Die Krisen werden verschärft – menschengemacht

Die Nachrichten aus der Wirtschafts- und Finanzwelt sind so scheisse, dass die FAZ schon ihr ganzes Finanzressort eingemauert hat. Es könnte plebejische Leser*innen allzu verunsichern, wenn sie freien Zugang dazu hätten. Gerechter Lohn für “gerechte” Kriegsbegeisterung.

In Europa erweckt der Krieg den Eindruck, die Coronapandemie sei vorbei. Ist sie nicht. Im Gegenteil. In China, der Lokomotive der Weltwirtschaft, geht sie jetzt erst richtig los. Nach Shanghai, den grössten Handelshafen der Welt, hat sie nun auch Beijing wieder erreicht. Keine Sensation: beide Ballungsräume sind durch superschnelle Bahnlinien eng verknüpft – mit dem Rest der Welt übrigens auch.

Regierungen in den USA und Europa zeigen selbstgerecht mit dem Finger drauf, um zu behaupten, ihre eigene Pandemiepolitik sei ja so viel besser gewesen. Tatsächlich haben sie mit ihrer konfrontativ-unsolidarischen prohibitiven Patent- und Impfpolitik die Voraussetzungen für diesen Neuausbruch mitgeschaffen. Er wird schneller, als uns lieb ist, zu uns allen zurückkehren, neue Varianten und Mutationen inklusive.

Der Krieg lenkt nicht nur ab, er beschleunigt alle Krisensymptome. Aussenministerin Baerbock war kürzlich in Mali, um die Bundeswehrsoldaten zu tätscheln. Sie haben in Mali und Niger den Auftrag die Migrationsökonomie zu ruinieren, stattdessen die dort residierenden Diktaturen dazu zu bewegen, Migrant*inn*en, ähnlich wie die EU-finanzierte Terrororganisation “libysche Küstenwache”, solche Menschen aufzuhalten und falls nötig zu internieren. Europa schickt dann “gerechten Lohn” an die sadistischen Oligarchen und hält seine eigenen Augen und Ohren ganz fest zu.

Ein paar tausend km östlich versucht ein deutscher UN-Vermittler im Sudan einen Bürgerkrieg und viele weitere Todesopfer zu verhindern. Das Land ist zu gross und zu kompliziert, um alles auf einmal zu schaffen. In seiner Mitte das wichtigste Süsswasserreservoir Afrikas, der Nil, eine Migrationsökonomie für Flüchtlinge aus Somalia, Eritrea und Äthiopien, und alle zusammen Opfer der Klimakatastrophe.

Bald erste Streaming-Pleiten?

Die Finanzspekulant*inn*en sind entsetzt über den erwartbaren “Konsolidierungsprozess” der Videostreaming-Plattformen – unserem eskapistischen Ausweg aus Krieg und Pandemie. In den USA sind es Netflix, Amazon, Apple+, Disney+, Hulu, HBO Max, Peacock oder Paramount+. Das wären acht Abos, um die freie Auswahl zu haben. Das ist selbst für die Beklopptesten in der US-Mittelschicht zuviel. Ich weigere mich ja schon, Digitalabos für Geschriebenes abzuschliessen, weil meine Meinungs- und Gedankenfreiheit sowie mein persönlicher Datenbesitz damit von einem einzelnen Medienkonzern privatisiert und eingesperrt würde. Ich folge da lieber solchen Freiheitskämpferinnen – wenn es sie wirklich gibt.

Netflix soll u.a. geklagt haben, dass seine Kund*inn*en Passwörter “unerlaubt” an Freund*in*e*n und Bekannte weitergeben würden. Nee, wie fies aber auch, diese zahlenden Schmarotzer*innen. Ich kenne sogar Leute, die terrabyte-fette Festplatten mit hunderten Serien verschenken, oder zum Kopieren ausleihen. Klar, schon die deutsche Kinoindustrie wusste: alles Verbrecher.

Die Krisenstimmung wurde ausgelöst durch aktuelle Netflix-Bilanzzahlen. Aus ihnen ging hervor, dass nicht nur das “Wachstum gebremst” wurde, was allein schon Börsengift ist, sondern die Abo-Zahlen sanken. Weil die Wegfallenden 700.000 aus Russland den Saldo bestimmten. Das ist paradigmatisch. Ausser für die Rüstungsindustrie und den MIK ist Krieg und Kriegspolitik schlecht. Bereicherung gibts erst durch Wiederaufbau. Das ist kapitalistisches Gesetz.

Und das Klima? Ist das noch wichtig?

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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