Das sind die Gefährlichsten. Sie glauben sich Grosszügigkeiten nicht mehr erlauben zu können. Geraten in Panik, schlagen um sich. Und sollte es zum Untergang kommen, wollen sie viele, die sie daran für schuldig halten, in ihren Abgrund mitnehmen. “Angst ist eine unserer grundlegenden Emotionen, die als Schutzmechanismus einen wichtigen Beitrag zur Evolution des Menschen leistete” meinen sie z.B. beim Uni-Klinikum Dresden. Einer Stadt, die sich mit Kriegsangst auskennt. Angst ist also eine gute Beraterin. Das kann ich als staatlich diplomierter Feigling (Kriegsdienstverweigerung) bestätigen.

Über die absteigende Weltmacht USA sind deutsche Bücherregale bereits vollgeschrieben. In diesem Bibliotheken-Hochgebirge empfehle ich persönlich Bernd Greiner, den mir meine alte verstorbene Freundin Tissy Bruns in unserer gemeinsamen politischen Jugend ans Herz gelegt hatte.

Was entsprechende Analysen Russlands nach dem “Sieg” über den “real existierenden Sozialismus” betrifft, gibt es dagegen, das zeigen die diesjährigen Kriegsmonate, schwerwiegende Kompetenzprobleme, zumindest in Deutschland. Obamas dummem Geschwätz von der “Regionalmacht” folgend, profilieren sich alle, die das Putinregime nicht gekauft oder wenigstens hofiert hat, mit demonstrativer Ignoranz. Unter dieser inkompetenten deutschen Führung litt und leidet parallel die EU. Ihr deutsch-französischer Motor (auch “Achse”) wurde durch ein Konkurrenzverhältnis ersetzt. “Das Sagen” haben die ökonomisch stärksten Deutschen, nach dem Brexit noch mehr als vorher. Entsprechend dumm steht die deutsche politische Führung nun da, und lässt sich in ihrer Not auch noch schlecht beraten (die Grünen jedenfalls). Dabei hätten sie bessere Beratung um die Strassenecke: “Die Soziologin Katharina Bluhm über die ideologischen Triebfedern der russischen Politik – »Die Invasion war ein Ausdruck von Panik« – Seit Jahren erstarken in Russland Kräfte, die eine Zukunft mit Russland als eigenständige Weltmacht anstreben. Dieser Anspruch müsse gegen die Dominanz der westlichen Staaten erkämpft werden” (Jungle World). Frau Bluhm kennzeichnet verblüffend präzise die verpassten Gelegenheiten friedenspolitisch kompatibler politischer Interventionen und Verhandlungen.

Meta und anderer Datenschund

Wird Meta (ehem. “Facebook”) allmächtig? Nein, im Gegenteil. Der Gipfel ist erreicht, es geht abwärts. Ganz besonders innerhalb des unübersichtlichen Weltkonzernkonglomerats. Peter Thiel hat sich schon 2012 mit einem Haufen Geld verpisst, und kauft sich zunehmend in die reaktionärsten politischen Kräfte der USA ein. Wenn Zuckerberg seine Milliarden “in Sicherheit” bringt, spätestens dann sollten Sie sich als Facebook-Nutzer*in ebenfalls an irgendein besseres Ufer bringen. Besser Sie tuns jetzt, als zu spät. Bei der Gelegenheit denken Sie mal eine Viertelstunde darüber nach, was es Ihnen genützt hat, solche Typen mitzufinanzieren.

Aber grämen Sie sich nicht selbst. Wirklich verantwortlich sind ihre und meine tatenlosen Regierungen. Die haben wir für was anderes gewählt. Oder Sie etwa hierfür? Vor Jens Spahn haben wir Sie immer gewarnt. Und vor Karl Lauterbach auch.

Tesla-Blase

Eine ähnliche Milliardärsblase wie Meta/Facebook ist gegenwärtig Tesla, das die komplette deutsche Provinzpolitik östlich der Elbe schon ganz wuschig gemacht hat – wie ein Käfer, der sich vor dem hungrigen Vogel auf den Rücken legt. Für diese Wirkung genügt es, die wahrhaft fossile deutsche Autoindustrie auszudribbeln. Die ist so eine Art industrielles “Russland”. Ihre Lobby hat oligarchenartig “alles” gekauft, alle Käfer, um in diesem Bild zu bleiben. In diesem Feld der Orientierungslosen hat ein Aufschneider wie Elon Musk leichtes Spiel.

Tesla löst kein einziges Problem (ausser für seine Aktionäre), sondern schafft neue. Tonnenschwere Limousinen beanspruchen Deutschlands Autorennbahnen, und sind im Land ohne Tempolimit auch richtig angesiedelt. Der Ressoucenverschleiss, naja, bis der akut ist, sind die dienernden Politiker*innen alle in Rente, und die Aktionäre haben ihre Aktien längst an Dümmere verkauft. Denken die. Doch die real existierende Ökologie setzt zum Überholmanöver an.

Der Kern des Geschäftsmodells ist nicht das tonnenschwere Blech, sondern die damit gesammelten Daten. Das ist imgrunde das Gleiche wie im Pornobusiness. Die verkaufte Ware ist nur das Mittel, nicht der Zweck, um uns datennackt auszuziehen, und damit ohne jede Kontrolle oder gar Rechenschaftspflicht Handel zu treiben und Profite zu realisieren. Die Landesanstalten für Medien (NRW), das kann ich bezeugen, wissen das sogar. Sie profilieren sich nur darum so abgrundtief billig, weil sie demonstrieren wollen und müssen, dass sie jemand braucht. Ich nämlich nicht.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net