Ist die Überschrift “Lügen für 1/2 Million Euro jährlich” auf rolandtypische Art nicht etwas zu heftig geraten? Dachte ich im ersten Moment. Sie müssen sich die Situation so vorstellen: Autor Roland Appel stellt seine Texte immer gegen ca. 2 Uhr morgens online. Bis ca. 8-10 h sind die nicht korrekturgelesen. Von der Notwendigkeit erfahre ich morgens nach dem Aufwachen, wenn ich sie auf meinem Tablet sehe.

In der Regel sehe ich nach dem Lesen ein, dass die gewählte Formulierungshärte treffend ist. In diesem Fall, in dem es darum geht, ob unser Staat und unser Land Teil eines Krieges werden, besonders. Die zerstörerische Gefahr, die von missionarischen deutschen Maoisten ausgeht, lernte ich schon als Jugendlicher im Kreisverband Essen der Jungdemokraten kennen – bei Bündnisverhandlungen zu Jugendzentren u. ähnl.. Die betreffenden autoritär tickenden Politiker*innen haben seitdem mannigfach ihre Vereine gewechselt, sie sind aber in ihrem Denken die Gleichen geblieben. Das Alter mildert sie nicht. Und “Erfolge” als Berater unerfahrener Bundesregierungen machen sie erst richtig heiss. Viele, die sie gut kennen, treibt das die Wände hoch. Dagegen ist Rolands Ausdrucksweise noch gemässigt.

Ebenfalls schon fertig, ich hatte ihn nur am Vorabend nicht mehr gesehen, war Christian Wolfs “40 russische Diplomaten müssen gehen!”. Es geht nicht um Russenspione, sondern US-amerikanische, nicht Menschen, sondern Betriebssysteme und andere Software, die Sie und mich ausspioniert, ohne dass unsere Regierung uns schützt. Christians Texte handeln fast ausnahmslos davon, wie Sie sich selber schützen können, Verbraucher*innen*beratung im besten Sinne. Mit intensiver Diskussion in den Kommentaren.

In meinen Texten geht es heute wieder um den Krieg. In “Die abweichende Meinung von … Gromyko!” weise ich auf ein Interview von Liudmila Kotlyarova für die Berliner Zeitung mit Andrei Gromyko, einem Enkel des früheren Aussenministers gleichen Namens (1957-1985) hin. Der heutige Gromyko spricht öffentlich offenherziger. Er ist schon gefeuert. Und scheint sich bei niemandem einschleimen zu wollen. Das macht seine Aussagen relevant und informativ.  Bis heute Abend noch nicht eingemauert. Weiteren Textempfehlungen meinerseits zur Aussen- und Kriegspolitik folgt am Schluss ein konstruktiver Hinweis auf die 3sat-Wissenschaftssendung “nano”.

Mein zweiter Text “Der springende Punkt” kreist um eine sehr weise Feststellung des US-Politologen John J. Mearsheimer. Klaus Dieter Kolenda hatte bei telepolis eine wenige Tage alte Präsentation Mearsheimers vorgestellt. Es geht um eine Passage, die den Generationenwechsel bei der Betrachtung der sich zuspitzenden Probleme um die Erhaltung menschlichen Lebens betreffen. Normalerweise hasse ich die Generationenkategorie als Mittel zur Analyse politischer Interessenkonflikte. In diesem Fall scheint sie mir geeignet. In welchem Verhältnis steht die (Atom-!)Kriegsgefahr zur Klimakatastrophe? Schon weil es sich um den einen Planeten handelt (“Kein Planet B!”) hängen sie enger zusammen, als es die meisten öffentlichen Schwätzer*innen bewusst zu machen in der Lage sind. Das hat mir den Tag verdorben.

Er war sowieso verregnet – nach über 6 trockenen Wochen ein wenig Wasser von oben. Ich muss was gegen meine Weinvorräte tun. Wer weiss denn, wieviel Zeit noch dafür bleibt?

Schlafen Sie trotzdem gut. Wachliegen ist auch keine Lösung. Wenn doch, lesen Sie kurz nach Mitternacht meine Erinnerung an das gescheiterte Misstrauensvotum gegen Willy Brandt vor 50 Jahren, und was sich damals in Bonn und in diesem Land ereignete: “Vor 50 Jahren am Metropol-Kino”.

Freundliche Grüße
Martin Böttger

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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