Der Ösi Kurz soll ein Rollenvorbild für die darbenden deutschen Konservativen gewesen sein. Wenn es jemand für bare Münze nehmen will, dass er sich nun wegen der Geburt eines Sohnes aus der Politik zurückzieht, dann sähe das ernsthaft vorbildlich aus. Cathrin Kalweit/SZ, der ich mal in Roland Appels Fraktionschefbüro im NRW-Landtag begegnet bin, hegt daran begründete Zweifel. Der Mann ist jung und braucht das Geld. Das lässt sich in “der Wirtschaft” weit besser verdienen als in “der Politik”. Dass er damit nicht warten mag, bis er das Alter der Herren Schröder oder Fischer erreicht, dass dürfte dann doch wieder ein wahrhaftiges Vorbild für deutsche Jungkonservative sein. Was das genau ist, das lehrten mich schon in den 70er Jahren die Extradienst-Gastautoren Hans Conrad Zander und Georg Bungter mit “Rotkohl – das Magazin der Jungkonservativen Bewegung Deutschlands”.
Hans Hütt/SZ liefert eine kritische Betrachtung der Sprache des Koalitionspapiers der Ampel. Ich habe selbst mal an der Endredaktion eines Grünen-Wahlprogramms gesessen (NRW 2005). Aus dieser Perspektive ist mein Urteil: Hütt ist nicht gemein, sondern gerecht. In seinen Zitaten aus dem Klimakapitel glaube ich den Schriftsteller Robert Habeck reden zu hören. Wenn Politiker*innen rätseln, warum sie bei den Wähler*innen so wenig Vertrauen geniessen, sollten sie Hütts Kritik nicht ignorieren, sondern an sich ranlassen. Die Sprache politischer Kompromisse ist sehr verräterisch.
Johannes Kuhn/DLF brachte gestern einen DLF-Hintergrund: “Die Macht der Digitalkonzerne Gesucht: Regeln für Facebook, Google und Co.”. Für Expert*inn*en sicher nichts Neues. Für alle andern ein Einstiegsangebot, sich mit dem Thema vertraut zu machen. Bei DLF-Hintergrund wird nach meiner Wahrnehmung journalistisch aussergewöhnlich sauber gearbeitet, vorbildlich. Und Kuhns Thema ist im Besten Sinne konservativ. Aber kennen Sie Konservative, die daran arbeiten?
Geisterspiele sind das Gegenteil von Pandemiebekämpfung
Noch eine Erklärung für alle, die sich nicht für Fussball interessieren, und es darum nicht verstehen. Die berüchtigte Ministerpräsident*inn*enkonferenz wird sich mit der geschäftsführenden und dem designierten Bundeskanzler*in heute wieder auf “Geisterspiele” im Profifussball verständigen. Sie kriechen damit erneut bei den Fussball- und Medienoligarchen unter der Türritze durch.
Die Mehrheit der Fussballfans guckt Spiele im Pay-TV. Und zwar nicht zuhause, weil das zu teuer ist, sondern in der nächst verfügbaren Kneipe. Dort finden sie die gleiche Stimmung wie im Stadion, nur mit viel weniger Menschen, aber kaum weniger eng, und jetzt im Winter ausschliesslich in geschlossenen Räumen. Bei denen, die es sich im Wohnzimmer leisten können, sieht es nicht besser aus. Nachbar*inne*n und Freund*inn*e*n sind herzlich eingeladen.
Das ist das Gegenteil von Prophylaxe.
Wer Gesundheit und Leben schützen sowie Virusverbreitung unterbrechen will, muss den Spielbetrieb unterbrechen. Da hätten auch die Spieler was davon, ob geimpft oder ungeimpft.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net