Straßenbahnen durchgeführt werden sollen, habe ich dem – wie ich zu dieser Korrespondenz ernsthaft dachte für die Gesundheit zuständigen Landesminister Karl-Josef Laumann eine Email geschrieben. Darin heißt es:
“Derzeit wird von ganz offensichtlich ÖPNV-unerfahrenen Politikern, so dummes Zeug wie Kontrolle von ‘3 G’ im ÖPNV diskutiert. In überfüllten Zügen kontrollieren Sie gar nichts, weil es nicht geht.
Viele Straßenbahnen sind in den Hauptzeiten überfüllt. So auch zwischen Köln und Bonn, wo derzeit linksrheinisch wegen großer Baustellen deutlich weniger Züge auf dem Bahnnetz zwischen Köln und Bonn verkehren. Folglich sind die Straßenbahnen Linie 16 und 18 in den Hauptzeiten überfüllt.
Vorschlag: Der Landesminister für Gesundheit schlägt den Betreibern des ÖPNV vor, dort wo es irgendwie möglich ist, die kürzeren Fahrten – etwa Linie 18 zwischen Köln und Köln Klettenberg – zu erweitern. Das hieße am Beispiel der Linie 18: statt nur bis Klettenberg, die Bahn bis zur Haltestelle Brühl oder zumindest bis Hürth-Hermühlheim fahren zu lassen. Dieser Bahnhof wurde mir von Pendlern in der Linie 18 genannt. Auf der 16 wäre das dann Wesseling oder direkt bis Bonn Hbf.”

Die Antwort aus dem Ministerium für Gesundheit entsprach nicht ganz meinem Anliegen und lautete:
“Herr Minister Laumann hat mich gebeten, Ihnen zu antworten. Sie haben recht: Die Kontrollen der 3G-Regel und der Maskenpflicht im ÖPNV ist schwierig. Gleichwohl gelten diese Regeln im Nahverkehr – mobil.nrw. Bei Regelverstößen ist mit einem Bußgeld von bis zu 250€ zu rechnen.
Ihre Vorschläge zur Organisation des Nahverkehrsnetzes in Bonn bitte ich an Verkehrsverbund Rhein-Sieg zu richten.”

Also dafür sorgen, dass man Abstand halten kann und die Verkehrsverantwortlichen zu entsprechenden Maßnahmen auffordern, das mag der Minister offenbar nicht. Der Aufforderung des Ministeriums folgend, wandte ich mich auch an VRS, KVB und SWB. Von der KVB kam die Nachricht, dass in einem Fall, wegen eines schweren Unfalls, die nach längerer Wartezeit wieder fahrende Linie 16 nur wegen des Unfalls und der da durch ausgefallenen Bahnen so voll gewesen sei. Dies – so behauptet der KVB-Sprecher – “entspricht in keiner Weise der normalen Auslastung im Alltag.” Das wiederum habe ich anders erlebt. So war die Linie 18 an einem anderen Tag und ganz ohne Unfall, genau so voll, zumindest bis nach Brühl.

Es zeigt den Unterschied in der Wahrnehmung – ob man bei der KVB Antworten geben muß, aber keine Ahnung von der tatsächlichen Situation hat – oder ob man genau diesen Alltag als Fahrgast erlebt. Ich habe die Diskussionsrunde nun um die SPD und Grüne-Fraktionen im Landtag erweitert. Ich bin gespannt, was von dort so kommt und werde berichten.

Ein Kommentar

  1. Martin Böttger

    Lieber Helmut, Du hast da was nicht verstanden. Dä Kölsche an sisch hät änä natürlische Resistenz gegen Firen dursch Klüngel, Kölsch, Karneval, Katholische Kirsche un FC – nix träniert dett Immunsystem besser. Da fahn 50.000 zum Stadion – und keener steckt sisch an.
    Zusätzliche Strassenbahnen dann lieber zum Schülerverkehr nach Bonn. Damit die Grosseltern noch Spass mit den Enkel*inne*n haben.

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