Jemenkrieg / Ukrainekrieg / Frankreich

Rupert Murdoch ist mein Lieblingsfeind. Zum Überleben ein leichtes Opfer. Der Kerl ist 91. Er wird vor mir sterben. In den USA, Grossbritannien und Australien pflegt er die Regierungschefs auszuwählen. Der deutsche Profifussball hat bis 2018 aus seiner Hand gefressen. Dann hat er nicht etwa mit Fressen aufgehört, sondern Murdoch war es leid und hat den TV-Sender Sky verkauft. An diesem Wochenende liess Murdoch sein Wallstreet Journal (Paywall) etwas vermelden, was an die heissesten Ukraineträume Wladimir Putins erinnert. Trump-Finanzier, Jemen-Kriegsverbrecher und Kashoggi-Mörder Mohammed Bin Salman (MBS) hat seinen Jemen-Präsidenten erpresst, abgesetzt und festgesetzt. So Macht mann das.

War Robert Habeck etwa doch so gut beraten, dass MBS seine Aufwartung zu machen dann doch zu viel gewesen wäre? Er ist immerhin der mächtigste und reichste Mann von allen, der es alleine mit Jeff Bezos aufnimmt. Hier haben Sie mal in kompakter Form alle Wirtschaftsdaten. Und Sie sehen: beim Öl ganz wichtig. Entsprechend beisst sich Habecks Ministerium lieber die Zunge ab, als was Böses zu sagen. Der Beweis: Diplomatie ist doch möglich, auch gegenüber Kriegsverbrechern und Mördern.

Dass ein Murdoch-Blatt die Geschichte bringt, ist in mehrererlei Hinsicht bedeutend. Murdoch hatte sich kurz vor dessen Wahlniederlage von Donald Trump abgewandt. Nicht jedoch MBS, der ihn bezahlt hat. Nach Bidens Wahlsieg lässt dieser unwidersprochen verbreiten, er habe bis heute mit MBS kein Wort gewechselt, auch nicht am Telefon. Im Wettbewerb des “wer hat den Längsten” ist das unter Jungs die schwerste denkbare Beleidigung. Wenn sie nicht stimmt noch schlimmer, als wenn sie stimmt.

Ukraine – Kriegsende absehbar?

Tomasz Kurianowicz, Chefredakteur der Berliner Zeitung, hat ein kleines Guckloch in die deutsche Mediennebelwand geschlagen. Er berichtet über Spekulationen angloamerikanischer Medien (Times und NYT) zu einer TV-Sendung in russischen Staatsfernsehen. War die echt? War die live oder aufgezeichnet? Und was hat es zu bedeuten, was da gesagt wurde? Im Krieg ist sogar das Recherchetelefon kaputt.

Dort soll der Duma-Abgeordnete Semyon Bagdasarov, Fraktionsangehöriger der “Systemopposition” gesagt haben:

„Müssen wir uns in ein weiteres, noch schlimmeres Afghanistan stürzen? In der Ukraine gibt es mehr Leute und sie sind fortgeschrittener im Umgang mit Waffen. Das brauchen wir nicht. Es reicht. Die Armee hat ihre Aufgabe bereits erfüllt. Lassen wir Diplomaten (…) dieses Problem lösen. Die Armee kann nicht das Entscheidungsorgan für all diese Dinge sein.“

Wenn er das gesagt und gemeint hat, wäre es schön, wenn das auch in Berliner Kreisen der deutschen Regierungspolitik Verbreitung fände. Ein kluger Gedanke eigentlich. Wenn Sie den irgendwo im deutschen TV hören, geben Sie mir bitte einen Programmhinweis.

Frankreich vor der Stichwahl

Bernhard Schmid/telepolis, regelmässig auch für die Jungle World schreibend, ist in den letzten Jahren meine wichtigste Informationsquelle für Frankreich geworden. Ich hatte die Sprache leider nicht in der Schule, wg. Lehrermangel wurde ich zu Latein gezwungen, das ich dann auch nicht gelernt habe (Note 5). Gestern nachmittag erschien von ihm ein strategischer Gesamtüberblick zur Stichwahl, dem auch meine Überschrift entlehnt ist. Die ist aber nicht von heute, sondern von 2002.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net